Kulinarische Reise zur Nordsee - aber nachhaltig

Kulinarische Reise zur Nordsee – aber nachhaltig

Kulinarische Reise zur Nordsee – aber nachhaltig
©Kirill Gorlov | Stock.Adobe.com

“Nordische Küche knallt – wie ein Moin ins Gesicht.“ Im SANDglow in Husum findet man originelle Wege, um die Nordseeküche zu beschreiben. Krabben, Scholle, Rollmops … auf unserer kulinarischen Reise zur Nordsee stellen wir dir die Klassiker vor und geben dir dabei auch eine Einordnung zur Nachhaltigkeit.

 

Dies ist der elfte Teil unserer Serie Kulinarische Reise – jeden Monat gibt es eine neue Destination.

 

Die Nordsee: Watt, Deich und Möwen

Die Nordsee ist ein einzigartiges Naturparadies – rau, klar und voller Leben. Sie liegt im Nordwesten Europas und reicht von den Niederlanden über Deutschland bis hinauf nach Dänemark. Hier treffen Wind und Wellen auf endlose Horizonte, Wattlandschaften und kleine Hafenstädte, in denen das Meer den Takt vorgibt. Ebbe und Flut wechseln sich ab, Salz liegt in der Luft und Möwen begleiten die Fischerboote, die frühmorgens in den Hafen zurückkehren.

Möwe an der Nordsee
Bild: Pixabay

 

Seit Jahrhunderten prägt die Fischerei das Leben der Menschen entlang der Küste. Frisch gefangene Krabben (Garnelen), Schollen oder Muscheln landen zum Teil direkt vom Kutter auf dem Teller – ehrlich, unverfälscht und immer mit dem Geschmack des Meeres. Doch auch wenn die Nordseeküche auf Tradition baut, wird Nachhaltigkeit zunehmend wichtiger. Heute geht es nicht mehr nur um fangfrischen Fisch, sondern auch darum, wie und wo er gefangen wird, und wie das Meer als Lebensraum bewahrt werden kann.

Und genau in diesem Spannungsfeld zwischen Tradition und Zukunft, Altbekanntem und Nachhaltigkeit, Mensch und Natur beginnt unsere kulinarische Reise entlang der Nordsee: von traditionellen Gerichten mit Geschichte bis hin zu neuen Gemüse-Hits. Kennst du z. B. “Kimchi”?

 

Pflanzlich genießen an der Nordsee

Auch wenn du bei „Nordsee-Küche“ vermutlich als allererstes an Fisch denkst, wollen wir mit etwas anders in diesen Artikel hineinstarten. An der Nordsee wächst nämlich mehr als nur Gras und Salzpflanzen – die Küstenregion bietet eine erstaunliche Vielfalt an regionalem Gemüse, das nicht nur köstlich schmeckt, sondern auch für einen bewussten und nachhaltigen Genuss steht. Wer hier saisonal und lokal einkauft, sammelt also gleich doppelt Pluspunkte – für den Geschmack und für die Umwelt.

 

#1 Queller – das Salz der Küste

Queller
©barmalini | Stock.Adobe.com

 

Direkt an der Küste und auf den Salzwiesen wächst der Queller, auch bekannt als Meeresspargel. Die zarte, grüne Pflanze gedeiht auf schlickigem, salzhaltigem Boden und ist ein echtes Nordsee-Original. Ihr Geschmack ist salzig und leicht pfeffrig, die Textur erinnert an eine Mischung aus Spinat und grünem Spargel. Queller kann roh, blanchiert oder gedünstet genossen werden und bringt den typischen Geschmack des Meeres direkt auf den Teller.

 

#2 Wurzelgemüse – kräftig und vielfältig

Der nährstoffreiche Marschboden entlang der Küste bietet ideale Bedingungen für den Anbau von Wurzelgemüse. Neben den bekannten Kleiboden-Kartoffeln wachsen hier auch Steckrüben, lila, gelbe oder herzförmige Möhren – jede Sorte mit ihrem eigenen Charakter. (Beispiele dafür siehst du z.B. hier beim Bio-Anbau der Familie Schoof).

