Nachhaltige Unterkunft - 7-Punkte-Check

Woran erkenne ich eine nachhaltige Unterkunft? (7-Punkte-Check)

Woran erkenne ich eine nachhaltige Unterkunft? (7-Punkte-Check)
Urlaub planen und Unterkünfte finden | ©charnchai saeheng - sock.adobe.com

Nicht alles ist grün, was sich grün nennt. Da Begriffe wie “nachhaltig” oder „eco“ nicht geschützt sind, können sie von jedem für alles verwendet werden. Auch bei Hotels und Unterkünften stellen wir immer wieder “Greenwashing” fest. Andere wiederum sind sehr engagiert, ohne dass sie das nach außen kommunizieren. In diesem Beitrag möchten wir dir einige Beispiele präsentieren, an denen wir dir zeigen, woran du eine nachhaltige Unterkunft erkennen kannst.

 

Das ökologische Bewusstsein im Tourismus ist gestiegen

Als Green Pearls 2013 an den Start ging, war Nachhaltigkeit noch Neuland in der Hotellerie. 10 Jahre später befinden wir uns voll im Öko-Trend. Das hast du vielleicht auch an dir selbst gemerkt – flog man früher mal eben mit dem “Billig-Flieger” zum Shoppen in eine Metropole, spart man heute lieber auf ein E-Bike. Eine internationale Studie von Booking.com, an der sich über 29.000 Personen beteiligten, zeigte 2021, dass 76 Prozent der Reisenden nachhaltiges Reisen für wichtig halten.

 

Greenwashing verunsichert Verbraucher

Ein Problem ist Greenwashing. Das heißt: Die bewusste Irreführung der Verbraucher bei Werbung und Marketingmaßnahmen und der Wortwahl, welche eine Unterkunft als umweltfreundlicher darstellt, als es eigentlich ist. Blogger berichten dann enttäuscht, dass es vor Ort doch nicht mehr so grün aussieht, wie erwartet. Man lässt die Handtücher im Bad hängen – und ungewollt gibt es neue. Oder jeder Teebeutel ist eingeschweißt – auf der anderen Seite hat man vielleicht auch selbst kein Verständnis dafür, dass der Wellnessbereich nicht mehr durchgehend geöffnet ist. Nachhaltigkeit kann vieles bedeuten. Und wie wir sehen werden, setzen die verschiedenen Hotels und Ferienapartments ganz unterschiedliche Schwerpunkte.

 

Transparenz als Schlüssel

Im Interview mit HOUSE of MANAO sagt Stefany Seipp, die Gründerin von Green PearlsⓇ: “Ob eine Unterkunft beispielsweise eine Solaranlage hat, hängt von verschiedenen Gegebenheiten ab”. Darum sei es ihr besonders wichtig, “die verschiedenen nachhaltigen Aspekte transparent zu machen”. Mancherorts sind Solaranlagen zum Beispiel mit gesetzlichen Hürden verbunden. Oder das Haus steht unter einem Denkmalschutz, der Eingriffe in das äußere Erscheinungsbild verhindern. Die Gründe sind vielfältig und viele bleiben uns als Gast erst einmal verborgen.

Bei uns, also Green Pearls®, ist es so, dass jede Unterkunft, die Partner wird, eine Microsite bekommt, auf der ihr nachhaltiges Engagement genau aufgelistet ist. So siehst du als Interessierte*r nicht einfach nur ein Siegel, sondern kannst dich speziell über das nachhaltige Engagement informieren. Auch das, was du nicht auf den Bildern siehst 🙂

 

Nachhaltige Unterkünfte im 7-Punkte-Check

Green PearlsⓇ überprüft bei den Partnern eine Reihe von Kriterien, wobei man, wie gesagt, nicht überall gleich stark involviert sein muss. Die folgenden sieben Punkte können dir helfen, zu verstehen, woran man eine nachhaltige Unterkunft erkennt:

 

#1 Architektur

Einen Bestandsbau zu sanieren ist nachhaltiger als ein kompletter Hotel-Neubau. Ein tolles Beispiel ist z. B. das Relais del Maro in Italien. Die Inhaberin Elena Scalambrin errichtete aus mehreren alten Geschäftsgebäuden in ihrem Kindheitsdorf Borgomaro ein Albergo Diffuso. Das heißt, die Zimmer sind auf mehrere Häuser im Dorf verteilt und zum Frühstücken kommst du ins Haupthaus. Win-win: Du lebst direkt zwischen den Einheimischen und die Anwohner freuen sich, dass die ehemals leer stehenden Gebäude sinnvoll belebt wurden.

Ein weiteres Beispiel ist das Hotel Klosterbräu in Seefeld, Tirol. Im Jahr 1516 wurde hier ein Kloster errichtet und seit über 200 Jahren gehört das Anwesen der Gastgeberfamilie Seyrling, die das ehemalige Kloster in ein nachhaltiges 5-Sterne-Hotel umgewandelt hat. Gerade erst (Juni 2023) wurden neue Naturzimmer und Suiten eröffnet. Hierfür wurden bis zu 95 Prozent Materialien aus der Region genutzt. So wurden die Holzböden und Möbel von Bäumen aus dem eigenen Wald gezimmert, die Wände sind mit Lehm verputzt.

