Das Bio-Familienhotel Gut Nisdorf an der Boddenküste ist ein Ort mit Geschichte: 1302 wurde es erstmal urkundlich erwähnt und im Mittelalter war es ein Rittergut. Bis es schließlich Ende der 1990er Jahre in den Besitz von Jürg Gloor und Sabine Stange überging, erlebte es viel – und von der Geschichte wollten die beiden so viel wie möglich erhalten. Dabei legten sie großen Wert darauf, alles so nachhaltig wie möglich zu renovieren.
Vom Rittergut zum von Linden verdeckten Gutshaus
Nach einem Brand im Jahr 1898 wurde es von seinem damaligen Besitzer in der heutigen Form wiederaufgebaut. Die Gutsbesitzer wurden jedoch nach dem zweiten Weltkrieg enteignet und vertrieben; im Gutshaus brachte man Flüchtlinge bzw. Umsiedler aus den Ostgebieten unter. Die Landreform sorgte für eine Aufteilung des weitläufigen Geländes und die Landwirtschaftliche Produktions-Genossenschaft übernahm das Gebäude, stoppte die Renovierung jedoch aufgrund Materialmangels wieder. Das ehemals herrschaftliche Gutshaus verfiel immer mehr.

Der Traum: Ein Familienhotel an der Ostsee
Ende der 90er Jahre waren Sabine Stange und Jürg Gloor auf der Suche nach einem Haus, in dem sie ihren Traum von einem Ferienangebot für Familien an der Ostsee verwirklichen konnten. 1997 entdeckten sie nach 1 1/2 Jahren intensiver Suche das Gutshaus Nisdorf. Die Entscheidung für den Kauf fiel schnell und ein Jahr später begannen sie bereits mit der Sanierung. Der Familie wurden dafür zunächst Fördermittel in Aussicht gestellt, die leider doch nicht gewährt wurden. Ein Rückschlag, doch Sabine und Jürg ließen sich nicht beirren. Mit einem kleinen Bankkredit, Arbeitern aus der Umgebung und viel Eigenleistung stellten sie bis 2003 die ersten fünf Wohnungen fertig. Bis zum Sommer 2004 folgten weitere sieben Apartments. Die Familie selbst wohnt seit 1999 in den alten Mauern und liebt die Atmosphäre, die das Haus ausstrahlt. Und auch wenn die Sanierung des Gutshofs sie vor viele Herausforderungen stellte und länger dauerte als gedacht: Beim Bauen und Renovieren kamen nur langlebige und natürlich auch ungiftige und möglichst nachhaltig hergestellte Materialien zum Einsatz.

Klimafreundlich bauen und wohnen, ohne Wenn und Aber
Nachhaltigkeit und Bio sind für Jürg und Sabine nicht nur bei der Auswahl der Lebensmittel wichtig, sondern in allen Bereichen ihres Familienhotels. „Wir sind einfach schon immer nachhaltig und grün“, erzählt Jürg lachend. „Vielleicht sind wir ja ein bisschen speziell, weil wir ein altes Gutshaus haben und da sowieso auf den Erhalt der Substanz achten. Aber andernorts würden wir das bestimmt auch so machen.“
Immer wieder ließen die beiden beim Renovierungsprozess ihre Kreativität spielen und so gibt es heute einige Upcycling-Projekte zu bewundern. Zur Verdunkelung der Zimmer waren im Original innen Klappläden aus Holz angebracht. Leider passten diese aber nach dem Neueinbau der Fenster nicht mehr. Was tun, wegwerfen? „Auf keinen Fall!“, so Jürg. „Wir haben aus den Läden im Speiseraum eine Wandvertäfelung und Büffetmöbel gebaut.“ Auch Bauholz, das wegen Holzwurmschäden nicht mehr verwendet werden konnte, fand eine neue Bestimmung: Als kleine Burg neben dem Naturbadeteich.

Überraschender Besuch mit Folgen
Im Spätherbst 2004 überraschte der damalige Wirtschaftsminister Dr. Otto Ebnet Sabine und Jürg mit einem Besuch und der Übergabe eines Fördermittelbescheids. Mit den Fördergeldern konnten jetzt der Spielplatz und die Wellnessanlage neu und das Dach weiter ausgebaut werden. Als gelernter Elektroingenieur und Informatiker achtete Jürg beim Bau der kleinen Sauna- und Wellnessanlage auf einen niedrigen Energieverbrauch. Zudem läuft die Sauna auf Biobetrieb mit 60 Grad Wärme und etwas Luftfeuchtigkeit: Das reicht zum Schwitzen und ist auch für die Kinder noch angenehm.

Holz zum Wohlfühlen
Für die gesamte Möblierung (mit ein paar historischen Ausnahmen) im Familienhotel hat das Ehepaar geölte Vollholzmöbel eingesetzt. „Die meisten der Möbel mussten wir speziell für uns anfertigen lassen, damit sie optimal in die Apartments – besonders in die im Dachgeschoss – passen,“ berichtet Jürg. „Es kommt immer mal vor, dass Möbel von den Kindern bemalt oder zerkratzt werden, aber dank dem Vollholz ist das schnell behoben: die Stelle anschleifen, neu ölen, fertig. Die Möbel haben wir jetzt seit 15 Jahren und sie sehen immer noch aus wie am ersten Tag.“ Das können wir nur bestätigen und die Holzmöbel sorgen für eine wunderbar entspannte Wohlfühl-Atmosphäre. Übrigens: In den Decken des Hotels sind teilweise 16 Meter lange Baumstämme als Balken verbaut!

Viele der Dielen-Fußböden stammen sogar noch aus dem Baujahr des Gutshauses von 1898 und bestehen entweder aus kanadischer Pitchpine (sehr harte, robuste Kiefer) oder Eiche. „Die Pitchpine-Dielen waren ursprünglich 3,5 cm dick,“ berichtet Jürg. „Sie haben schon so viel überstanden. Also weshalb sollten wir sie rausreißen und durch modernes Klickparkett ersetzen?“
Zum besonderen Raumklima tragen auch die Lehmfarben an den Wänden und die wunderschönen alten Türen und Türrahmen aus Holz bei, die Sabine und Jürg liebevoll restaurierten.
Natürliche Materialien für eine lange Lebensdauer
Wer nachhaltig baut, hat länger von allem, das zeigt auch der Spielplatz des Familienhotel Gut Nisdorf. Vor 14 Jahren wurde er von einer ortsansässigen Firma gebaut, mit Bäumen und Holz aus den hiesigen Wäldern. „Wir haben natürliche, langlebige Materialien verwendet, kurze Transportwege genutzt und lokale Arbeitsplätze erhalten“, erzählt Jürg. „Der Spielplatz wird von unseren Gästen intensiv genutzt und ist immer noch in bestem Zustand. Nur alle paar Jahre braucht er – für die Optik – mal einen neuen Anstrich mit Naturfarben. Und vielleicht muss man mal ein Brett auswechseln werden, aber das war’s.“
Gefällt Dir der Artikel? Teile ihn!



1 thought on “Nachhaltig renoviert: Bio-Kinder und Familienhotel Gut Nisdorf”