Die Dolomiten und speziell die Seiser Alm sind definitiv kein Geheimtipp mehr. Und wenn du einmal dort oben stehst, verstehst du ziemlich schnell, warum: Vor dir breiten sich die Wiesen von Europas größter Hochalm aus; dahinter ragen Schlern, Langkofel und Plattkofel in den Himmel. Doch welche Wanderungen lohnen sich auf der Seiser Alm wirklich? Das haben wir jemanden gefragt, der hier selbst regelmäßig die Wanderschuhe schnürt.
Marnie Spögler gehört zur Gastgeberfamilie des Paradiso Pure.Living Vegan Hotel, ist Hiking Guide und hat vier der fünf Touren, die wir dir weiter unten vorstellen, selbst erwandert. Ihr Zuhause und Ausgangspunkt könnte dafür kaum besser liegen: Das vegane Hotel Paradiso Pure.Living befindet sich auf 2.020 Metern Höhe direkt auf der Seiser Alm. Viele Wanderwege beginnen praktisch vor der Hoteltür. „Beim Wandern haben unsere Gäste also einen ziemlich guten Vorsprung“, meint Marnie schmunzelnd.
Erst mal vormerken: Mit Hiking Guide Marnie durch die Dolomiten wandern
Eine der Wanderungen aus diesem Artikel kannst du 2027 sogar gemeinsam mit Marnie erleben: Vom 5. bis 11. September 2027 findet das „Into the Dolomites Retreat“ von Pure Yoga & Retreats statt. Die fünftägige Tour mit täglichen Wanderungen und Yoga ist als eine erweiterte Variante der Tour Richtung Monte Pez geplant.
Aktuell sind nur noch fünf Plätze frei (Stand: Oktober 2026). Wenn du 2027 mitwandern möchtest, solltest du dich also besser frühzeitig informieren und anmelden.
→ Hier findest du alle Informationen zum „Into the Dolomites Retreat“

Erst einmal ankommen: Was ist die Seiser Alm eigentlich?

Eine Alm ist eine hoch gelegene Weidefläche, auf die Vieh traditionell während der Sommermonate zum Grasen gebracht wird. Auch auf der Seiser Alm wanderst du deshalb durch eine über Jahrhunderte vom Menschen mitgeprägte Kulturlandschaft mit Wiesen, Weiden und Almhütten.
Kühe und Pferde können dir unterwegs durchaus begegnen.
Und dann sind da die Berge. Die Seiser Alm liegt mitten in den Dolomiten, die seit 2009 zum UNESCO-Welterbe gehören.
Ausschlaggebend dafür sind unter anderem ihre außergewöhnlichen Felsformationen aus Dolomitgestein und ihre geologische Bedeutung: Die hellen, steil aufragenden Felswände erzählen von einer Welt, die vor Millionen von Jahren aus Meer und Riffen bestand.
Insider-Tipp für deinen Dolomitenurlaub: Atme ein!
Marnies erster Tipp hat mit dieser besonderen Landschaft zu tun:
„Mein wichtigster Tipp ist eigentlich ganz einfach: Bleib zwischendurch stehen, atme durch und nimm die Landschaft wirklich wahr.“ – Marnie Spögler
Mit diesem Gedanken im Hinterkopf, nehmen wir dich jetzt mit in die Berge.
Fünf epische Wanderungen in den Dolomiten
#1 Monte Pez: Die anspruchsvolle Tour auf den Schlern

Highlight: 360-Grad-Panorama
Für wen: erfahrene und konditionsstarke Wandernde
Marnies Variante: etwa 7–8 Stunden inklusive Mittagspause
Der Monte Pez oder Petz (2.563 m) ist der höchste Punkt der Schlerngruppe. Von hier oben reicht der Blick bei entsprechenden Wetterbedingungen über Bozen und den Rosengarten bis zu Langkofel, Plattkofel und Marmolata. Der Petz ist zugleich die höchste Erhebung des Schlernmassivs.
Vom Paradiso geht es zunächst durch die Almwiesen Richtung Weg Nr. 2. Danach wird die Tour deutlich anspruchsvoller. Einzelne Passagen führen über felsiges Gelände und sind mit Tritthilfen versehen.
Für Marnie gehört eine längere Variante dieser Wanderung zu ihren Favoriten: Sie wandert zunächst zum Tierser Alpl und anschließend über den Bergrücken Richtung Monte Pez bis zum Schlernhaus (Rifugio Bolzano), einer Berghütte hoch oben auf dem Schlernplateau.
Für diese Variante solltest du einen ganzen Tag einplanen. Marnie rechnet mit sieben bis acht Stunden inklusive Mittagspause im Schlernhaus.
Und genau diese Landschaft wird auch beim „Into the Dolomites Retreat“ 2027 eine Hauptrolle spielen, wie wir bereits oben erwähnt haben.
#2 Rosszahnscharte: Zwischen Schlern und Rosengarten