 

#3 Kohl – das grüne Gold Dithmarschens

Kohlköpfe auf dem Feld an der Nordsee
Ein Kohlfeld in Dithmarschen | Pixabay

 

Dithmarschen ist das größte zusammenhängende Kohlanbaugebiet Europas – und das sieht man spätestens zur Erntezeit. Weißkohl, Rotkohl, Wirsing, Blumenkohl, Rosenkohl oder Grünkohl – die Auswahl ist riesig. Viele Höfe bieten ihre Produkte in Bio-Qualität an.

Weiterverarbeitet findest du Kohl z. B. als Sauerkraut oder Rotkohl, wobei der neueste Schrei allerdings “Kimchi” ist: Die koreanische Sauerkraut-Art sollte bei deinem Nordsee-Urlaub unbedingt auf die kulinarische Liste!

 

#4 Kartoffeln – Klassiker aus dem Norden

Auch Kartoffeln gehören an der Nordseeküste einfach dazu. Sorten wie Linda, Laura oder Princess werden hier in Bio-Qualität angebaut. Besonders beliebt sind die Heide-Kartoffeln aus der nahen Lüneburger Heide – eine regionale Spezialität, die für ihren intensiven Geschmack bekannt ist.

 

Warum Bio so wichtig ist – auch für die Nordsee

Bio-Möhren
Bio-Möhren | Pixabay

 

Regional ist gut, regional plus Bio ist besser. Denn während du mit regionalem Gemüse Transportwege und damit CO₂ einsparst, sorgt der Bio-Anbau zusätzlich dafür, dass keine Pestizide in den Boden und letztlich in die Nordsee gelangen. Genau diese Chemikalien bedrohen nämlich das empfindliche marine Ökosystem – einschließlich des Wattenmeers. Genauer erklären wir das in unserem Artikel “Ist das Wattenmeer in Gefahr?

Die gute Nachricht: Die Flächen für den Bio-Anbau an der Nordsee nehmen stetig zu, wie auch der NDR berichtet. Allerdings ist der Großteil nach wie vor konventionell.

 

(Möglichst nachhaltige) Fischgerichte an der Nordsee

Fischkutter umschwärmt von Möwen auf der Nordsee. Im Hintergrund ein Leuchtturm
Fischkutter und Möwen gehören zum Bild der Nordsee. ©pixelklex | Stock.Adobe.com

 

„Seefahrerherzen sterben nie“, erklärt das SANDglow in Husum – und bringt damit die tiefe Verbundenheit der Norddeutschen mit dem Meer auf den Punkt. Kein Wunder, dass Fischgerichte hier seit Jahrhunderten fester Bestandteil der regionalen Küche sind. Doch wer Fisch an der Nordsee genießt, sollte das mit Bedacht tun.

Die Nachfrage entscheidet, was zum Verkauf angeboten wird. Nachhaltige Kaufentscheidungen können deshalb helfen, die Umweltverträglichkeit der Fischerei zu beeinflussen.” – Verbraucherzentrale Hamburg

 

#1: Schellfisch aus der Nordsee – ein Fisch, der sich erholt hat

Seit 2024 steht Schellfisch aus der Nordsee (gefangen mit Haken und Leinen) auf der Guten-Fisch-Liste der Verbraucherzentrale. Der Grund: Seine Bestände haben sich in einigen Regionen des Nordostatlantiks erholt – ein positives Signal für nachhaltige Fischerei.

Doch der Erfolg ist fragil: Schon 2026 wird erneut geprüft, wie stabil sich die Population entwickelt.

 

 

#2: Nordseekrabben – zwischen Tradition und Herausforderung

Krabbensuppe und Krabben-brote von der Nordsee
Krabbensuppe ©Christin Klose | Stock.Adobe.com

 

Die Nordseekrabbe (Crangon crangon) ist eigentlich eine Garnele und das wohl bekannteste Symbol der Nordseeküche. Schon seit Jahrhunderten fahren Fischer im Morgengrauen hinaus, um die kleinen Tiere auf dem Meeresboden zu fangen.

