Wer denkt, dass nachhaltige Küche langweilig und einseitig ist, hat sich geirrt. Nachhaltig essen bedeutet auch genussvoll und bewusst essen. Dass Einschränkungen und die Rückbesinnung zur Einfachheit etwas ganz Besonderes hervorbringen können, zeigen euch unsere Köche. Die Gerichte werden aus saisonalen und regionalen Lebensmitteln hergestellt, die in ihrer Zusammensetzung viel Kreativität zulassen. Dabei verfolgen die Restaurants unterschiedliche Ansätze. Die Slow Food Bewegung beispielsweise ist inzwischen auch über die Grenzen Italiens, ihrem Herkunftsland, bekannt. Die verschiedenen Gesichter der nachhaltigen Küche könnt ihr in ganz Europa genießen – wir haben einige tolle Beispiele für euch zusammengestellt.

Restaurant SCHULZE|S, Deutschland
Das Restaurant SCHULZE|S im Biohotel Sturm bietet euch kulinarischen Genuss auf hohem Niveau. Das Besondere an der Küche des Restaurants ist dabei die sorgfältige Auswahl der Zutaten und die liebevolle Zusammenstellung der Gerichte. Alle Zutaten stammen zu 100% aus kontrolliert ökologischem Anbau, meist direkt aus der Rhön oder umliegenden Regionen wie dem Thüringer Wald. Einige Zutaten stammen sogar aus dem eigenen Hotelgarten, zu dem auch die Gäste Zugang haben. Im Kräuter- und Naschgarten könnt ihr tagsüber kosten, was abends auf eurem Teller landet. Dass das Hotelierehepaar Mitglied der Slow Food Bewegung Deutschland ist, ist nicht verwunderlich. Sie setzen sich für den Erhalt typischer regionaler Speisen ein, wie beispielsweise die Rhöner Bachforelle oder das Schnitzel vom Rhöner Kalb.

Locanda Mistral Agritourisme, Italien
Von der Rhön geht es in die Berge des Piemonts, wo im wunderschönen Maira-Tal das familiengeführte Hotel Locanda Mistral liegt. Wer beim Wandern, Klettern oder Bergsteigen die unberührte Natur erleben will, ist hier richtig. Und das hauseigene Restaurant bietet nicht nur einen traumhaften Ausblick ins Gebirge, sondern auch hervorragende regionale Küche von höchster Qualität. Die Küche zeichnet sich durch einen eleganten Twist zwischen Tradition und Moderne aus, der sich auch in der Architektur und Einrichtung des Hotels und Restaurants wiederfindet. Chefköchin Manuela kocht für euch typische okzitanische oder piemontesische Speisen, die sie mit viel Kreativität in neue, moderne Gerichte verwandelt. Das Bio-Gemüse stammt zum größten Teil aus dem eigenen Garten, alle anderen Zutaten sind direkt aus der Region und werden von ausgewählten Erzeugern bezogen. Hier könnt ihr euch sicher sein, dass jedes Menü mit Sorgfalt und Liebe zusammengestellt wurde.

Tavernetta di Sagna, Italien
Dass Luxus auch in der Einfachheit liegen kann, beweist der Betreiber des Öko-Feriendorfs Sagna Rotonda. Hier findet ihr die Tavernetta di Sagna, die durch einfache aber köstliche piemontesische Gerichte besticht. Außerdem überzeugt das Restaurant durch seine einzigartige Lage inmitten unberührter Natur der piemontesischen Berge. Denn im Maira Tal sind Natur und Dörfer noch authentisch. Das Restaurant Tavernetta befindet sich in einem für die Region typischen alten Natursteinhaus. Das Gemüse für die Gerichte wird von der eigenen Bio-Farm der Familie bezogen. Zum Essen werden euch regionale Bioweine gereicht. Das Highlight ist jedoch der Aperitif., bei dem man regionale Vorspeisen genießt. Zu dieser besonderen Abendzeit könnt ihr das Spektakel des Sonnenuntergangs hinter dem Chersogno beobachten. Mit etwas Glück erblickt ihr dabei sogar ein paar Gämsen oder Hirsche, die auf Futtersuche aus dem Wald kommen
Okelmann’s Heimatliebe & Restaurant, Deutschland

Ein altbewährtes Familienrezept gemischt mit behaglicher Gemütlichkeit plus eine Prise nordischer Frische – so lautet das Motto des Restaurants und Cafés Heimaltliebe. Idyllisch zwischen weitläufigen Feldern der kleinen und beschaulichen niedersächsischen Gemeinde Warpe gelegen, findet man das familiengeführte Hotel. Regionalität und Saisonalität steht bei Okelmann’s an erster Stelle – die Jahreszeit bestimmt, was auf den Teller kommt! Die Bio-Kräuter aus dem eigenen Garten, Spargel vom eigenen Feld und Bio-Ziegenkäse von der Ziegerei in Hohenmoor – Okelmann`s beweist auf charmante Weise die Verbundenheit zum eigenen Land und zur Natur. Und die Mission, Mensch und Natur zusammenzubringen, findet ihr nicht nur in den feinen und erlesenen Gerichten, sondern auch in der Begeisterung und Warmherzigkeit mit der die Familie das Hotel, Café und Restaurant führt.

