Riesige Müllberge sind ein globales Problem, das dir sicherlich bewusst ist. Traumstrände voll Abfall, Müllstrudel im Meer und Bilder von Schildkröten, die zwischen Plastik umherschwimmen – Sie gehören leider zu unserem Alltag. Und es wird immer mehr! Nach Prognosen der Weltbank wird das jetzige Müllaufkommen bis 2050 um weitere 70 Prozent (!) ansteigen – auf 3,4 Milliarden Tonnen. Welche Folgen das für den Tourismus, lässt sich nur erahnen. Nachfolgend unsere Tipps zum Zero Waste reisen.
In diesem Blogartikel werfen wir einen genaueren Blick auf das Müllproblem und insbesondere auf den Tourismus als Verursacher. Wir schauen uns Lösungsansätze und Praxisbeispiele an und zeigen: Es geht auch anders!
Wie viel Müll produzieren wir weltweit?
2022 hat Statista Zahlen zum weltweiten Abfallaufkommen veröffentlicht, die sich auf Schätzungen der Weltbank für 2030 und 2050 beziehen. Wenig überraschend: Die reichsten und Produktions-stärksten Länder verursachen den meisten Müll. Angeführt wird der Negativtrend von den USA, die bereits 2016 täglich (!) 289 Millionen Tonnen Müll produzierten. (Für 2050 sind 396 Millionen Tonnen täglich prognostiziert.) Dahinter folgt China. Deutschland liegt auf Platz 5.
Müll im Tourismus
Laut dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) produziert jeder Hotelgast pro Tag folgenden Müll:
- In 0 bis 2-Sterne Unterkünften: 9,1 Liter
- In 3-Sterne-Unterkünften: 4 Liter
- 4-Sterne-Hotels: 3,4 Liter
- 5-Sterne-Unterkünfte: 3,7 Liter
Der Grund dafür, dass in besseren Hotels weniger Müll produziert wird, sieht DEHOGA hauptsächlich in den Einwegverpackungen. In einem günstigen Hotel mit wenig Personal ist es einfacher für die Betreiber, dir abgepackte Kaffeesahne hinzustellen, anstatt dir ein Sahnekännchen zu servieren.
Im Wellness-Hotel SCHWARZWALD PANORAMA in Bad Herrenalb wird am Frühstücksbuffet komplett auf Verpackungen für einzelne Portionen verzichtet. Stattdessen gibt es Alternativen, die nicht nur nachhaltiger, sondern auch wesentlich schöner sind: z. B. Buttermaschine, Weckgläser und Holzschalen.

INFO: Buffets produzieren in der Regel mehr Müll als die Bedienung am Tisch, weshalb viele nachahltige Hotels zu À la Carte gewechselt haben. Es gibt aber auch Unterkünfte, die es dabei nicht belassen und sich auch beim À la Carte Menü große Gedanken um Müllvermeidung und Lebensmittelverschwendung machen. Im CERVO Mountain Resort, Zermatt ist das Service-Personal so geschult, dass dir auch mal eine kleinere Portionsgröße empfohlen wird.
Nachhaltige Hotels und allen voran unsere Green PearlsⓇ Partner zeichnen sich generell dadurch aus, dass Einwegverpackungen vermieden werden. Im Berghotel Rehlegg mitten im Alpennationalpark Berchtesgaden gibt es auf den Zimmern zum Beispiel nur noch feste Handseife und Duschseife. Im nachhaltigen “Villen-Wunderland” Keemala in Thailand ist man stolz darauf, schon seit 2015 keine einzige Plastikflasche oder Plastikstrohhalm serviert zu haben. 2023 resümiert das Resort auf Phuket, dass dadurch bereits 20.000 Plastikstrohhalme und 50.000 Plastikflaschen eingespart wurden.
Der Kampf gegen den Berg von Slippern
Eine neue Initiative zur Müllvermeidung gibt es im vegetarisch/veganen Hotel Paradiso Pure.Living in Südtirol. Zum Wohlfühlprogramm des italienischen Hotels hatte es gehört, jedem Gast Badeslipper für den Aufenthalt zur Verfügung zu stellen, was jede Saison zu einem Slipper-Müllberg führte. Nun wirst du bereits bei der Buchungsbestätigung darum gebeten, deine eigenen Badeschlappen/Hausschuhe mitzubringen. Für den Fall, dass du dies vergisst (oder nicht mehr in den Koffer gequetscht bekommst) erhältst du an der Rezeption des Paradiso Pure.Living weiterhin Slipper auf Anfrage – aber nur noch recycelbare Slipper für den Trockenbereich.
