Nachhaltige Stadtentwicklung - GREEN TRAVEL BLOG

Grüne Fassaden und Dachgärten: Nachhaltige Stadtentwicklung in Paris, Mailand, Freiburg und Erlangen

Grüne Fassaden und Dachgärten: Nachhaltige Stadtentwicklung in Paris, Mailand, Freiburg und Erlangen
©Balazs | Adobe Stock

Immer mehr von uns leben in der Stadt. Weltweit betrachtet, ist es bereits über die Hälfte der gesamten Bevölkerung. Tendenz steigend. Gleichzeitig entwickeln wir ein erhöhtes Umweltbewusstsein und der Wunsch nach einer möglichst klimafreundlichen Lebensweise.

Beides zusammen ergibt eine Herausforderung, der sich nicht nur die stark wachsenden asiatischen, afrikanischen und lateinamerikanischen Metropolen gegenübersehen, sondern auch die europäischen und nordamerikanischen Städte. Viele Stadtentwickler*innen (und auch wir selbst) stehen also vor der Aufgabe, die wachsenden urbanen Räume nachhaltig zu gestalten.

 

Was ist nachhaltige Stadtentwicklung?

Nachhaltige Stadtentwicklung zielt darauf ab, die Hürden für die Bewohner*innen, einen umweltfreundlichen und sozial verträglichen Lebensstil auszuleben, so gering wie möglich zu halten. Das heißt in erster Linie, dass die Infrastruktur auf Fußgänger*innen und Radfahrer*innen ausgelegt und der öffentliche Nahverkehr ausgebaut wird, sodass es einfach wird, auf das Auto zu verzichten.

Umweltfreundliche Projekte werden gefördert und neue Grünanlagen geschaffen, womit nicht nur das Mikroklima und die Luftqualität in der Stadt verbessert werden. Ihr kennt das sicher: Solche grünen Oasen dienen auch als Treffpunkte und schaffen Raum für ein Picknick mit Freunden, für Sport, Musik oder einfach zur Erholung.

Nachhaltige Stadtentwicklung / Sustainable Urban Planning / Green City: A bird's eye view of a green city streets
Wirestock | Adobe Stock

Der Bau von bezahlbarem Wohnraum gehört ebenfalls zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung dazu, ebenso wie die effiziente Nutzung der vorhandenen Flächen. Letzteres verhindert, dass sich die Stadt weiter ins Umland ausdehnt und dort Ökosysteme zerstört werden. Konkret heißt es, dass brachliegende innerstädtische Flächen für Neubauten genutzt und leerstehende Gebäude umfunktioniert werden. In manchen, vor allem asiatischen Städten wird zum Teil sogar auf bestehende Bauten aufgebaut, z. B. Wohnmöglichkeiten auf Flachdächern von Parkhäusern. Beim Neubau wird im Zuge der nachhaltigen Stadtplanung auf wiederverwertbare, möglichst nachwachsende Materialien gesetzt. So wird Müll vermieden und die Umwelt geschont.

 

Städte der Zukunft

Natürlich gehört zu der nachhaltigen Entwicklung urbaner Räume noch viel mehr als das, was wir hier anreißen konnten. Wo viele Menschen zusammenkommen und sich Herausforderungen gegenübersehen, entstehen neue Ideen. Großstädte und Metropolen sind schon immer Treiber von Innovationen und neuen Entwicklungen, auch was Nachhaltigkeit angeht. Eine nachhaltige Stadt bringt eine hohe Lebensqualität mit sich. Doch die eine universelle Lösung gibt es nicht. Haltet bei euch zu Hause mal die Augen offen. Ihr werdet sehen, dass überall mit anderen Ansätzen experimentiert wird. Mal sind sie tiefgreifend und allumfassend, mal sind es einzelne Aktionen, Projekte oder Orte und manchmal ist die Zukunft sogar schon da.  

 

Nachhaltigkeit auf allen Ebenen in Mailand

Porta Nuova mit dem Bosco Vertikale

Das Viertel Porta Nuova hat die Skyline von Mailand neu geformt. Auf einer schon lang nicht mehr genutzten Industriefläche mitten in der norditalienischen Großstadt entstand ein völlig neuer Stadtteil, der zum Flanieren, Entspannen und Socializen einlädt. Die leer stehenden, verfallenen Fabrikbauten wurden durch Hochhäuser verschiedener Architekten ersetzt. Soweit nicht sehr nachhaltig, werdet ihr jetzt denken, abgesehen von dem Fakt, dass innerhalb der Stadtgrenzen gebaut wurde und nicht außerhalb. Aber: Einer dieser Wolkenkratzer ist ein Modell für Biodiversität in urbanen Räumen: Bosco Vertikale, der vertikale Wald.

