Es mag dich vielleicht überraschen, doch: Sich ökologisch korrekt zu verhalten kommt nicht überall gut an. Wenn du nachhaltig leben und reisen willst, liegst du zwar im Trend – Statistisch gesehen bist du jedoch immer noch in der Minderheit und nicht immer ist nachhaltiges Verhalten mit dem anerkannten Benehmen an deinem Reiseziel vereinbar. Wie du trotzdem beides, Reise-Knigge und Öko-Etikette, vereinen kannst, also höflich und nachhaltig reist, zeigen wir dir in diesem Artikel.
Inhaltsverzeichnis: Reise-Knigge vs. Öko-Etikette
“Nein, danke” – Ablehnung oder Verzicht höflich ausdrücken
Unser Tipp 1: Zero-Waste Überzeugungen als persönliche Wünsche äußern
Unser Tipp 2: Buffets meiden, achtsam genießen und kleinere Portion bestellen
Durch verschiedene Portionsgrößen würden weniger Lebensmittel im Müll landen
Exkurs: Was hat Höflichkeit und der Reise-Knigge überhaupt mit Nachhaltigkeit zu tun?
Nachhaltigkeit und höfliches Benehmen im Spa-Bereich
Die Regeln der Höflichkeit – Wellness-Knigge
Bademäntel und Handtücher verursachen Wäscheberge
Müllberge durch Einweg-Slipper
Umgang mit Müll und Einwegprodukten
Hygiene-Artikel in Einwegverpackungen
Darf ich Pflegeprodukte aus einem Hotel mit nach Hause nehmen?
Mülltrennung in der Ferienunterkunft
Reise-Knigge: Wie viel Trinkgeld ist höflich?

“Nein, danke” – Ablehnung oder Verzicht höflich ausdrücken
Für uns und viele anderen nachhaltig Reisenden gehört es dazu, sich im Vorfeld damit zu befassen, wie man sich in der Landessprache begrüßt, verabschiedet und bedankt, natürlich mit der entsprechenden Gestik).
Wir fügen als Teil der Öko-Etikette hinzu: “Nein, Danke.” Lerne, wie du freundlich (!) etwas ablehnst. In der Zero-Waste-Bewegung ist “Refuse” (Ablehnen) die erste Regel zur Müllvermeidung. Zero-Waste Ikone Bea Johnson lehnt z. B. jegliches abgepacktes Essen und jede Art von in Plastik verpackten Giveaways und Hotel-Goodies ab.
Unser Tipp 1: Zero-Waste Überzeugungen als persönliche Wünsche äußern
- “Können Sie mir den Kaffee bitte in diesen Becher füllen?”
- “Können Sie die Einkäufe bitte in diesen Beutel packen?”
- “Dürfte ich vielleicht meine Wasserflasche auffüllen?”
Generell sind die meisten Menschen in der Tourismusbranche gern gewillt, auf persönliche Sonderwünsche einzugehen (sie sollten sogar darauf geschult sein).
Die Höflichkeit besteht darin, dass du einfach sagst, was du möchtest, ohne dein Gegenüber zu belehren, dass es eine ökologische Unverantwortlichkeit ist, einen Wasserspender mit Einwegbechern aufzustellen.
Auch wenn du einen lokalen Markt oder Supermarkt besuchst, wirst du mit Freundlichkeit und einer höflichen Frage (am besten in der Landessprache) oftmals ohne zusätzliche Plastiktüten oder Einwegbecher auskommen. Und wenn es doch mal passiert? Nicht ärgern! Plastiktüten wiederverwenden und Einwegbecher korrekt entsorgen.
Einige Green PearlsⓇ Partner wie das Hotel Luise in Erlangen, Deutschland oder das Hotel Weihrerhof im italienischen Oberbozen sind Mitglied bei Refill. Das bedeutet, dass hier auch Nicht-Hotelgäste ihre eigenen Wasserflaschen mit Leitungswasser auffüllen können. Gefunden werden die Auffüllstationen über die Refill-App.
Unser Tipp 2: Buffets meiden, achtsam genießen und kleinere Portion bestellen
Bei Buffets werden generell mehr Lebensmittel verschwendet als bei á la carte Bestellungen. Dies liegt hauptsächlich daran, dass alles, was bereits zum Gast gelangt ist, nicht mehr zurück in die Küche kommen darf. Wenn Hotels daher als All-Inklusive-Leistung laufende Buffets für alle Mahlzeiten anbieten, ist dies kein Zeichen für Nachhaltigkeit.
Ein Frühstücksbuffet ist allerdings immer noch häufig zu finden, vor allem weil es praktisch ist. Auch Hybrid-Angebote sind im Kommen: Die Frühstücksklassiker gibt es zum Selberholen am Buffet, warme Gerichte wie Eierspeisen, Pancakes und Co. gibt es auf Bestellung frisch zubereitet.
Die offiziellen Knigge-Regeln fürs Buffet wurden bereits auf Nachhaltigkeit angepasst. So heißt es darin: “Essensverschwendung ist out”. Ein voll beladener Teller erwecke keinen guten Eindruck, sich hingegen mehrmals am Buffet anzustellen, sei vollkommen angemessen. Weiterhin soll man natürlich nicht hetzen und die Speisen so entnehmen, dass auch für die Nachfolgenden noch alles appetitlich aussieht.

