Tierschutz auf Reisen: Interview mit Yvonne Würz von PETA

Kann Tourismus Wildtiere schützen? Interview mit Dr. Yvonne Würz von PETA

Kann Tourismus Wildtiere schützen? Interview mit Dr. Yvonne Würz von PETA
Bengalischer Tiger im Chitwan Nationalpark, Nepal ©Anupam | Stock.Adobe.com

ierschutz auf Reisen ist ein heikles Thema. Viele Tourist*innen vertrauen auf Namen wie „Wildlife Sanctuary“ – und unterstützen damit mitunter Angebote, hinter denen Tierleid steckt. Doch PETA-Wildtierexpertin Dr. Yvonne Würz sagt auch: Wildtiertourismus kann unter bestimmten Voraussetzungen dazu beitragen, Tiere und ihre Lebensräume zu schützen. Im Interview mit dem Green Travel Blog erklärt sie, wo die Grenze verläuft und woran du respektvolle Tierbegegnungen im Urlaub erkennst.

                                                                                                                                  

Interview mit der PETA-Wildtierexpertin zu Tierbegegnungen im Urlaub

Portrait Dr. Yvonne Würz PETA Tierschutz
Dr. Yvonne Würz ©PETA

Green Travel Blog: Viele träumen von einer Begegnung mit einem Wal, einem Elefanten oder Koala. Der Urlaub scheint die perfekte Möglichkeit, die Tiere nicht im Zoo, sondern in ihrem natürlichen Lebensraum zu besuchen.

Dr. Yvonne Würz: Den Wunsch danach kann ich sehr gut verstehen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie faszinierend respektvolle Tierbegegnungen sind. Die Beobachtung von Kängurus und Schnabeltieren in Australien gehört zu meinen schönsten Reiseerinnerungen. Doch Tiere “zu besuchen” klingt ein bisschen so, als hätten sie dich eingeladen.

 

GTB: Das stimmt. Wo verläuft denn für dich die Grenze zwischen einer schönen Tierbeobachtung und einer Attraktion, die dem Tier schadet?

Yvonne: Die Grenze verläuft dort, wo Tiere für das Vergnügen von Tourist*innen eingesperrt, ausgebeutet, bedrängt oder in ihrem natürlichen Verhalten eingeschränkt werden. Eine tierfreundliche Beobachtung findet auf Distanz statt und lässt freilebenden Tieren auch die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, ob sie sichtbar sein möchten oder nicht.

 

GTB: Auf Distanz heißt, ich darf die Tiere weder streicheln noch füttern?

Yvonne: Genau. Sobald Tiere geritten, angekettet, angefasst, für Fotos genutzt, gefüttert oder zu Vorführungen gezwungen werden, steht nicht mehr ihr Wohl, sondern die Unterhaltung von Menschen im Mittelpunkt.

 

Diese “Tierattraktionen” solltest du auf jeden Fall meiden

Kamele gucken lustig
Kamele sollten laut PATA nicht geritten werden. ©rpee | Stock.Adobe.com

 

GTB: Könntest du einige Beispiele nennen, die man auf jeden Fall meiden sollte?

Yvonne: Also bei Elefantenreiten, Delfinshows, Fotos mit Tigerbabys oder Kamelritten vor den Pyramiden kann man sich sicher sein, dass hinter solchen Angeboten massives Tierleid steckt.

 

GTB: Kamelreiten auch? Das gehört doch zur Kultur der Wüstenvölker…

Yvonne: Aber doch nicht als Touristenattraktion direkt vor Kairo! Kamelreiten für Tourist*innen hat nichts mit Kulturpflege zu tun. Und auch Kamelreiten aus kulturellen Gründen halten wir nicht für akzeptabel. Mehrere Recherche-Veröffentlichungen von PETA Asien zeigen, wie Pferde und Kamele rund um die Pyramiden in Ägypten bis zum Tod ausgebeutet werden. Oft brechen die Tiere in der Hitze erschöpft zusammen und werden geschlagen, damit sie wieder aufstehen. „Unbrauchbar“ gewordene Tiere werden unweit der Tourismus-Hotspots wie Müll entsorgt.

 

GTB: Vielen ist wahrscheinlich nicht bewusst, dass Tiere für eine kurze Attraktion oder ein Urlaubsfoto ihr Leben lang leiden.