Nachhaltige Stadtentwicklung / Sustainable Urban Planning: Bosco Vertikale, Mailand / Milan, Italien / Italy
©Ricochet64 | Adobe Stock

Die Zwillingstürme sind 110 und 76 Meter hoch und komplett bepflanzt. Auf dem Foto wirken sie eher wie eine Fotomontage, oder? Knapp 800 speziell für dieses Projekt ausgesuchte und vorbereitete Bäume, 4500 Sträucher und noch Tausende weiterer Pflanzen begrünen die Hochhäuser und bieten Vögeln und Insekten einen Lebensraum inmitten der Großstadt. Sie binden CO2 und Staubpartikel aus der Luft, erzeugen Feuchtigkeit und produzieren Sauerstoff. Auch für die Bewohner*innen haben die Pflanzen eine positive körperliche und psychische Wirkung. Ein Stück Natur inmitten von Mailand.

 

Nachhaltige Stadtentwicklung / Sustainable Urban Planning: Milano Scala green facade
©Hotel Milano Scala

Das Hotel Milano Scala

Eine grüne Oase findet ihr auch auf der Dachterrasse unseres Green Pearls® Partners Hotel Milano Scala. Über den Dächern der vibrierenden Stadt könnt ihr hier inmitten von Obst, Gemüse und Kräutern den Abend ausklingen lassen.

Begrünte Dächer, Dachgärten, Balkone und Co. verbessern ähnlich wie der Bosco Vertikale das Mikroklima der Stadt und bilden so tatsächliche eine Art Oase. Beim Aufenthalt im Milano Scala entstehen übrigens keine (Schadstoff-)Emissionen, die von den Pflanzen gebunden werden müssten. Das komplette Hotel wird über Wärmepumpen und Geothermie energieeffizient versorgt.

 

 

Navigli Viertel

Fahrt ihr vom Milano Scala etwa eine halbe Stunde mit der Bahn, befindet ihr euch in einer anderen Welt. Alles ist ein bisschen langsamer, ein bisschen ruhiger und ein bisschen entspannter. Das Navigli Viertel entschleunigt sogar die sonst so hektischen Mailänder*innen und zieht Besucher*innen ganz allmählich in seinen Bann.

Geprägt wird dieser Teil von Mailand durch die beiden Kanäle, Überbleibsel aus einer Zeit, in der Mailand wie Venedig oder Amsterdam von Wasserwegen durchzogen war. Dazwischen haben sich Kunstschaffende und Handwerker*innen, Restaurants und Bars angesiedelt. Souvenirs könnt ihr hier direkt von den Menschen selbst kaufen und so die Szene vor Ort unterstützen. Bekannt ist das Viertel außerdem für seine Vintage- und Secondhand-Läden und -Märkte. So kommen auch nachhaltige Modefans auf ihre Kosten.

So beschaulich, wie wir das Navigli-Viertel gerade beschrieben haben, ist es übrigens nur tagsüber. Abends verwandelt es sich in eine Partymeile. Wir können euch nur empfehlen, den ganzen Abend lang von einer Bar zur nächsten zu ziehen und euch irgendwann einfach am Kanal niederzulassen, um mit einem Drink in der Hand auf den Morgen zu warten.

Mailand, Naviglio Grande canal in Milan, Italy, sunset
©Boris Stroujko | Adobe Stock

 

 

Beispiel für nachhaltige Stadtentwicklung in Freiburg

Der Stadtteil Vauban

Ähnlich wie Porto Nuova wurde auch für Vauban kein neues Gebiet erschlossen, sondern ein bestehendes umgenutzt. Die Transformation des ehemaligen Militärgeländes begann schon in den frühen 90er-Jahren. 2006 war es fertig: das energieautarke, so gut wie autofreie und nachhaltige Stadtviertel Vauban. Eine aktive Stadtteilcommunity kümmert sich noch immer darum, die Wünsche der Einwohner*innen einzubringen, umzusetzen und das Viertel weiter zu formen. Partizipation ist an der Tagesordnung und das spürt man selbst als Gast im Miteinander der Bewohner*innen.

