Thailand ist out, Vietnam ist in? “Dieser Eindruck ist korrekt”, sagt Trung Bao Nguyen von den vietnamesischen The Anam-Hotels. Natürlich sei Thailand weiterhin ein wunderschönes und beliebtes Reiseland, doch durch den dortigen Massentourismus würden westliche Tourist*innen nach einem “frischen und authentischen” Reiseerlebnis suchen. “Viele blicken jetzt eine Ecke weiter und wählen Vietnam als “neue It-Destination in Südostasien”.
Vietnam gehört zu den am schnellsten wachsenden Reisezielen in Südostasien. Um so wichtiger ist demnach die Frage, wie man das Land möglichst rücksichtsvoll entdecken kann. Unser Green Travel Guide soll dafür eine Hilfestellung sein.
Doch zunächst noch ein paar Fakten und eine kleine Einstimmung auf das „Land des aufsteigenden Drachen“

Was macht Vietnam als Urlaubsland so reizvoll?
Vietnam ist atemberaubend. Das Land ist fast wie ein Küstenstreifen geformt und hat eine über 3.000 Kilometer lange Festlandküste. Hinzu kommen über 4.000 (oft unbewohnte) Inseln. Es gibt drei tropische Klimazonen und oft beginnt direkt hinter dem Sandstrand der Regenwald.
Etwa 40 Prozent von Vietnam sind von Regenwald bedeckt und ein bedeutender Teil davon sind artenreiche Nationalparks. (Mehr dazu weiter unten)

Neben der Naturschönheit sind es jedoch auch die Geschichte und die Bevölkerung, die viele Reisende an dem Land fasziniert.
Eine Geschichte von Freiheitskämpfen

Ho Chi Minh Young Pioneer Organization, in der die meisten Schüler*innen von der 3. bis 9. Klasse Mitglied sind. BILD: Pexels
Das Rot in der vietnamesischen Flagge symbolisiert Blut, genauer gesagt: das viele Blut, das Millionen Vietnames*innen für ihre Freiheit vergossen. 80 Jahre französische Kolonialherrschaft, dann Besatzung durch Japan, Krieg mit den USA, Besatzung durch China, amerikanisches Handelsembargo. Sowohl westliche als auch asiatische Mächte versuchten, Vietnam zu beherrschen, doch das Land kämpfte für Freiheit und Unabhängigkeit. Das Volk besiegte Supermächte. Und darauf ist es bis heute stolz.
Tipp: Ein Mann, mit dem du dich vor deiner Vietnam Reise ein wenig beschäftigen solltest ist Hồ Chí Minh (1890–1969), Revolutionsführer und Staatsgründer von Vietnam. (Empfehlen können wir z. B. diese Dokumentation von Lucasfilm auf YouTube). In Hanoi gibt es auch ein Ho Chi Minh Museum)
„Entwicklungsland“ mit hohen Ansprüchen
Zum Spirit von Vietnam passen auch die aktuelle Ausrichtung und Entwicklung des Landes. Das Land befindet sich in der “Golden Era Vietnam”: Wirtschaftsboom, krasser Anstieg vom Bildungsgrad, eine rasante Entwicklung in allen Lebensbereichen. Landeskenner wie Martin Koerner (Group Commercial Director der Anam Group und seit 14 Jahren in Vietnam) beobachten, dass sich die Regierung in einer Art Premium-Segment aufstellt. Es würden keine “Dreckfirmen auf der Suche nach Billiglohnkräften” ins Land gelassen, sondern man versuche, den Markt mit renommierten Firmen, die sowohl Arbeits- als auch Umweltstandards einhalten, zu besetzen.
Luxus und Tourismus in Vietnam