 

Gerade, wenn sich ein Hotel um neue Zimmer erweitert, oder Zimmer renoviert werden müssen, sollte eine nachhaltige Unterkunft auf die verwendeten Materialien achten. Paradebeispiele für ökologische Raumgestaltung sind in Deutschland die nachwachsenden Hotelzimmer vom Creativhotel Luise in Erlangen und das Zimmerkonzept Circular Living vom SCHWARZWALD PANORAMA.

 

#2 Klimaneutralität / Erneuerbare Energie

Es bieten mittlerweile immer mehr Unterkünfte an, CO₂-neutral zu übernachten. Doch auch hier gibt es einige, die speziell in diesem Punkt Vorreiter sind. Mitten in Mailand gibt es z. B. das Hotel Milano Scala. Die “Null-Emissionen-Unterkunt” besteht schon seit 2010 und war das erste CO₂-neutrale Hotel in ganz Italien! Die Energie bezieht das City-Hotel durch Erdwärme – hierfür wird eine 30 Meter tiefe Geothermie unterhalb des Hotels genutzt. Alle Zimmer sind mit einem Computersystem verbunden, welches die Kühlung und Heizung reguliert.

 

nachhaltig reisen
Das Null-Emissionen-Stadthotel mit Kräutergarten © Milano Scala

 

Im Naturresort Schindelbruch im Harz, in Deutschland, ist man bemüht, CO₂-Emissionen von vornherein zu vermeiden. Du findest hier z. B. keine Minibar auf dem Zimmer und keine elektrischen Händetrockner. Die Energie bezieht die nachhaltige Unterkunft aus vier Quellen: eigene Photovoltaik-Anlage, eigene Geothermie-Anlage, Pellet-Heizung und Ökostrom aus Wasserkraft. Das Naturresort ist mit dem Viabono-Umweltsiegel zertifiziert und ermittelt jährlich seinen CO2-Fußabdruck. Hierbei schneidet es regelmäßig als einer der Besten ab. Um “klimapositiv” zu werden, wird zusätzlich zu den eigenen Maßnahmen noch Regenwald in einem Projekt in Panama aufgeforstet – somit kannst du dir ganz sicher sein, dass dein Aufenthalt hier keine negative Auswirkung auf deine CO2-Bilanz hat.

 

#3 Unterstützung bei einer klimafreundlichen Anreise

Wenn du klimafreundlich reisen willst, solltest du natürlich auch die Anreise beachten. “Je nachdem welcher Studie man glauben will, (werden) zwischen 70 und 80 Prozent der CO2-Emissionen, durch An- und Abreise produziert”, sagt Hotelier Daniel Ganzer vom Naturhotel Outside in Osttirol. Darum ist es ein weiteres gutes Zeichen für eine nachhaltige Unterkunft, wenn du schon auf der Webseite darüber aufgeklärt wirst, wie du möglichst umweltfreundlich anreist und man dir auch beim Thema “Last Mile” behilflich ist. Beides wird im Naturhotel Outside so gehandhabt. Zudem erhältst du direkt beim Check-in eine Gästekarte. Damit bist du dann auch vor Ort, rund um den riesigen Alpen-Nationalpark Hohe Tauern, kostenlos mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs.

 

#4 Regionale Bio-Küche

Ein weiteres Merkmal, woran du eine nachhaltige Unterkunft erkennen kannst, ist das Essen. Dies sollte möglichst regional und saisonal sein und aus der ökologischen Landwirtschaft stammen. Bei Bio-Produkten ist der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln (Pestizide, Herbizide) verboten, wodurch das Grundwasser geschützt wird. Durch die Regionalität vermeidest du Transport-Emissionen, stärkst die Region und isst frisch und natürlich.

Im Genießerhotel Die Forelle am Weißensee in Österreich erlebst du bei Haubenkoch Hannes Müller, wie Importautarkie und Slow Food praktisch umgesetzt wird. Wenn dich das Thema interessiert, kannst du unter https://www.forellemueller.at/de/slow-food verschiedene Slow-Food-Seminare buchen und sogar mit Küchenchef Hannes Müller Wildfische angeln und zubereiten.

 

Regionale Küche und tolle Aussicht © Genießerhotel Die Forelle

 

Einen weiteren Trend, den wir beobachten, ist eine Verschiebung zur veganen Küche. Auch wenn du kein*e Veganer*in bist, können nachhaltige Unterkünfte wie z. B. das rein vegane Hotel LA VIMEA in Südtirol vormachen, wie lecker und vielfältig die Pflanzenküche ist. Denn klar ist – willst du etwas fürs Klima tun, gehört weniger Fleisch auf den Teller.