Die Häuser sind allesamt Passiv-, Niedrigenergie- oder sogar Plusenergiehäuser. Ein Auto hat fast niemand und wenn doch, steht es am Rand des Gebiets im Parkhaus. Hinein darf nur für das Be- und Entladen gefahren werden. Die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und das gut ausgebaute Radwegenetz machen ein Auto sowieso für die meisten überflüssig.

In Vauban wurde sehr auf eine effiziente Nutzung von erneuerbaren Ressourcen geachtet. Zusammen mit dem Verkehrskonzept und den energieeffizienten Bauten ist hier ein echtes Juwel nachhaltiger Stadtplanung und eine Inspirationsquelle für private Bauherren entstanden. Wenn ihr also gerade ein Haus baut, dann lohnt sich ein Besuch gleich mehrfach.

Green City Hotel Vauban

Das Green City Hotel Vauban liegt am Rand des Stadtteils und ist so der ideale Startpunkt, um das nachhaltige Viertel zu Fuß zu erkunden. Alternativ schwingt ihr euch aufs Rad und folgt der Tour entlang der „Green Spots“ (nachhaltige Projekte in Freiburg). Sehr praktisch: Das Hotel ist ein solcher Green Spot, sodass ihr von dort direkt losradeln könnt.

Das Hotel selbst ist ein Paradebeispiel gelebter Nachhaltigkeit. Architektonisch setzt es auf ressourcenschonende und grüne Praktiken gepaart mit einem klaren, schnörkellosen Design. Heizung und Kühlung sind energieeffizient gestaltet, Strom kommt aus einer in die Dachfläche integrierten Photovoltaikanlage. Es ist zudem ein Inklusionsbetrieb: Die Hälfte der Mitarbeitenden sind Menschen mit Behinderung. Generell wird auf die Aus- und Weiterbildung des Teams sehr großen Wert gelegt. Der Fokus ist klar auf dem sozialen Aspekt gerichtet, sowohl innerhalb des Hauses als auch bei externen Zulieferern und Produzenten.

 

Lust bekommen auf einen nachhaltigen Städtetrip? Dann schau doch mal bei unseren Tipps für einen nachhaltigen Städtetrip in Europa vorbei. Und falls es dich in eine ganz bestimmte Stadt zieht: Hier haben wir uns in Paris, Freiburg und Mailand mal genauer umgeschaut.

 

Mikrowald und andere Pläne in Erlangen

„Statt-Plan“ Erlangen

Die Stadt im Nordosten Bayerns arbeitet hart an ihrem Image eines nachhaltigen Orts. Initiativen wie „Fairlangen“ oder das Netzwerk „Bildung für Umwelt und Nachhaltigkeit“ prägen mit Informationsangeboten, Diskussionsrunden und anderen Veranstaltungen die Szene. Dazu gehört neben dem FairFinder von Fairlangen auch der sogenannte Statt-Plan, ein alternativer Stadtplan, der die nachhaltigen Läden, Restaurants, Cafés und vieles mehr übersichtlich darstellt. Auf der Rückseite findet ihr zusätzliche Tipps für einen umwelt- und sozialverträglichen Lebensstil. Wenn ihr also Lust auf einen etwas anderen Streifzug durch Erlangen habt, dann können wir euch den Statt-Plan nur empfehlen.  

 

Der Garten des Creativhotel Luise

Ausgangspunkt eures Streifzugs kann zum Beispiel das Creativhotel Luise sein. Dort bekommt ihr nicht nur ein leckeres, ökologisches Zero-Waste-Frühstück, ihr könnt auch gleich einen Blick in den riesigen Hotelgarten werfen. Auf einem Teil des knapp 1500 Quadratmeter großen Areals entsteht nach japanischem Vorbild ein sogenannter Mikrowald. Auf engstem Raum wachsen verschiedenste Bäume und andere Pflanzen, die sich innerhalb der nächsten zehn Jahre zu einem extrem diversen Lebensraum entwickeln sollen. Im Blog des Creativhotel findet ihr darüber noch mehr Informationen.

Seit den 80er-Jahren wird im Creativhotel nach ökologischen Grundsätzen gehandelt. Heute ist es eines der ersten klimapositiven Hotels in Deutschland. Neben dem großen Garten könnt ihr euch auch auf der begrünten Dachterrasse erholen und wer will, kann in einem vollständig nachwachsenden Hotelzimmer® übernachten. Hier wurden ausschließlich natürliche und nachwachsende Rohstoffe für die Innenausstattung verwendet und damit gezeigt: Es geht!    