Im Tourismus bemerkt man den Wandel zum Premium-Segment ebenfalls. Vietnam wird vom Backpacker-Geheimtipp immer mehr zu einer Luxury Destination. Es gibt viele Luxusresorts und -hotels; Low-Budget-Backpacker gehören nicht (mehr) zur bevorzugten und geförderten Zielgruppe. Dies ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines “Tourismus-Masterplans” der Regierung.
Im Jahr 2011 genehmigte der damalige Premierminister eine nationale Tourismusstrategie, die vorsah, den Tourismus zum “wirtschaftlichen Spitzenreiter” zu entwickeln. Der Fokus wurde dabei auf eine einkommensstarke Zielgruppe gelegt. Interessanterweise enthält das Strategiepapier aber auch gleich zu Beginn die Vision, dass ein “nachhaltiger Tourismus” entwickelt werden soll, von dem die Bevölkerung profitiert.
In den vergangenen zwanzig Jahren eröffneten zahlreiche internationale Luxus-Hotelmarken Flaggschiffhotels in Vietnam. Hinzu kommen Resorts auf Privatinseln, die nur per Boot zu erreichen sind und das Zielpublikum “Superreiche” ansprechen. Wie diese Art von Reisen mit dem Vorsatz über Nachhaltigkeit zusammengeht, kannst du dir selber ausmalen. Aber es geht auch im oberen Preissegment anders!
Luxus durch kulturelle Identität

Interessant ist der Ansatz von Pham Van Hien, der die The Anam Hotelgruppe gründete, welche kürzlich Teil des Green PearlsⓇ Netzwerks wurden. Der promovierte Physiker erzählt:
“Auf meinen Reisen habe ich viele Unterkünfte besucht, die beeindruckend ausgestattet waren, aber keine eigene Identität hatten. Darum wollte ich eine Hotelmarke entwickeln, die nicht einfach westliche Luxushotelstandards nach Asien bringt, sondern für sich selbst steht. Tief verwurzelt in der vietnamesischen Kultur und Gastfreundlichkeit.” – Phan Van Hien im Interview mit Traveling for Business
Cam Ranh Halbinsel: Vietnams entspannte Küste erleben
Das erste Hotel, das Phan Van Hien eröffnete, war The Anam Cam Ranh in 2017. Im Jahr 2012 entdeckte er das zwölf Hektar große Grundstück am Long Beach auf dem nördlichen Teil der Cam Ranh Halbinsel. “Ich war überwältigt von der Ruhe und Schönheit dieses Orts”, beschreibt er. Der Urwald wurde zu einer tropischen Gartenanlage, in die noch rund 3.000 Kokosnusspalmen gepflanzt wurden und die heute das Hotel umgibt. Zudem liegt das Hotel direkt am Long Beach mit 300 Metern Strandabschnitt für die Gäste.
Lokale Architektur und Handwerkskunst

Die Anlage wurde als Hommage an das indochinesische Erbe der Küste im typischen Baustil der Region errichtet. Die indochinesische Architektur ist eine Verschmelzung vom französischen Kolonialstil mit dem vietnamesischen Baustil:
- Französische Architekten brachten symmetrische Grundrisse mit zentralem Haupteingang und Rundbögen.
- Die Anpassung an die Region und das tropische Klima geschah z. B. durch hohe Decken und breite Dächer, regionale Materialien (z. B. Bambus und Rattan) und vietnamesische Symbolik in Ornamenten und Verzierungen (Drachen, Lotosblumen etc.).
Im The Anam Cam Ranh erkennst du diesen Stil in vielen Details wie den Dachformen, typischen Laternen und natürlich den gemusterten Fliesen. Diese sowie die Mosaik-Bodenfliesen wurden nach traditioneller Art von lokalen Handwerker*innen aus dem ganzen Land gefertigt. Auch bei weiteren Elementen für Gebäude und Innenausstattung wurde eng mit Kunsthandwerker*innen aus Vietnam zusammengearbeitet und bei den Materialien wurde Wert darauf gelegt, dass sie verantwortungsvoll hergestellt bzw. gewonnen wurden.
Die Halbinsel Cam Ranh
Wenn du deine Vietnam-Reise mit viel Ruhe, langen Sandstränden und kulturellen Ausflügen gestalten möchtest, findest du auf der Cam Ranh Halbinsel einen guten Ausgangspunkt. Anders als das benachbarte Nha Trang (eine dicht bebaute, touristische Stadt mit Skyline und buntem Nachtleben), das seit vielen Jahren zu den bekanntesten Badeorten des Landes zählt, wirkt Cam Ranh noch entspannter. Die Bebauung ist flacher, die Strände, allen voran der berühmte, kilometerlange Long Beach (Bai Dai Beach), sind spektakulär, feinsandig und sauber. Fischerboote und die traditionellen runden Korbboote prägen an vielen Stellen das Bild der Bucht und erinnern daran, dass die Fischerei bis heute zum Alltag der Region gehört.
Von Cam Ranh aus lassen sich die Cham-Tempel von Po Nagar, die Wasserfälle von Ba Ho und heiße Quellen entdecken oder Bootstouren zu den vorgelagerten Inseln machen.
Mui Ne: Zwischen Fischerdörfern, Sanddünen und Champa-Kultur