 

#5 Wasser

Sauberes Wasser ist unsere wichtigste Ressource, weshalb jedes nachhaltige Hotel und jede grüne Ferienunterkunft, ein entsprechendes Konzept haben sollte, wie Wasser eingespart werden kann.

Das geht zum Beispiel mit wassersparenden Duschköpfen und Armaturen, der Nutzung von Grauwasser (z. B. für die Toilettenspülung) und das Auffangen und Nutzen von Regenwasser.

Im STURM in der Rhön gibt es Zisternen, mit denen der 30.000 Quadratmeter große Naschgarten bewässert wird. Das, was im Garten wächst, wird auch in der Hotel-Küche verwendet, darf von den Gästen gesnackt werden und dient Insekten und Kleintieren als Unterschlupf.

 

#6 Müllvermeidung / Zero-Waste

Verpackungsmüll ist nach wie vor ein großes Problem in Hotels. Ja, lange Zeit konnten sich Gäste und Hoteliers gar nicht vorstellen, wie ein Badezimmer oder Frühstücks-Buffet ohne abgepackte Einwegprodukte und Miniportionen in Plastikschalen überhaupt aussehen kann. Zum Glück hat sich das inzwischen geändert. Hotels wie das Keemala auf der thailändischen Insel Phuket sind sehr engagiert im Zero-Waste-Trend. Sie machen es vor: Seit 2015 sind Plastikflaschen und -strohhalme komplett aus dem Resort verbannt. Selbst die Dekoration für Hochzeiten (am Strand oder im Wald) besteht komplett aus Naturmaterialien.

Trotzdem verursacht nach Berechnungen des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA) jeder Hotelgast pro Tag zwischen 3,4 und 9,1 Litern Müll. Dort, wo auf Einweg gesetzt wird, fällt logischerweise am meisten an.

Aber was passiert eigentlich danach mit dem Müll? Was du als Gast weniger mitbekommst, ist die Entsorgung des Mülls. Also zum Beispiel das korrekte Trennen, oder die Wiederverwertung organischen Abfalls. Das LIFESTYLE Resort zum Kurfürsten an der Mosel zeichnet sich z. B. dadurch aus, dass Essensreste zu Tierfutter für regionale Bauernhöfe weiterverarbeitet werden.

 

#7 Soziale Nachhaltigkeit

Klimaneutral und Bio sind nicht die einzigen Faktoren, durch die eine Unterkunft nachhaltig wird. Es gibt auch die Säule der sozialen Nachhaltigkeit. Green PearlsⓇ Unterkünfte arbeiten in der Regel mit lokalem Personal und einer festen Belegschaft.

Im Green City Hotel VAUBAN in der süddeutschen Stadt Freiburg, besteht die Hälfte der Belegschaft aus Menschen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen.

Soziale Nachhaltigkeit ist zudem besonders in ärmeren Ländern ein Thema. In Kambodscha ist das nachhaltige Resort Farmhouse Smiling Gecko Teil einer NGO, die durch Ausbildungs- und Bildungsstätten Perspektiven für die ländliche Bevölkerung schafft.

 

Hundert Prozent nachhaltig gibt es nicht

Du kennst es wahrscheinlich selbst – alles ist nicht möglich. Kaufst du dir vegane Schuhe, enthalten sie Kunststoff. Setzt du auf nachhaltigen Bambus – wächst dieser in China und nicht um die Ecke. So ist es auch bei einer nachhaltigen Unterkunft nicht möglich, alles perfekt zu machen. Um eine nachhaltige Unterkunft zu finden, solltest du darauf achten, dass den Inhabern das Thema persönlich am Herzen liegt und sie ihre Bemühungen transparent darstellen. Das heißt, sie schreiben auf ihrer Website  nicht einfach nur, dass sie nachhaltig oder klimaneutral sind, sondern zeigen dir auch, wie sie das erreichen und nehmen dich vielleicht sogar mit auf ihren Weg. Überdies sind Siegel wie GreenSign (oder natürlich Green PearlsⓇ :-)) ein guter Anhaltspunkt.

 

Hast du noch weitere Tipps, woran man nachhaltige Unterkünfte erkennen kann? Dann schreib sie in die Kommentare!  

 


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7 Punkte Check um nachhaltige Unterkünfte zu erkennen

Woran erkenne ich eine nachhaltige Unterkunft?


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2 thoughts on “Woran erkenne ich eine nachhaltige Unterkunft? (7-Punkte-Check)”

  • Nachwachsende Hotelzimmer – richtig klasse, hatte ich vorher noch nicht gehört. Finde auch solche Konzepte toll, in denen leerstehende Häuser wiederbelebt werden. Nachhaltigkeit hat eben auch hier viele Facetten. Auf jeden Fall: Danke! Da sind richtig coole Ideen für den nächsten Urlaub dabei!

    • Hallo Erika,

      vielen Dank für den netten Kommentar. Wir freuen uns, wenn dich die Ideen inspirieren und wünschen dir einen schönen und nachhaltigen nächsten Urlaub!

      Liebe Grüße
      Laura

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