 

Paris als Vorreiter für grüne Stadtplanung

Grüne Architektur im ÉcoQuartier Clichy-Batignolles

Die Region Paris setzt sich nicht erst seit dem Klimaabkommen 2015 stark für eine nachhaltige Entwicklung der Stadtregion ein. Umweltbewusste Projekte werden gefördert, soziale Maßnahmen ergriffen und grüne Bauvorhaben unterstützt. Unter anderem gibt es das Qualitätssiegel „EcoQuartier“, das neben der Umweltfreundlichkeit des Viertels auch die Zufriedenheit der Bewohner*innen im Blick hat. Die Entwicklung und die Bebauung des entsprechenden Stadtgebiets werden im Rahmen der Siegelvergabe von der Planung über die Bauphase bis zur Fertigstellung und darüber hinaus begleitet und nach strengen Kriterien beurteilt.

Ein solches EcoQuartier ist das im Nordosten der Stadt gelegene Viertel Clichy-Batignolles, das auf einem ehemaligen Güterbahnhof entstanden ist. Lauft ihr mit einem aufmerksamen Blick durch die Straßen, dann werden euch die unterschiedlichen Stile der Bauten auffallen (ein Muss für alle Architektur-Fans!), die trotz allem ein harmonisches Gesamtbild ergeben. Die Fassaden sind begrünt, aus Holz oder anderen ressourcenschonenden Materialien und die Häuser haben allesamt eine sehr niedrige Energiebilanz, die zum Teil mit der von Passivhäusern vergleichbar ist. Es gibt neue Metrostationen und ein großer Park entstand in der Mitte, der einen grünen Ausgleich zu den hohen Gebäuden bietet. Übrigens wurde hier nicht nur Wohnraum für die gut betuchte Pariser Bevölkerung geschaffen. Es entstanden auch Sozialbauten, Wohn- und Seniorenheime sowie öffentliche Einrichtungen.

Nachhaltige stadtentwicklung / Sustainable Urban Planning: Paris - Eco Quartier Clichy-Batignolles + Park
©Studio Laure | Adobe Stock

Weitere grüne Bauprojekte sind in Planung, darunter die Neuerfindung des Verkehrsknotenpunkts Porte Maillot mit dem gläsernen und bepflanzten Gebäude „Mille Arbres“, das an ein Schiff erinnert. Die Fertigstellung ist für 2023 geplant, pünktlich zu den Olympischen Spielen 2024 in Paris.

 

Das grüne Hôtel Le Pavillon

Aber auch außerhalb der nachhaltigen Viertel gibt es immer wieder grüne Oasen. Dazu zählt definitiv auch das Hôtel Le Pavillon, das sich vollständig der Nachhaltigkeit verschrieben hat. Das ehemalige Kloster bietet durch seine etwas versteckte Lage eine ruhige Oase und ist dennoch mitten drin im Geschehen. Eiffelturm, Seine oder Champs-Elysées, alles ist fußläufig erreichbar. Die Zimmer sind individuell eingerichtet und bieten Erholung ohne störende elektromagnetische Strahlung. Die lokal und biologisch erzeugten Lebensmittel werden aus einem eigenen kleinen Garten ergänzt.

 

 

Unsere Best Practice Beispiele zeigen, dass nachhaltige Stadtentwicklung nicht immer im ganz großen (oder hohen) stattfindet. Sie kann von einzelnen Unternehmen und auch von euch selbst angetrieben werden. Ein begrünter Balkon sorgt für ein besseres Mikroklima, die Unterstützung nachhaltiger und regionaler Läden und Initiativen hilft bei der einfachen Gestaltung eines verträglichen Lebensstils für alle und der Verzicht auf das Auto bedeutet eine Verringerung der Umwelt- und Luftverschmutzung. Unsere Green Pearls® Partner gehen da mit gutem Beispiel voran.

 

Und ihr? Wie unterstützt ihr eine nachhaltige Entwicklung eurer Heimatstadt oder eures Heimatorts? Verratet es uns in den Kommentaren oder auf Instagram.

 

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Nachhaltige Stadtentwicklung in Mailand, Paris, Freiburg und Erlangen

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