Mui Ne ist ein alter Fischerort im Süden Vietnams. Bekannt ist der Ort besonders für seine Sanddünen und surftauglichen Wellen. Kite- und Windsurfer*innen aller Level kommen hier auf ihre Kosten. Doch trotz seiner touristischen Beliebtheit ist die Region bis heute eng mit ihrem maritimen Erbe verbunden. Im Fischereihafen legen täglich die typischen Korbboote an, auf den Märkten wird der Fang des Tages verkauft und in den meisten Familien der umliegenden Dörfern spielt die Fischerei seit Generationen eine wichtige Rolle.
Tipp: Besuche das Fischsaucenmuseum in Phan Thiet. Es erzählt die Geschichte eines der bekanntesten Lebensmittel Vietnams und verrät dir viel über die Alltagskultur.
Mui Ne gehörte übrigens einst zum Seefahrer-Königreich der Champa (ca. 2. bis 17. Jahrhundert). Die Zeit der Champa ist hinduistisch geprägt, wofür z. B. die Po San Inu Cham Towers einer ehemaligen Tempelanlage beeindruckende Zeugnisse sind.
Das Resort The Anam Mui Ne greift diese regionale Identität auf. Auch hier bestimmen vietnamesische Architektur, lokale Materialien und die Küche des Landes das Konzept.
Zu den bekanntesten Ausflugszielen rund um das 5-Sterne-Resort gehören die Po Sah Inu Cham Towers, die roten und weißen Sanddünen, der Fairy Stream und der Ta-Cu-Berg mit seiner monumentalen Buddha-Statue.

Mehr als ein Hotel: Die The Anam Foundation
Zum Selbstverständnis der The Anam-Hotels gehört auch gesellschaftliches Engagement über den Hotelbetrieb hinaus. Über die The Anam Foundation fließt jährlich ein Teil der Unternehmensgewinne in soziale und wirtschaftliche Projekte in den umliegenden Gemeinden (z. B. Baumpflanzaktionen in den Gemeinden und der Bau von sicheren Häusern für benachteiligte Familien).
Zum nachhaltigen Engagement der Häuser gehören außerdem Dinge wie Solaranlagen, der konsequente Verzicht auf Einwegplastik (auch hinter den Kulissen), wiederverwendbare Glasflaschen, biologisch abbaubare Pflegeprodukte sowie eine Küche, die überwiegend auf regionale Zutaten setzt. Letzteres äußert sich z. B. in der Policy, keine Grundnahrungsmittel zu importieren.
Vietnam: Ein Land bedroht vom Klimawandel