Durch verschiedene Portionsgrößen würden weniger Lebensmittel im Müll landen
Im Februar 2023 führten die Verbraucherzentralen einen deutschlandweiten Marktcheck in der Gastronomie durch und überprüften, ob mehrere Portionsgrößen zur Wahl stehen. Dies ist einer der vielen Punkte der Nationalen Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung. Die Erhebung ergab: nur jedes fünfte Restaurant bietet verschiedene Portionsgrößen an.
Im CERVO Mountain Resort im schweizerischen Zermatt ist das Personal schon lange darauf geschult, die Gäste beim à la carte Menü darauf hinzuweisen, dass man auch eine kleinere Portion wählen kann. Gehörst du also zu denen, die immer die Hälfte liegen lassen, kannst du von einem solchen Angebot gut Gebrauch machen. Auch hier lohnt es sich wieder, die Floskel in der Landessprache zu lernen.
Die Regel für die Öko-Etikette lautet: Nur weil etwas “umsonst” ist oder du dafür “bezahlt” hast, musst du es nicht in Anspruch nehmen.
Exkurs: Was hat Höflichkeit und der Reise-Knigge überhaupt mit Nachhaltigkeit zu tun?
Bevor wir mit dem Reise-Knigge fortfahren, wollen wir uns noch mal kurz auf die Frage besinnen, warum Höflichkeit überhaupt ein Teil der Nachhaltigkeit ist. Wenn du dir das „Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit“ ansiehst, so müssen bei nachhaltiger Entwicklung drei Dinge berücksichtigt werden: Ökologie, Ökonomie und Soziales. Das heißt, neben den umweltbezogenen und wirtschaftlichen Zielen wird auch ein soziales Ziel der Fairness verfolgt. In den jüngsten Jahren wurde diese Frage insbesondere in der Wirtschaft aufgeworfen und wird dort als Teil des „Corporate Governance“ behandelt. Die Essenz lautet: Ein fairer und respektvoller Umgang zwischen den Menschen – über alle ethnischen und sozialen Komponenten hinweg – ist Teil der Nachhaltigkeit.
Nachhaltigkeit und höfliches Benehmen im Spa-Bereich
Den Spa suchst du besonders aus drei Gründen auf: Erholung, Entspannung und Gesundheit. Es ist ein Ort der Ruhe und Hygiene.

Die Regeln der Höflichkeit – Wellness-Knigge
Mit eigenen Badeschlappen ausgestattet zu sein, entspricht übrigens auch dem aktuellen Wellness-Knigge! Allerdings aus einem anderen Grund. Denn laut den Benimm-Berater*innen haben Hotelslipper aus Stoff einfach nicht das geeignete Material für einen Nassbereich, und aus diesem Grund seien eigene besser Weitere Benimmregeln aus dem Wellness-Knigge sind:
- Pünktlich zu Wellness-Behandlungen erscheinen
- 10 Prozent Trinkgeld und ein “Dankeschön” nach einer Wellness-Behandlung
- Handys und andere Störgeräusche unterlassen
- Sich im Vorfeld nach dem Dresscode erkundigen – z. B. ob es ein Restaurant gibt, wo man auch im Bademantel (und den gerade erwähnten Schlappen) erscheinen darf.
Das vegan/ vegetarische Dolomiten-Hotel Paradiso Pure.Living auf der Seiser Alm in Südtirol hat selbst gemerkt, dass die Gratis-Badeschlappen “jede Saison zu einem Slipper-Müllberg” führten. Seither bitten sie ihre Gäste bereits bei der Buchung, ihre eigenen Pantoletten mitzubringen und geben nur noch auf Nachfrage Eco-Stoffslipper heraus. Ebenso verfahren das familienfreundliche Hotel Weihrerhof auf dem Ritten in Südtirol und das Bio Hotel Bella Vista Zermatt am Schweizer Matterhorn.
Bademäntel und Handtücher verursachen Wäscheberge
Außer den eigenen Schlappen kannst du auch deinen Bademantel mit ins Hotel nehmen. Laut dem Online-Portal Hotelier.de hat ein mittelgroßes Hotel mit 60 Betten durchschnittlich 9.000 kg Wäsche (Bettwäsche und Frottee-Garnituren) im Jahr zu waschen. Dies verbraucht Strom und Wasser und belastet (bei herkömmlichen alkalischen Waschmitteln) die Wasseraufbereitung der Stadtwerke. Dabei ist ein täglicher Handtuch-Wechsel wirklich unnötig, wie du von dir zu Hause weißt.
Die allgemeine Regel lautet:
- Handtücher auf dem Haken = nicht waschen
- Handtücher auf dem Boden = bitte auswechseln