Highlight: Panorama auf mehrere Dolomitengruppen
Für wen: Wandernde mit guter Kondition für die steileren Anstiege
Tipp: Wanderstöcke mitnehmen
Die Rosszahnscharte – Forcella dei Denti di Terrarossa – liegt zwischen den markanten Rosszähnen.
Der Beginn täuscht ein wenig darüber hinweg, was später kommt: Zunächst wanderst du vergleichsweise entspannt etwa 30 bis 40 Minuten durch die Almwiesen. Am Fuß der Rosszähne wird der Weg steiler. Wanderstöcke können beim Auf- und Abstieg hilfreich sein.
Oben angekommen öffnet sich das Panorama: Auf der einen Seite liegen Rosengarten und Schlern, auf der anderen Seite die Langkofelgruppe.
Wenn du früh unterwegs bist, hast du außerdem bessere Chancen, Wildtiere zu beobachten. (Hier gibt es z. B. Gämse, Füchse, Murmeltiere und Steinadler).
Das Einkehren gehört laut Marnie ausdrücklich zu einem guten Wandertag dazu. Eine Möglichkeit auf dieser Tour ist das Tierser Alpl.
#3 Hexenbänke: Die entspannte Tour

Highlight: Blick ins Etschtal
Dauer: etwa 3 Stunden
Für wen: Familien und alle, die es gemütlicher angehen möchten
Nicht jede Wanderung in den Dolomiten muss eine Gipfeltour sein. Die Wanderung zu den Hexenbänken, auf italienisch: Panche delle Streghe, ist die gemütlichste der fünf Empfehlungen.
Vom Paradiso führt die Tour zunächst Richtung Compatsch und anschließend hinauf zu den Hexenbänken. Dabei wanderst du über Wiesen und durch Waldstücke und findest unterwegs immer wieder Plätze für eine Pause. Bei klarer Sicht reicht der Blick über das Etschtal bis nach Bozen und weit über Südtirol hinaus.
Diese Tour ist eine gute Option, wenn du die Landschaft der Seiser Alm erleben möchtest, ohne gleich einen langen Tag in hochalpinerem Gelände einzuplanen. Außerdem ist die Tour auch für Anfänger geeignet, die noch keine Wandererfahrungen im alpinen und hochalpinen Gelände gesammelt haben.
# 4 Plattkofelhütte: Marnies Favorit

Highlight: Almwiesen und Dolomitenpanorama
Dauer: etwa 4–5 Stunden als Rundtour
Für wen: Genusswanderer mit solider Grundkondition
Einkehr: Plattkofelhütte
Marnies Urteil: einer ihrer beiden Favoriten
Wenn Marnie nur zwei der fünf Wanderungen auswählen dürfte, wäre diese dabei.
Für sie ist es vor allem der Wechsel der Landschaften: Die Tour führt über sanfte Hügel und lange Abschnitte durch die Almwiesen, während sich dahinter immer neue Bergpanoramen öffnen. Bei klarer Sicht kannst du bis zur Marmolata blicken.
Vom Paradiso geht es durch die Wiesen Richtung Saltria. Später steigt der Weg bis zur Plattkofelhütte auf 2.297 Metern an, die direkt unterhalb des Plattkofels liegt.
Marnie beschreibt die Wanderung als angenehme Rundtour von etwa vier bis fünf Stunden. Und sie würde keinesfalls einfach an der Hütte vorbeilaufen: Mittagessen (auf Anfrage auch vegan!) auf der Plattkofelhütte gehört für sie dazu.
Für den Rückweg kannst du entweder einen Rundweg wählen oder auf einem Teil der Aufstiegsroute zurückwandern.
#5 Langkofelhütte: Zwischen zwei Felsriesen

Highlight: Lage zwischen Langkofel und Plattkofel
Dauer: etwa 6–8 Stunden
Für wen: konditionsstarke Wandernde, ggf. mit Vorerfahrung
Bei dieser Tour ist schon das Ziel außergewöhnlich: Die Langkofelhütte, Rifugio Vicenza, liegt zwischen Langkofel und Plattkofel.
Der erste Teil ähnelt der Wanderung zur Plattkofelhütte. Du wanderst zunächst Richtung Saltria. Von dort kannst du einen Teil des Aufstiegs mit einer Bergbahn abkürzen oder die gesamte Strecke zu Fuß zurücklegen.
Allein vom Paradiso bis zur Plattkofelhütte solltest du zu Fuß ungefähr dreieinhalb Stunden einplanen. (Sie ist 9,7 km entfernt). Die Langkofelhütte ist mit rund 15 Kilometern Entfernung noch ein ganzes Stück weiter weg. Insgesamt kann die Tour sechs bis acht Stunden dauern.
Oben stehst du schließlich mitten zwischen den steilen Felswänden der Langkofelgruppe. Gerade diese Lage unterscheidet die Tour deutlich von den Almwanderungen auf dem Hochplateau.
Wenn du einen langen und anspruchsvollen Wandertag haben willst und genügend Kondition mitbringst, bekommst du dafür eine völlig andere Perspektive auf die Dolomiten.
Marnies Tipps für Wanderungen in den Dolomiten
Vor 7 Uhr losgehen
Wir wollten von Marnie natürlich auch wissen, welchen Tipp sie Gästen gibt, der in klassischen Wanderführern eher nicht steht. Ihre Antwort: früh aufstehen!
Gegen 7 Uhr morgens seien die Wege oft noch nahezu leer, das Licht weich und die Sicht auf die Berge besonders klar. Vor allem aber empfiehlt sie, eine Wanderung nicht als Aufgabe zu betrachten, die möglichst effizient erledigt werden muss.
„Ich mag es nicht, eine Wanderung zu überstürzen, nur um von einem Ziel zum nächsten zu kommen.“ – Marnie Spögler
Stehen bleiben. Schauen. In einer Hütte Kaffee trinken. Kuchen essen. Und nicht nervös werden, wenn die Gipfelankunft dadurch eine Stunde später stattfindet.
Dies ist übrigens auch der Tipp von Wanderführer Bergbaschdi aus dem Allgäu. Sogar vor dem Einbruch der Dunkelheit solle man keine Angst haben – dafür gäbe es schließlich Stirnlampen! (Die sollte man natürlich im Rucksack haben …)