Das Bewusstsein für Nachhaltigkeit sei laut Martin Koerner gemischt. So sei der Regierung die Lage durch den Klimawandel durchaus bewusst, weshalb z. B. in der Tourismusstrategie oder bei der Investorensuche im Wirtschaftssektor Nachhaltigkeit mitberücksichtigt wird. Das Volk soll profitieren (hier spürt man den kommunistischen Geist)) und die Naturschönheit soll nicht zerstört werden.
Weiterhin hat Vietnam auch ein Interesse daran, dass sich die Klimakrise global nicht noch weiter verschärft.
Vietnam gehört zu den Ländern, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind.
Dies hat geografische Gründe. Vietnam hat eine sehr lange Küste zum Südchinesischen Meer (Pazifik). Steigt der Meeresspiegel, drohen zwei bedeutende Flussdelta mit Salzwasser überflutet zu werden. Besonders das Mekong-Delta, wo 20 % der vietnamesischen Bevölkerung leben, ist laut der GIZ in großer Gefahr. Versalzene Böden bedrohen dort den Reisanbau, die Wasserversorgung und die Lebensgrundlage vieler Menschen. Die GIZ schätzt, dass bis zu 70 % der Vietnamesischen Bevölkerung durch Naturkatastrophen in Mitleidenschaft gezogen werden könnten.
Allerdings muss man auch sagen, dass Vietnam trotz dieses Bewusstseins und der direkten Bedrohung nicht für herausragenden Klima-Aktivismus bekannt ist. “Man darf nicht vergessen, dass das Land immer noch auf der Stufe “Entwicklungsland” ist”, sagt Martin. Dinge wie Hochwasserschutz werden als wichtig empfunden. Plastiktütenverbote oder Mülltrennung hingegen nicht. Recycling-Möglichkeiten wirst du auf deiner Reise z. B. kaum finden.
Wie kann ich nachhaltiger in Vietnam reisen?
Falls du von einem weiter entfernten Land nach Vietnam reist, so kann die Reise allein wegen der großen Entfernung natürlich nicht als „nachhaltig“ im Sinne von emissionsarm gelten. Ein Flug zerstört hier leider jede Bilanz. Allerdings sind die Emissionen auch nicht die einzige Säule der Nachhaltigkeit. Es gibt viele Möglichkeiten, wie du als Tourist*in einen positiven Impact haben kannst. Auch oder gerade wenn du mit dem Flugzeug anreist.
#1 Anreise und Mobilität in Vietnam

Flugreisen sind nicht umweltfreundlich. Das können wir nicht schönreden. Wir können jedoch für etwas weniger Auswirkungen sorgen, indem wir möglichst direkte Verbindungen buchen (Start und Landung verbrauchen das meiste Kerosin) und im Land selbst auf weitere Inlandsflüge verzichten und stattdessen auf Bahn und Bus umsteigen.
Kann ich Vietnam bereisen ohne Inlandsflüge zu nutzen?
Da das Land sehr langgestreckt ist und die meisten von uns nicht unbegrenzt Urlaub haben, liegt es nahe, die Distanzen mit Inlandsflügen zu überbrücken. Die Reise von Hanoi im Norden nach Ho-Chi-Minh-Stadt im Süden dauert mit dem Zug beispielsweise rund 30 Stunden, mit dem Flugzeug hingegen nur zwei Stunden. Wir können den Impuls also gut verstehen!
Allerdings sind Zugstrecken in Vietnam durchaus zu empfehlen, wie z. B. das amerikanische Magazin Travel & Leisure sowie Travel Tour & World schreiben. In den Artikel werden wunderschöne Zugstrecken entlang der Küste sowie Nachtzüge erwähnt.
Durch Zugreisen kannst du deine Vietnam Reise zu einem Slow-Travel Erlebnis machen.
#2 Unterkünfte
Wir haben dir oben bereits die beiden Schwesterresorts The Anam Cam Ranh und The Anam Mui Ne als Unterkünfte empfohlen, die Teil des Green PearlsⓇ Netzwerks sind und ihr Engagement transparent kommunizieren.
Darüber hinaus gibt es natürlich noch weitere engagierte Hotels und Unterkünfte. Unsere Empfehlung:
Bevorzuge Unterkünfte, die:
- Vietnamesische Eigentümer*innen haben (so bleibt dein Geld auch im Land)
- Sich für die Umwelt engagieren (z. B. Solarenergie, Zero-Waste-Strategie)
- Regional einkaufen und kochen
- Mitarbeiter*innen fair behandeln (dies könnte z. B. auf der Webseite hervorgehoben werden; manchmal muss man eben etwas recherchieren)
#3 Tiere und Tierschutz
Elefanten, Affen, Königskobra… Vietnam ist eines der artenreichsten Länder Südostasiens, da es mit seinen Dschungelgebieten, Mangrovenwäldern, Bergen, Süß- und Salzwasser die verschiedensten Lebensräume bietet. Einige Wildtiere, wie das “Vietnamesische Einhorn” Saola, sind vom Aussterben bedroht.
Leider gibt es in Vietnam eine ganze Reihe von inakzeptablen “Tierattraktionen” vor denen du Abstand nehmen solltest.
Kommerzielle Tierausbeutung in Vietnam – und wie es besser geht