La Traviata, Mailand, Italien
Auf kreative und elegante Weise verbinden sich im Restaurant La Traviata Tradition und Moderne mit den höchsten Standards der Nachhaltigkeit. Das Restaurant im Boutique Hotel Milano Scala befindet sich in einem historischen Palast aus dem 19. Jahrhundert, zentral gelegen in der Mailänder Innenstadt, zwischen dem berühmten Theater La Scala und dem Mailänder Dom. Hier könnt ihr die Geschichte der Stadt gemischt mit dem Treiben einer Metropole erleben. Das Null-Emissions-Hotel bemüht sich Nachhaltigkeit nicht nur im Konzept, sondern auch in der Speisekarte des Restaurants zu verankern. Und das gelingt dem Chefkoch Samuele Luè auf hervorragende Weise. Das Konzept wird besonders durch den Hotelgarten im 6. Stock, wo Kräuter, Gemüse und Obst wachsen, erfahrbar. Auch alle anderen Zutaten sollen so wenig Kilometer wie möglich hinter sich haben von der Produktionsstätte bis zur Küche, daher werden sie vorwiegend aus Mailand und der Umgebung bezogen. Das Menü ist eine kreative Mischung aus der Tradition der Lombardei und modernen Elementen. So zum Beispiel der Risotto Milano Scala, ein typischer Safran Risotto mit Wein aus Oltrepò, verfeinert mit Honig. Ein besonderer Geheimtipp: Genießt euren Aperitif auf der Dachterrasse! Bei einem Green Mixology Drink, mit Kräutern aus dem hoteleigenen Garten, habt ihr einen beeindruckenden 360 °–Panoramablick über die Stadt.

Eco PARK HOTEL AZALEA Restaurant, Italien
Die vorrangig pflanzliche Küche des Restaurants im Eco Park Hotel Azalea lässt sich wie folgt beschreiben: gesund, durchdacht, bunt und kreativ mit einer Prise Fantasie. Paola, die Küchenfee zaubert köstliche Gerichte aus frischen Zutaten, die nicht nur die Vegetarier und Veganer unter euch überzeugen. Alle Zutaten werden sorgfältig ausgewählt und aufeinander abgestimmt kombiniert. Manches traditionelle Gericht aus Omas Zeiten wird wiederentdeckt, ein anderes neu interpretiert. Die regionale bäuerliche und die mediterrane Küche stehen im Vordergrund, gekocht wird möglichst saisonal, regional und bio. Durch die große einladende Fensterfront habt ihr einen tollen Blick in ein Blumenmeer, das dem Hotel seinen Namen gibt – hier wachsen nicht nur Azaleen, sondern auch Tulpen, Gladiolen, Dahlien und Rosen. Paola schafft es die Innendekoration mit viel Fantasie an das jeweilige Menü anzupassen, sodass das Restaurant, wie die Natur, von Zeit zu Zeit sein Gesicht wechselt – mal schlicht und elegant, mal bunt und fröhlich, mal romantisch verspielt. Sie tobt sich aus mit dem, was der Garten so hergibt – Blumen, Obst und vielleicht auch mal ein paar Tannenzweige.

Restaurant am Weissensee, Kärnten, Österreich
Der Betreiber des Restaurant Weißensee, Hannes Müller, ist Trendsetter in der nachhaltigen Küche und weiß genau was er will. Intensiv, ehrlich und gesund soll seine Küche sein. Die Lieferanten seiner Produkte wählt er sorgsam aus – nicht nur die Qualität auch die Chemie muss stimmen. An erster Stelle steht jedoch die Importautarkheit – sowohl das Hotel als auch das Restaurant verzichten auf den Import von Waren, bezogen werden die Produkte möglichst aus der direkten Umgebung, zumindest aber aus Österreich. Das Abendmenü ist zu 99% frei von Importwaren, gekocht wird nach Verfügbarkeit der Jahreszeiten. Langweilig wird es dadurch nicht. Ganz im Gegenteil, die Gerichte, die euch serviert werden, strotzen vor satten Farben und Aromen und sind alles andere als einseitig. Als Slow Food-Mitglied stehen Speisen im Vordergrund, die mit viel Liebe, Ruhe und Kreativität hergestellt wurden. Der talentierte junge Spitzenkoch verführt seine Gäste mit ausgefallenen Kreationen der besonderen Art, die zeigen, dass bewusste Reduktion und Rückbesinnung auf die Einfachheit, etwas ganz Besonderes hervorbringen können.
Wer sich Zeit nimmt für eine Mahlzeit und sich auf Aromen, Farben und Gerüche voll und ganz einlässt, weiß, was es bedeutet, bewusst zu genießen. Nachhaltig essen ist eine Haltung. Es geht nicht nur um das fertige Gericht auf deinem Teller, sondern um die Reise, den Ursprung und die Reinheit der Zutaten, die Ruhe und Liebe der Zubereitung sowie die Umgebung und die Gesellschaft in der du dich befindest.
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