Umweltfreundliche Sonnencreme: Was UV-Schutz mit Korallen zu tun hat

Umweltfreundliche Sonnencreme: Was hat Sonnenschutz mit Korallen zu tun?

Umweltfreundliche Sonnencreme: Was hat Sonnenschutz mit Korallen zu tun?
© Adobe Stock – Irochka

Jahrzehntelang lautete die Sommerurlaubsregel Nummer 1 „eincremen, eincremen, eincremen“ – denn UV-Licht verursacht Hautkrebs und vor allem im Wasser ist die Strahlung besonders gefährlich. Das Problem: Der Schutz vor Sonnenbrand gefährdet das Leben im Meer, denn auch wasserfeste Sonnencreme ist nur sehr bedingt wasserfest und so landen jährlich Tausende Tonnen Sonnenschutzmittel in unseren Ozeanen.

Und viele Bestandteile der Cremes sind äußerst giftig für die zahlreichen Meereslebewesen. Vor allem für die hochsensiblen Ökosysteme der Korallenriffe stellt das eine echte Gefahr dar, die erst nach und nach ins allgemeine Bewusstsein dringt.

 

Schädlich für Mensch und Umwelt

Sonnencremes mit chemischen UV-Filtern wirken, indem sie in die Haut eindringen (ein willkommener Nebeneffekt davon ist, dass sie sehr gut einziehen). Sie nehmen die gefährliche UV-Strahlung auf und wandeln sie in harmlose Wärmeenergie um. Was erst einmal praktisch wirkt, birgt aber Gefahren für die Gesundheit: Je nach Substanz können sich solche chemischen UV-Filter zersetzen und Hautreizungen und Allergien auslösen, etliche stehen zudem in Verdacht hormonell oder krebserregend zu wirken. Sie sind deshalb in Naturkosmetik verboten.

Die Zahl synthetischer UV-Filter steigt stetig: Als Nachfolger des inzwischen ausgemusterten Benzophenon-3 hat sich der UV-Filter Octocrylene etabliert. Er kann aber ebenfalls zu Hautallergien führen und ist auch ökologisch heikel, weil der wasserunlösliche Stoff nur schwer abbaubar ist und sich deshalb in Organismen und an Oberflächen anreichern kann. Neben Octocrylene stehen auch Oxybenzone und Octinoxate sowie Parabene in der Kritik Korallenriffe zu beschädigen und zur Korralenbleiche zu führen.

Übrigens: Die Verwendung von Sonnenschutzcremes mir Oxybenzone und Octinoxate ist auf Hawaii sogar ab dem 1. Januar 2021 gesetzlich verboten. Laut dem Nationalpark gelangen dort 14,000 Tonnen Sonnencreme jährlich ins Meer.

 

Coral reefs © Zeavola
Mit einer kleinen Änderung im Verhalten können wir viel für die schön bunten Korallenriffe tun. © Zeavola

 

Es mangelt an umfassenden Studien

Die logische Alternative? Zu Bio-Sonnencremes greifen – zumindest auf den ersten Blick. Statt mit chemischen Filtern wirken diese mineralischen Sonnencremes mechanisch: Sie reflektieren die gefährliche UV-Strahlung wie winzige Spiegel und sorgen so dafür, dass die Strahlung gar nicht erst in unserere Haut vordringen kann. Statt einzudringen bildet die Creme also eine Art Schutzschicht. Die verbreiteten mineralische Wirkstoffe Zink- und Titandioxid galten lange als unbedenklich, zumindest für den Menschen. Inzwischen hat sich allerdings herausgestellt, dass die enthaltenen Nanopartikel (die dafür sorgen, dass der „Weißeffekt möglichst gering ist) ebenfalls eine Gefahr für uns und das Leben im Meer darstellen können.

Umfassende Studien zur Auswirkung dieser häufig genutzten kosmetischen Inhaltsstoffe gibt es bislang nicht viele. Es muss also dringend umfangreicher geforscht werden, so viel steht fest. Umso erfreulicher ist es, dass die Umweltgefahr vieler Sonnenschutzmittel immer häufiger thematisiert wird – und dadurch nach und nach ins Bewusstsein aller gelangt. Viele Naturkosmetikhersteller verzichten mittlerweile nicht nur auf UV-Filter, sondern auch auf Nanopartikel.

 

Was tun, um sich vor den Sonnenstrahlen zu schützen?

Klar ist: UV-Schutz ist nach wie vor sehr wichtig. Und die Sache mit der Sonnencreme ist zugegebenermaßen ein schwieriges Thema. Umso wichtiger, dass wir uns Gedanken über die Inhaltsstoffe machen, für unsere eigene Gesundheit und für die Umwelt. Vor allem wenn ihr ins Meer wollt, solltet ihr genau prüfen, ob eure Sonnencreme Stoffe enthält, die nachweislich umweltschädlich sind. Direkt vor dem Baden im Meer cremt ihr euch am besten gar nicht ein, auch nicht mit (vermeintlich) wasserfester Lotion, sondern reduziert lieber die Zeit, die ihr im Wasser verbringt. Die Haut hat nämlich auch einen natürlichen Sonnenschutz – je nach Hauttyp und Bräunungsgrad zwischen 10 und 30 Minuten oder mehr.

Wenn ihr länger im Wasser bleiben wollt, zum Beispiel beim Schnorcheln, zieht euch was an. Sich bei 30 Grad im Schatten für Neopren und Lycra statt für leichte Badekleidung zu entscheiden, klingt vielleicht erstmal komisch, und vor allem Bräunungsfanatiker werden jetzt schockiert mit dem Kopf schütteln. Aber hey: Korallensterben und Hautkrebsrisiko für einen makellosen Sommerteint – ist es das wert?

 

Snorkeler at Gili Lankanfushi
Manche Hotels bieten korallenfreundliche Sonnencreme für Schnorchler an. © Gili Lankanfushi

 

Vorreiter: Korallenfreundliche Sonnencremes

Mit gutem Beispiel voran gehen diese beiden Green Pearls® Hotels: Auf den Malediven und auf Koh Samui ist Sonnenschutz natürlich ein Muss. Gleichzeitig sind die Korallen hier ein unumstrittenes Highlight, entsprechend beliebt ist das Schnorcheln. Eine gefährliche Kombination, denn mit den falschen Inhaltsstoffen eingecremt werden die Schnorchler zur Gefahr für die spektakulären Riffe. Darum halten das Gili Lankanfushi und das Tongsai Bay für ihre Besucher eine korallenfreundliche Alternative zu Sonnenbrand und langärmliger Badebekleidung bereit – mit ihren „Reef Safe“ Sonnenschutz-Produkten, die laut Hersteller frei von schädlichen Stoffen und den umstrittenen Nanopartikeln sind.

 

Reef friendly sunscreen
Im Tongsai Bay können Sonnenhungrige korallenfreundliche Sonnencreme kaufen. © Tongsai Bay

 

Nicht nur bei Sonnencreme, sondern auch bei alltäglichen Kosmetikprodukten lohnt es sich, zweimal hinzuschauen. In unserem Blogpost findet ihr weitere Infos:

Naturkosmetik: Was unsere Schönheitspflege mit der Umwelt zu tun hat

 

Nachhaltiger Tourismus auf den Malediven, geht das überhaupt? Der Frage geht dieser Blog post auf die Spur: 

Von Mantas und Korallen: Grüner auf die Malediven

 

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