NEIN zu Elefantenreiten
Um Elefanten als Reittiere für Touristen abzurichten, wird ihnen schon als Jungtier “der Wille gebrochen” (mit kurzen Ketten und spitzen Haken). Während es vor etwa 10 Jahren noch sehr populär war, Ausflüge auf dem Elefantenrücken zu unternehmen, wurde es in den letzten Jahren mehr und mehr verboten. Allerdings nicht als staatliches Gesetz, sondern von einzelnen Provinzregierungen oder Nationalparks.
In der Region Dak Lak, die für Elefantenreiten besonders populär war, ist man 2022 auf ein “Elephant-Friendly Tourist Model” gewechselt, das 2026 seine Übergangsphase beendete. Unserer Meinung nach ist es aber keine wirklich tierschutzgerechte und ethische Lösung, da die „Strategie“ darin besteht darin, dass Elefanten zwar nicht mehr geritten werden, den Tourist*innen aber dennoch eine “Interaktion” mit den Tieren ermöglicht wird, und die Elefanten z. B. gefüttert werden.
Laut Viet Nam News gibt es 35 domestizierte Elefanten in der Region.
JA zu Elefanten im Nationalpark beobachten
Doch nur weil die Elefanten „domestiziert“ sind, heißt es nicht, dass sie für die Interaktion mit Tourist*innen herhalten müssen. Der Nationalpark Yok Don in Vietnam hat z. B. bis 2018 selbst noch Elefanten an Ketten gehalten, die Touristen aufsitzen lassen mussten. 2018 kam dann die Kehrtwende und man beschloss, die Elefanten frei zu lassen. Sie können sich seit dem frei im Gelände bewegen und Touristen beobachten sie auf geführten Touren zu Fuß und aus der Ferne. Kein Füttern, kein gemeinsames Baden und keine Fotoshootings.
Der Park nennt sich nun ein “Elephant Sanctuary.” Von diesem Begriff solltest du dich jedoch nicht täuschen lassen. Nicht alle dieser „Sancturies“ gehen mit der Vergangenheit ihrer Tiere so transparent und ehrlich um wie Yok Don. Doch immerhin gibt es ein Umdenken im Land und damit Hoffnung für zukünftige Elefanten-Generationen.
Merke: Elefanten brauchen keine Interaktion mit Menschen. Sie müssen nicht gefüttert oder gestreichelt werden und sollten nicht für Selfies herhalten. Verhaltensbiologen zufolge bedeutet “erzwungene Nähe” für Elefanten vor allem Stress. Beobachte sie nur aus Entfernung als Gast in ihrem Lebensraum.
NEIN zu Fotos MIT Wildtieren
In Vietnam gibt es leider auch zahlreiche “Shows”, wo dressierte Affen oder Bären im Kostüm Fahrrad fahren oder andere Kunststücke aufführen. Weiterhin findest du z. B. auf Märkten die “Gelegenheit” dir einen Affen oder andere Wildtiere für ein Urlaubsfoto auf den Schoß zu setzen. Wie Pro Wildlife berichtet, werden Raubkatzen und andere gefährliche Tiere dafür unter Drogen gesetzt, damit sie die Menschen nicht verletzen.
Bei Affen, die viel in Kontakt mit Menschen sind, beobachten Verhaltensforscher*innen, dass diese ein “aggressives Verhalten” entwickeln.
Gut zu wissen: Mache auch keine Bilder, um dich zu beschweren! Wissenschaftler fanden heraus, dass Fotos von Mensch-Wildtier-Interaktion mit deutlichen Warnungen in der Beschreibung den Tieren ebenfalls schaden. Dies liegt daran, dass auch Bilder, die als Missbilligung gemeint sind, die Relevanz solcher Bilder im Online-Algorithmus erhöhen.
JA zu Fotos VON Wildtieren
Wenn du Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum beobachtest, z. B. beim Birding, ohne dass die Tiere durch dich gestört werden (am besten gar nicht merken, dass du da bist), steht tollen Erinnerungsfotos nichts im Weg. Du solltest dafür den Blitz ausstellen, darauf achten, den Lebensraum nicht zu zerstören und natürlich Abstand wahren. Dann sind Tierfotos eine wunderschöne Sache und wir wünschen dir viel Erfolg dabei.