Auch im Weihrerhof auf dem Ritten und im Hotel Bella Vista Zermatt bekommst du nur auf Anfrage Slipper vom Hotel gestellt. Stattdessen ermutigen dich auch diese beiden Hotels dazu, deine eigenen Badelatschen, Flipflops oder Slipper mitzubringen.

Mülltrennung und Recycling für mehr Nachhaltigkeit
Neben dem Verzicht auf Einwegverpackungen nennt der Bundesverband DEHOGA in seinen Handlungsempfehlungen für nachhaltiges Wirtschaften die konsequente Mülltrennung, damit wertvolle Ressourcen wiederverwendet werden können und der Restmüll verringert wird.
Im Relais del Maro hat Elena Scalambrin, die die alten Häuser in ihrem Kindheitsdorf Borgomaro in Italien in ein nachhaltiges Albergo Diffuso 4-Sterne-Hotel umgewandelt hat, darauf geachtet, dass auch die Gäste die Möglichkeit zur Mülltrennung haben. In jedem Hotelzimmer stehen Recycling-Behälter. Allerdings findest du zumindest in den Zimmern ohnehin kaum Müll, den du trennen müsstest. Auf Produkte mit Plastikverpackungen wird nämlich komplett verzichtet,
Weiter südlich im A‘ Cràpa Mangia in Kampanien, haben alle Ferienwohnungen Meerblick – und vier Behälter zur Mülltrennung: Papier, Plastik, Restmüll, Biomüll. Glascontainer befinden sich auf dem Parkplatz. Über Gemüsereste freuen sich aber auch die Esel und namensgebenden Ziegen auf dem Landgut. 🙂
Das Hotel SCHWARZWALD PANORAMA unterscheidet in ganze 13 verschiedene Kategorien zur Mülltrennung. Diese beinhalten z. B. auch Korken oder Kerzenwachs, die anschließend upgecycelt werden.
Zu wenig Recycling
Nur wenig Kunststoffmüll wird überhaupt recycelt. Dies liegt auch daran, dass sich viele Verbundstoffe, kaum noch recyceln lassen (Sneaker bestehen z. B. aus bis zu 40 verschiedenen Materialien, die mit Klebstoff verbunden sind). In Europa sind es rund 30 %, in China 25 % und in den USA nur 9 %. Laut dem EU-Parlament wird der meiste Kunststoffmüll verbrannt. Dies nennt sich “Energierückgewinnung”, sorgt aber dafür, dass
– die verwendeten Ressourcen (Erdöl) verloren gehen
– massiv CO2 ausgestoßen wird (WWF Australia schätzt, dass durch Produktion und Verbrennung von Kunststoff in einem Jahr über 850 Millionen Tonnen Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen. Bis 2050 könnten es 2,8 Milliarden Tonnen sein)
Rund 50 % des gesammelten Kunststoffs aus Europa wird nach Angaben des EU-Parlaments in Nicht-EU-Länder exportiert – und nicht recycelt. Das Plastik an den eingangs erwähnten, verschmutzten Stränden, könnte also dein oder mein Müll sein!
Restmüll landet entweder ebenfalls in der Verbrennung oder wird auf Deponien gelagert. Anstelle eines nachhaltigen Mindsets zeugt das eher von einer „Nach mir die Sintflut“-Attitüde. Sollen sich doch die nächsten Generationen kümmern …
Plastik im Meer – Mikroplastik im Essen
Das Bundesumweltamt bezeichnet Plastik im Meer als “eines der drängendsten Probleme”. Laut dem Bericht der 5. Umweltversammlung der Vereinten Nationen (UNEA) in Nairobi ist bereits nachgewiesen, dass Meeresplastik die Fortpflanzungsfähigkeit von Meereslebewesen beeinträchtigt. Zudem stört es die marine Nahrungskette und hemmt die Aktivität bestimmter Meerestiere. Das Gesamtausmaß sei allerdings noch nicht absehbar.

Strandsäuberungs-Aktionen vom ADLER Spa Resort SICILIA und Zeavola, Thailand
Das ADLER Spa Resort SICILIA säubert mindestens einmal pro Woche mit seinen Mitarbeiter*innen den öffentlichen Sandstrand vor dem Hotel über die gesamte Küstenstrecke von 5 Kilometern. Das nachhaltige Luxus-Resort liegt direkt am Rand des WWF-Naturschutzgebiets Riserva Torre Salsa und hat schon in der Bauphase eng mit der lokalen Gemeinde und dem WWF zusammengearbeitet.