Meist gibt es auf deinem Zimmer auch einen Hinweis, wie dein Hotel es normalerweise handhabt. Leider kann es immer vorkommen, dass das Reinigungs-Personal nicht exakt auf diese Verhaltensweise geschult ist oder es schlichtweg vergisst. Mein persönlicher Tipp: hänge die Handtücher genauso ordentlich gefaltet auf den Haken zurück, wie du sie vorgefunden hast – dann ist die Chance größer, dass sie nicht mitgenommen werden.
Mehr zum Thema umweltfreundliche Hotelwäsche findest du in diesem Blogbeitrag. Hier stellen wir beispielsweise das Hotel SCHWARZWALD PANORAMA im Kurort Bad Herrenalb vor. Hier wird die Wäsche in einer umweltbewussten (externen) Wäscherei mit Eco-Waschmittel gewaschen. Gäste erhalten zudem ein Lavendelsäckchen mit der Aufschrift “Heute kein Zimmerservice! Die Umwelt dankt!”, dass sie an die Tür hängen können.
Müllberge durch Einweg-Slipper
In “besseren” Hotels gehört es bis heute zum Service, den Gästen Slipper zur Verfügung zu stellen. Auf eine Anfrage vom Focus-Magazin, ob man diese mit nach Hause nehmen dürfe, antwortete die Hotelgruppe Best Western, die Slipper seien “zu 100 Prozent Einwegprodukte”. Das heißt, du darfst sie mitnehmen, aber ihr eigentlicher Bestimmungsort ist – nach einmaligem Gebrauch – die Mülltonne! Dies ist keine Kleinigkeit. So bestellt die Hotelgruppe Accor zum Beispiel rund 100.000 Einwegslipper jährlich!
Wenn du diesen Müllberg nicht vergrößern willst, so bringe deine eigenen Slipper mit.
Umgang mit Müll und Einwegprodukten