Die besten Orte für respektvolle Wildtierbeobachtungen in Vietnam
Wenn du Tiere ohne Störung in ihrer echten Heimat erleben möchtest, sind diese drei Nationalparks die besten Adressen im Land:
- Cuc-Phuong-Nationalpark (Nordvietnam): Vietnams ältester Nationalpark ist ein Paradies für Vogelliebhaber und Schmetterlingsbeobachter. Vor Ort befindet sich auch das Endangered Primate Rescue Center, das verletzte und gerettete Affen gesund pflegt und auf die Auswilderung vorbereitet.
- Cát-Tiên-Nationalpark (Südvietnam): Dieses riesige Schutzgebiet erreichst du gut von Ho-Chi-Minh-Stadt aus. Bei geführten Nachtsafaris oder Wanderungen am frühen Morgen kannst du Gibbons, seltene Vögel, Hirsche und mit viel Glück sogar wilde Elefanten und Gaure (Riesenwildrinder) aus der Entfernung beobachten.
- Nationalpark Phong Nha-Kẻ Bàng (Zentralvietnam): Bekannt für seine gigantischen Höhlen, beherbergt der dichte Urwald dieses UNESCO-Welterbes eine riesige Vielfalt an Wildtieren. Bei Dschungel-Trekkings lassen sich unter anderem die seltenen Rotschenkligen Kleideraffen hoch oben in den Baumkronen erspähen.
#4 Respekt gegenüber der Bevölkerung

Zum Abschluss noch ein paar Worte zur Bevölkerung. Über 100 Millionen Einwohner*innen kann man natürlich nicht über einen Kamm scheren, aber ein paar Allgemeinheiten für ein respektvolles Auftreten können wir dir trotzdem mitgeben. Durch den Kommunismus ist Vietnam offiziell ein atheistischer Staat. Konfuzianische Werte (wie in China) und Ahnenkult sind allerdings häufig verwurzelt. Es gibt ein starkes Schamgefühl und es ist Vietnames*innen ein großes Bedürfnis, in der Öffentlichkeit “das Gesicht zu wahren”.
Bei Tourist*innen wird generell vieles toleriert und selbst wenn du dich aus deren Sicht “unmöglich aufführst”, werden dir Vietnames*innen das in der Regel nicht sagen. Daher solltest du dich vorher damit auseinandersetzen und dich möglichst daran halten.
Die wichtigsten Benimmregeln in Vietnam für einen respektvollen Aufenthalt
- Dinge (z. B. Zimmerkarte im Hotel) werden mit zwei Händen übergeben (etwas mit einer Hand zu reichen, gilt als unhöflich)
- Man zeigt nicht mit dem Finger auf jemanden/etwas, sondern mit der ganzen geöffneten Hand
- Man begrüßt die Menschen mit einem Lächeln. Männer können anderen Männern die Hand reichen (hierbei wird die linke Hand zur Verstärkung auf das rechte Handgelenk gelegt), bei Frauen sollte man sich als Mann lieber zurückhalten.
- Kumpelhafte Gesten wie Schulterklopfen sind unangebracht.
- Kindern (oder generell Menschen) nicht durch die Haare wuscheln oder sie anderweitig am Kopf berühren. Der Kopf gilt im Buddhismus und im Ahnenkult als der heiligste Teil des Körpers, in dem die Seele wohnt; das ist somit eine absolute Grenzüberschreitung.
- Die Fußsohlen sind im Gegensatz dazu der unreinste Teil des Körpers und es ist respektlos diese auf etwas zu richten (z. B. hochgelegte Beine in Richtung einer Buddha Statue oder in die Richtung anderer Menschen)

Fazit: Vietnam respektvoll erleben
Wir hoffen, wir konnten dir die Faszination für Vietnam näherbringen und du konntest ein paar praktische Tipps mitnehmen, wie du Vietnam nachhaltiger bereisen kannst. Auf eine Weise, die das Land bei seiner Entwicklung unterstützt und zum Wohl der Bevölkerung und des Artenschutzes beiträgt, anstatt auszubeuten.