Obwohl die Strände öffentlich sind, werden sie kaum von Touristen besucht, da sie (außer vom ADLER Spa Resort SICILIA aus) nur schwer zu erreichen sind. Der Müll kommt demnach fast ausschließlich aus dem Meer. Nach dem Sammeln wird er von den Mitarbeiter*innen soweit möglich im eigenen Haus sortiert. Wenn nach Sturmfluten besonders viel oder ungewöhnlicher Müll angeschwemmt wird, lässt das Resort ihn als Sondermüll abholen.
Das Luxus-Tauch-Resort Zeavola auf Koh Phi Phi in Thailand säubert den Strand sogar täglich mit seinen Mitarbeitern. Zusätzlich befreien die Mitarbeiter von Zeavola sogar unter Wasser die Korallenriffe von Müll bei speziellen Tauchgängen. Der eingesammelte Müll wird von Zeavola nach Phuket zur Müllverbrennung gebracht.
Problem: Mikroplastik
Plastik verrottet nicht. Stattdessen zerfällt das Material in immer kleinere Partikel, bis sie mit dem bloßen Auge nicht mehr sichtbar sind. Aber solche Mikroplastikpartikel entstehen nicht nur durch das Zerfallen größerer Plastikteile, sondern gelangen z. B. auch durch Reifenabrieb in die Luft, durch das Waschen von Synthetik-Kleidung ins Abwasser oder durch Kunststoff-Wasserkocher in dein Teewasser.
Mikroplastik im Tee
2019 gab es eine interessante deutsche Studie aus dem Fachbereich Wasserchemie, die sich mit der Entstehung von Mikroplastik in Wasserkochern befasste. Das Ergebnis: Während in einem Glaswasserkocher kein Mikroplastik entsteht, gab es in Kunststoffwasserkochen in nur einem Liter Wasser zwischen 10 und 29 Millionen Mikroplastik-Teilchen!
In der oben genannten Studie ist ebenfalls zu lesen, dass Kleinstpartikel von Mikroplastik (>150 Mikrometer) in unser Blut gelangen und über den Blutkreislauf sogar zum Gehirn oder zum Beispiel in einen Fötus im Mutterleib vordringen können.
Die Macht der Verbraucher ist bei Mikroplastik spürbar
Obwohl Mikroplastik aktuell als “ungefährlich” eingestuft wird (weshalb es selbst führende Verbrauchermagazine wie Öko Test und Stiftung Warentest in ihren Tests nicht berücksichtigen), ist dir bestimmt schon aufgefallen, dass immer mehr Produkte damit werben “ohne Mikroplastik” zu sein, oder dir wird gesagt, dass Lebensmittel (z. B. bei Wasserflaschen und Brotdosen) “nicht mit Kunststoff in Berührung kommen”. Vielleicht achtest du ja selbst schon darauf, wenn du dich für Produkte entscheidest.
Wir als Verbraucher sind, was Mikroplastik angeht, deutlich kritischer geworden und die Unternehmen reagieren darauf, indem sie ihre Produktionen umstellen oder neue Produkte entwickeln. Daran merkst du, dass wir als Verbraucher*innen etwas bewegen können.
Plastikfrei im Hotel
Mikroplastik kann in Kosmetik, wie z. B. Flüssigseife oder Peelings enthalten sein und gelangt dadurch in unseren Wasserkreislauf. In zertifizierter Naturkosmetik sind erdölbasierten Kunststoffe nicht erlaubt, weshalb du hier schon mal auf der sicheren Seite bist.
Bio-Kosmetik in nachhaltigen Unterkünften
Einige unser Green PearlsⓇ Unterkünfte wie die Familien-Ferienanlage Gut Nisdorf an der Ostsee sind BIO HOTELS und verwenden die Bio-Kosmetiklinie Miila mi, die für alle BIO-HOTEL-Partner im Nachfüllsystem angeboten wird. Sie ist vegan, tierversuchsfrei und ohne Mikroplastik. Gut Nisdorf bestellt die Produkte in 3-Liter-Bags und füllt diese dann in die 300 ml Nachfüllflaschen der Unterkünfte. Einzeln abgepackte Goodies wurden abgeschafft.
Das Berghotel Rehlegg hat sogar eine ganz eigene Linie von Bio-Naturkosmetik, welche mit heimischen Kräutern der Region hergestellt wird.

Zero Waste Reisen
Die Zero Waste (Null Müll) Bewegung hat Vorreiterinnen wie Bea Johnson oder Shia Su, die in einem ganzen Jahr nicht mehr als ein Einmachglas Müll produzieren. In Büchern und Blogs informieren sie darüber, wie man (als Endverbraucher) verpackungsfrei einkauft, Bad und Küche nach dem Zero Waste Prinzip organisiert (Rasierhobel statt Einmal-Rasierer, festes Shampoo statt Flüssigshampoo aus der Plastikflasche, waschbare Spüllappen statt Schwämme, Waschnüsse statt Waschpulver etc.).