Was Marnie immer im Wanderrucksack hat
Selbst wenn beim Start am Paradiso blauer Himmel zu sehen ist, verlässt sich Marnie in den Bergen nicht darauf, dass das so bleibt. Das Wetter kann sich schnell verändern.
Deshalb hat sie immer
- mehrere Kleidungsschichten
- eine wasserdichte Jacke
- eine Trinkflasche
- und auch auf kurzen Touren einen Snack dabei.
Wasser lässt sich unterwegs an verschiedenen Stellen nachfüllen; auch die offizielle Tourismusorganisation weist auf markierte Trinkwasserbrunnen im Wandergebiet hin.
Vor einer Tour solltest du außerdem den aktuellen Wetterbericht und die Wegbedingungen prüfen. Auch kann es hilfreich sein, dir Notfallnummern einzuspeichern, sodass du sie im Fall der Fälle nicht erst raussuchen musst. Die offizielle Seite der Dolomitenregion empfiehlt zudem
- Sonnenschutz sowie
- ein Erste-Hilfe-Set
mitzunehmen.
Außerdem wichtig bei Wanderungen im alpinen Raum: Sage in deinem Hotel Bescheid, welche Tour du gehen willst, welche Route du wählst und ggf. auch, wann du planst, wieder zurück zu sein. Zum einen wirst du sicher noch ein paar wertvolle Tipps erhalten, vor allem aber weiß jemand, wo du bist und wo du im Notfall zu suchen bist!
Fazit: Du und die Berge

Bei Marnies Wanderungen geht es nicht darum, einen Berg zu bezwingen oder möglichst viele Gipfel abzuhaken. Vielmehr möchte sie die Natur bewusst erleben und Teil dieser beeindruckenden Landschaft sein. Den Blick über die Almwiesen schweifen lassen, die klare Bergluft einatmen und wahrnehmen, wie sich die Perspektive mit jedem Schritt verändert. Die Dolomiten bieten dir dafür reichlich Gelegenheit.
Die wichtigsten Fragen rund um das Wandern auf der Seiser Alm und in den Dolomiten
Für die höher gelegenen Touren empfiehlt Marnie vor allem Mitte Juni bis September. Im Juni und Juli blühen die Almwiesen, während Ende August und Anfang September häufig etwas weniger auf den Wegen los ist. Die offizielle Tourismusorganisation nennt für die gesamte Dolomitenregion Seiser Alm eine Wandersaison von März bis November, wobei sich das auch auf tiefer gelegene Wege bezieht.
Nicht unbedingt. Auf höher gelegenen Wegen und rund um den Schlern kann laut Marnie bis in den Juni hinein Schnee liegen. Entscheidend ist deshalb nicht das Datum, sondern der aktuelle Zustand des jeweiligen Weges. Frage im Hotel nach und behalte die offiziellen Wegsperrungen und Informationen im Blick.
Ja! Auch im Winter kannst du in den Dolomiten wandern. Auf der Seiser Alm gibt es präparierte Winterwanderwege, auf denen du die verschneite Landschaft ohne Ski erkunden kannst. Daneben werden Schneeschuhwanderungen angeboten, bei denen du auch abseits der präparierten Wege unterwegs sein kannst. Die hier vorgestellten Sommertouren sind allerdings nicht automatisch wintertauglich. Informiere dich deshalb vorab über geeignete Winterrouten, aktuelle Wetter- und Schneeverhältnisse sowie die Lawinensituation.
Das Wandergebiet auf der Seiser Alm erstreckt sich ungefähr zwischen 1.800 und 2.500 Metern Höhe. Das Paradiso Pure.Living Vegan Hotel liegt auf 2.020 Metern.
Du wanderst hier zwischen weiten Hochalmwiesen und den markanten Felsmassiven der Dolomiten. Schlern, Langkofel und Plattkofel prägen das Panorama. Diese Kontraste machen Touren hier besonders reizvoll. Außerdem umfasst das offizielle Wanderwegenetz der Region rund 450 Kilometer, sodass jede*r hier auf seine*ihre Kosten komm