Hygiene-Artikel in Einwegverpackungen
Im Badezimmer vieler Ferienunterkünfte findest du neben Föhn und Handtüchern auch eine Reihe von Kosmetikprodukten vor: Seife, Shampoo, Duschgel, Bodylotion – dies alles ist dazu gedacht, dass du dich wohlfühlst. Leider verursachen die oftmals verwendeteten, kleinen Einwegverpackungen Unmengen an Plastikmüll. Auch landen angebrochene und nicht aufgebrauchte Produkte im Restmüll. Konventionelle Kosmetikprodukte enthalten zudem oft umweltschädliche Substanzen wie Mikroplastik, die bei der Nutzung ins Abwasser gelangen.
Was kannst du tun? Wieder das Prinzip der Zero-Waste-Bewegung anwenden und Einwegverpackungen schlichtweg ablehnen und vermeiden. (Du musst dann natürlich dein eigenes Festshampoo in einer Metalldose dabeihaben.) Wenn du die kleinen Verpackungen anbrichst, dann nimm den Rest mit nach Hause und brauche es da auf. Die kleine Plastikflasche kannst du bei der nächsten Reise wiederverwenden.
Das HUBERTUS Mountain Refugio Allgäu verwendet nachhaltige Naturkosmetik und hat in allen Badezimmern Spender installiert, die sie mit Nachfüllpackungen befüllen. Ebenso handhabt es das Lifestylehotel SAND an der Ostsee.
Darf ich Pflegeprodukte aus einem Hotel mit nach Hause nehmen?
Rechtlich gesehen, darf man die kleinen (unbenutzten) Pflegeprodukte und andere Amenities aus einem Hotel NICHT mitnehmen. Ausgenommen sind lediglich angebrochene Einwegprodukte wie Hygiene-Artikel, Duschhaube und Slipper. Der Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) berichtet, dass einige Gäste den Perlator aus dem Wasserhahn schrauben und gern die Batterien aus der Fernbedienung gestohlen werden. Wie es die Gäste richtig vermuten, ist es den Unterkünften “den Aufwand nicht wert” dafür eine Rechnung hinterherzuschicken. Das ändert aber nichts daran, dass ein solches Verhalten garantiert nicht höflich ist, sondern schlichtweg dreist.
Mülltrennung in der Ferienunterkunft
Oft findest du in deinem Ferienapartment oder auf dem Hotelzimmer nur einen einzigen Papierkorb vor, in dem dann aller Müll als Restmüll landet. Hier ist für Umweltbewusste wieder Eigeninitiative gefragt: Frage an der Rezeption nach, ob es eine Möglichkeit zur Mülltrennung gibt. Steht hinter dem Haus z. B. eine Papiertonne, kannst du deinen Papiermüll dort selbst entsorgen, bevor die recyclefähigen Holzfasern in der Verbrennungsanlage enden.
Komfortabler wäre es natürlich, wenn die Unterkunft bereits eine entsprechende Mülltrennung auf den Zimmern vorgibt. In den Ferienwohnungen A‘ Cràpa Mangia an der süditalienischen Mittelmeerküste gibt es in jedem Apartment vier verschiedene Müllbehälter: Papier, Kunststoff, Biomüll, Restmüll. Ein Glascontainer steht auf dem Parkplatz. Auch in der luxuriösen ADLER Lodge RITTEN stehen den Gästen verschiedene Müllbehälter zur Mülltrennung zur Verfügung.

Reise-Knigge: Wie viel Trinkgeld ist höflich?
Generell freuen sich die Angestellten in Hotels und Ferienhäusern immer über ein Trinkgeld. Ausnahmen sind Japan und China, wo Trinkgelder nicht zur Kultur gehören. (Allerdings soll sich dies in internationalen Hotels und Touristenorten bereits geändert haben, habe ich gehört. Im Zweifel: Frage an der Rezeption nach, wie du deine Wertschätzung zeigen kannst!) In den meisten Ländern dieser Welt drückt ein Trinkgeld hingegen Wertschätzung und eine Danksagung aus.
Am besten informierst du dich vor deiner Reise über die übliche Höhe des Trinkgeldes in deinem Reiseland. Generell gilt folgende Faustregel:
- Pro Übernachtung erhält das Reinigungspersonal etwa einen Euro – diesen platzierst du am besten mit einem “Vielen Dank”-Post-it auf dem Kopfkissen oder auf der Badezimmer-Ablage, damit deutlich wird, dass dies ein Trinkgeld ist.
- Im Restaurant gelten rund 10 Prozent der Rechnung als angemessen.
- Im Taxi wird der Fahrtpreis aufgerundet.
- Ein Guide erhält laut Knigge-Experten etwa 10 bis 20 Prozent der Tour-Kosten. Ein Betrag von 20 Euro ist für eine halb- oder ganztägige Tour angebracht (dies gilt für die Gruppe, nicht für jeden einzelnen Teilnehmer).

Als Nachhaltigkeits-Punkt kann noch erwähnt werden, dass du im Urlaub versuchen solltest, die lokale Bevölkerung zu unterstützen, indem du zum Beispiel in einheimischen (am besten ökologisch ausgerichteten) Restaurants isst und nicht bei internationalen Ketten.
Generell muss es auch nicht immer Geld sein. Wenn du dich beim Verlassen der Urlaubs-Unterkunft einfach noch mal an der Rezeption bedankst, so hinterlässt du mit Sicherheit ein gutes Bild und bleibst als “Gern-Willkommener-Gast” in Erinnerung. Selbst wenn du „komische“ Ansichten hattest, deine Extra-Wünsche „seltsam“ waren und du Plastikbecher, Slipper und die tägliche Reinigung abgelehnt hast. 😉
Kostenfreier Download: Dein Reise-Knigge für nachhaltiges und höfliches Verhalten auf Reisen zum Ausdrucken

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