Rezepttipp von SANDglow:
Friesische Krabbensuppe – From Sea to Spoon

„Die Nordseekrabbe ist der kleine Star der Küste. Die Krabbensuppe war früher ein schnelles Essen der Fischerfrauen, heute ist sie ein Signature Dish für alle, die den echten Geschmack der Nordsee lieben. Warum man’s isst? Weil es einfach nach Heimat schmeckt – und nach salziger Brise.“

Doch die Krabbenfischerei steht auch in der Kritik. Laut WWF fällt durch die engen Netzmaschen sehr viel Beifang an – darunter Jungfische, seltene Arten und andere Bodenlebewesen. Zudem beschädigen die Grundschleppnetze den Meeresboden und gefährden empfindliche Lebensräume wie die Sandkorallenriffe des Wattenmeeres. Wie der WWF weiter berichtet, werden Grundschleppnetze sogar damit in Verbindung gebracht, dass es im Wattenmeer keine Haie oder Rochen mehr gibt und die einst verbreiteten Sandkorallenriffeaufgrund der Krabbenfischerei verschwunden sind”.

Immerhin gibt es laut dem MSC erste Fortschritte:

  • Die MSC-zertifizierten Nordseekrabbenfischer in Deutschland, den Niederlanden und Dänemark haben einen gemeinsamen Bewirtschaftungsplan entwickelt.
  • Neue Maschengrößen und Fluchtgitter sollen Beifang reduzieren.

Trotzdem bleibt das Thema umstritten – vor allem mit Blick auf ein mögliches Verbot von Grundschleppnetzen bis 2030 in Meeresschutzgebieten, zu denen auch das Wattenmeer gehört. Noch ist unklar, wie sich das auf die traditionelle Krabbenfischerei auswirken würde.

 

#3 Scholle – ein Klassiker mit Charakter

Finkenwerder Scholle
Finkenwerder Scholle | Pixabay

 

Die Scholle aus der Nordsee darf laut WWF gegessen werden, denn ihr Bestand hat sich seit 2008 deutlich erholt. Doch auch hier gilt: bewusst genießen, statt bedenkenlos zugreifen. Eine Scholle kann bis zu 50 Jahre alt werden – und genau das macht sie anfällig für Überfischung. Wer sie wählt, sollte also Qualität und Herkunft beachten und sie nicht als schnellen Happen, sondern als echten Genussmoment betrachten.

Rezepttipp von SANDglow:
 Finkenwerder Scholle – Fried with Love & Bacon

Benannt nach dem Hamburger Stadtteil Finkenwerder ist dieses Gericht längst ein Liebling der Nordseeküste. Scholle gibt es hier überall – das Flachfischchen liebt das Watt. Der Clou des Gerichts: die Kombi aus zartem Fisch und knusprigem Speck. Früher wurde so jeder Fang aufgewertet, heute ist es kulinarischer Kult.
Warum man’s isst? Weil es einfach knallt – fettig, salzig, ehrlich. Wie ein Moin ins Gesicht.

 

#4 Hering – Darf man Heringe aus der Nordsee noch essen?

Fischbrötchen mit Hering
Ein Fischbrötchen mit Hering – soll man es noch essen? | Pixabay

Hier scheiden sich die Geister. Laut der Verbraucherzentrale Hamburg sollten Heringe aus der Nordsee derzeit gar nicht mehr verzehrt werden. Die Bestände hätten sich 2024 und 2025 deutlich verschlechtert – vor allem durch Überfischung. Dabei gilt der Hering eigentlich als Paradebeispiel für nachhaltigen Konsum: Er vermehrt sich schnell, lebt in großen Schwärmen und steht weit unten in der Nahrungskette.

Doch gerade deshalb ist er ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems – „eine zentrale Nahrungsquelle für Vögel, Schweinswale, Robben und größere Fische“, schreibt die Verbraucherzentrale. Wenn der Hering verschwindet, betrifft das also das gesamte marine Gleichgewicht.

Ein etwas anderes Bild zeichnet der WWF. Dort gilt der Hering aus der Nordsee derzeit noch als vertretbare Wahl, da die Bestände der Herbstlaicher im gesunden Bereich liegen. Allerdings warnt auch der WWF: Aufgrund schwacher Nachwuchsjahrgänge könnte der Bestand in Zukunft zurückgehen. Positiv hervorgehoben wird die selektive Fangmethode, bei der kaum Beifang entsteht.