Zero Waste auf Reisen – Geht das überhaupt?
Was zu Hause funktioniert, kann man meist auch auf Reisen umsetzen. Je nach Reiseland ist das mal mehr und mal weniger leicht. Trotzdem findet man inzwischen beinahe überall Unverpacktläden. Oder du stürzt dich ins Marktgeschehen deines Reiselandes, erlebst dort auch gleich ein authentisches Flair und unterstützt die Menschen vor Ort direkt.
Achtung: In manchen Ländern, wie Palästina, verstößt es gegen die Kultur, Einkäufe sichtbar durch die Gegend zu tragen. Hintergrund: Ärmere Menschen könnten traurig oder neidisch werden. Das heißt: Jutebeutel – ja, Lebensmittel auf dem Arm – nein.
Zero Waste Reise-Tipps von Bea Johnson
Zum Thema Zero Waste Reisen empfiehlt Zero Waste Ikone Bea Johnson vor allem das Erste ihrer 5 “Rs” (Refuse / Reduce / Reuse / Recycle / Rot). “Refuse” bedeutet für sie, konsequent alles abzulehnen, was Müll verursacht. In einem Flugzeug würde sie z. B. ihr eigenes Sandwich mitnehmen und ihre wiederbefüllbare Thermosflasche hinter dem Security-Check mit Leitungswasser auffüllen. So könne sie im Flieger verpacktes Flugzeug-Essen und Getränke in Einwegbechern ablehnen. Ihre Überzeugung: Wenn immer mehr Menschen so handeln, wird es bald ein “Zero-Waste-Menü” bei den Fluggesellschaften geben!
Zero Waste im Hotel
Zahlreiche unserer Green PearlsⓇ Partner verfügen über eine eigene Landwirtschaft, weshalb für Obst, Gemüse und Kräuter kein Verpackungsmüll anfällt. Küchenabfälle werden zudem auf dem eigenen Gelände nachhaltig kompostiert.
Gut Guntrams in der Nähe von Wien hat es durch diese Art schon geschafft, den gesamten Müll ihrer drei außergewöhnlichen Ferienunterkünfte inklusive Restaurant und Landwirtschaft auf nur etwa 1200 Liter im Monat (40 Liter pro Tag) zu reduzieren. (Zum Vergleich noch mal die DEHOGA Rechnung – in einem 2-Hotel fallen für einen einzelnen Gast schon 9 Liter Müll pro Tag an.)

5 Tipps, wie du Zero Waste Reisen praktisch umsetzen kannst
- Nehme eine wiederbefüllbare Trinkflasche mit. Viele unserer Green PearlsⓇ Unterkünfte bieten exzellentes Trinkwasser aus nahen Bergquellen, haben hauseigene Filteranlagen oder bieten Granderwasser. In diesem Artikel Link folgt noch lernst du mehr über die Trinkwasser-Projekte unserer Partner.
- Packe auch eine Brotdose ein. In diese passt ein Sandwich für die Anfahrt und unterwegs kannst du diese für Lunchpakete auf deinen Ausflügen nutzen. Zusätzlich sind auch Bienenwachstücher gut geeignet, um Lebensmittel für unterwegs einzuwickeln.
- Habe immer einen Stoffbeutel für Einkäufe dabei und lehne Tüten aus den Geschäften ab. Wenn es sich nicht vermeiden lässt, dann nutze Plastiktüten mehrfach beim Einkauf oder um etwa Schuhe schmutzfrei im Koffer zu verstauen.
- Verwende Zahnbürsten aus Holz/ Bambus/ Miswak und nutze Zahnpasta-Tabs statt Zahncreme aus der Tube.
- Buche eine nachhaltige Unterkunft 🙂 Diese verzichten auf Einwegplastik, sorgen für eine ordnungsgemäße Mülltrennung und setzen sich auch sonst für die Umwelt ein, wo es nur geht.
Diese Liste ist sicherlich noch nicht vollständig. Daher interessieren uns deine Ideen – wie lässt sich Zero Waste auf einer Reise noch umsetzen? Welche Erfahrungen hast du gemacht? Wir freuen uns über deinen Kommentar und dass wir gemeinsam daran arbeiten, die Müllberge auf unserem Planeten zu reduzieren.
Speichere dir den Artikel für deine nächste Reise ab.