Die Diskussion um den Hering zeigt exemplarisch, wie komplex nachhaltiger Fischgenuss geworden ist. Zwischen Tradition und Verantwortung braucht es heute vor allem eines: Bewusstsein.

 

An der Nordsee wird Hering traditionell in drei Varianten gegessen:

  • Frischer (grüner) Hering, gebraten oder geräuchert
  • Matjes, junger, milder Hering – besonders im Frühsommer beliebt
  • Rollmops oder Bismarckhering, in Essigsud eingelegt, oft als Beilage zu deftigen Gerichten wie Labskaus oder Bratkartoffeln

Rezepttipps von SANDglow:

Labskaus – Seaman’s Survival Fuel

Labskaus ist echtes Hafenkantengold. Früher gab’s auf See kein frisches Gemüse – also wurde gepökeltes Fleisch mit haltbaren Zutaten gestampft. Das rote Gematsche sieht zwar wild aus, ist aber super nahrhaft. Dazu ein Rollmops – denn der Hering bringt das Salz zurück in die Seele. Warum man’s isst? Weil Nordfriesen wissen, was durch kalten Wind trägt – und weil Seefahrerherzen nie sterben.

Labskaus ist ein traditioneller Eintopf aus Kartoffeln, Rindfleisch und Roter Bete – daher die unverkennbare pinke Farbe. Serviert wird er klassisch mit Spiegelei und Rollmops.

Labskaus mit Spiegelei, Gewürzgurken und Rollmops.
©FormaA | Stock.Adobe.com

 

Matjes nach Hausfrauenart – Classic with a Creamy Twist

Matjes ist junger, besonders zarter Hering – ein saisonaler Hit in der Region. Der Name “Hausfrauenart” kommt übrigens daher, dass man früher einfach das genommen hat, was im Haus war: Apfel, Zwiebel, Sahne. Was rauskam? The perfect combo.

Warum man’s isst? Weil die Nordsee nicht nur rau ist, sondern auch soft – zumindest im Geschmack.

 

Nachhaltige, kulinarische Reise an die Nordsee: Persönliche Empfehlungen aus der Redaktion

Unsere Kollegin Mara vom Green Pearls® Team war erst vor Kurzem an der Nordsee und zu Besuch im SANDglow in Husum. Ihr Fazit: Husum überrascht! Die kleine Hafenstadt hat kulinarisch einiges zu bieten – auch für alle, die sich bewusst, regional oder vegan ernähren möchten.

Im SANDglow beginnt der Tag schon nachhaltig – mit einer modernen Kaffeemaschine, die auf Knopfdruck nicht nur Kuhmilchschaum, sondern auch Haferdrink ausgibt (Maras persönliche Vorliebe, wie sie auch in ihrem Nachhaltigkeitscheck von Pflanzendrinks schreibt).

Zum Abendessen war sie bei Alex Kitchen, wo frische, saisonale Zutaten mit kreativen Ideen kombiniert werden. Und zum Kaffee zog es sie ins HafenKaffee Husum – ein gemütlicher Ort direkt am Wasser, der komplett auf Einwegbecher verzichtet. Hier bekommst du deinen Cappuccino (natürlich auch mit Haferdrink 😉 ) nur im Mehrwegbecher oder du bringst deinen eigenen Becher mit.

Husum zeigt, dass nachhaltiger Genuss an der Nordsee längst kein Nischenthema mehr ist – sondern eine Lebenseinstellung, die sich wunderbar mit einer Prise Meeresluft verbinden lässt.

Also: Viel Spaß an der Nordsee – beim Entdecken, Genießen und Bewusst-Reisen!

 


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Eine Auswahl deutscher Gerichte auf einem Holztisch, darunter Würstchen, Sauerkraut, Pommes frites, Grünkohl und Fleisch, mit dem überlagerten Text „Kulinarische Reisen in Deutschland: Nordsee-Edition“.

Nahaufnahme einer Hand, die ein Sandwich mit Frischkäse, Salat und Fisch hält. Der Textüberlagerung lautet „Kulinarische Reise zur Nordsee“ in eleganter Schrift.


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