Yvonne: Das ist leider so. Regelmäßig erreichen uns bei PETA Berichte von Reisenden, die erschrocken feststellen, welches Leid hinter Tierattraktionen steckt, und es bereuen, diese unterstützt zu haben.

Wer Tiere respektieren möchte, sollte sie als fühlende Individuen betrachten und nicht als Urlaubsattraktion. – Dr. Yvonne Würz

 

PETA lehnt Zoos, Tier- und Wildparks grundsätzlich ab

Luchs im Wald | So sieht erfolgreicher Tierschutz in Deutschland und Europa aus
Luchs im Wald in Deutschland | ©ondreyprosicky – stock.adobe.com

 

GTB: Wie ist es denn mit Zoos oder Wildparks? Sie werben mit Artenschutz, Bildungsarbeit und Zuchtprogrammen. Darf man die eurerMeinung nach besuchen?

Yvonne: PETA lehnt die Haltung von Tieren in Zoos, Tier- und Wildparks grundsätzlich ab. Tiere werden dort ihr Leben lang eingesperrt und können ihre natürlichen Bedürfnisse kaum ausleben.

 

GTB: Selbst wenn die Gehege sehr groß sind?

Yvonne: Auch dann. Anlagen, die uns Menschen vermeintlich „groß“ und „modern“ erscheinen, können die komplexen Lebensräume und sozialen Strukturen vieler Arten nicht annähernd ersetzen.

 

GTB: Aber es heißt doch, dass Zoos wichtig für den Artenschutz seien.

Yvonne: Das häufig angeführte Artenschutzargument überzeugt aus unserer Sicht nicht. Die große Mehrheit der in Zoos weltweit gehaltenen Tiere gehören nicht einmal zu akut bedrohten Arten. Laut einer britischen Meta-Studie aus 2013 sind über 80 % der Tiere in Zoos nicht auf der Roten Liste bedrohter Arten. Nur ein sehr kleiner Teil von Nachzuchten wird jemals ausgewildert.

 

Statt Wildtiere zur Unterhaltung von Menschen gefangen zu halten, sollten Schutzmaßnahmen direkt in den natürlichen Lebensräumen der Tiere unterstützt werden.  – Dr. Yvonne Würz

 

Aber Wildtiertourismus kann auch positiv sein

Giraffe in der Wildniss und ein Safari Jeep mit Touristein
Eine Safari sollte die Begegnung mit Wildtieren dem Zufall überlassen und nicht inzenieren. ©Rob Schultz | Stock.Adobe.com

 

GTB: Auf unserem Blog empfehlen wir Tierbeobachtungen möglichst im natürlichen Lebensraum – etwa beim Birdwatching, auf einer Safari oder beim Whale Watching. Würdest du das grundsätzlich unterstützen oder gibt es auch hier kritische Punkte?

Yvonne: Grundsätzlich kann ethisch vertretbarer Wildtiertourismus dazu beitragen, Tiere und ihre Lebensräume zu schützen. Voraussetzung ist jedoch, dass die Tiere dabei nicht gestört, verfolgt oder in ihrem Verhalten beeinflusst werden. Leider gibt es auch Angebote, die diese Kriterien nicht erfüllen.

 

GTB: Woran erkenne ich eine tierfreundliche Safari oder Whale-Watching-Tour?

Yvonne: Die Bedürfnisse der Tiere sollten immer Vorrang haben. Daher sollte man sich im Vorfeld ganz genau erkundigen, wie derartige Tierbeobachtungen durchgeführt werden, ob klare Regeln zum Schutz der Tiere eingehalten werden.

 

GTB: Kannst du das noch etwas genauer beschreiben, worauf ich achten sollte, bevor ich eine solche Tour buche?

Yvonne: Werden Tiere bei Safaris oder Whale-Watching-Touren angefüttert, von Booten verfolgt oder von größeren Besuchergruppen bedrängt, kann das erheblichen Stress für die Tiere verursachen. Die Veranstalter*innen sollten auf keinen Fall Tierbegegnungen garantieren oder inszenieren. Es sollte Abstand gewahrt werden und die Tour sollte allein der Beobachtung dienen. Ohne Interaktion. Ich rate dazu, im Vorfeld zu recherchieren, über welche Erfahrungen Urlauber*innen in Bewertungsforen berichten.

Epischer Blick auf einen Buckelwal, der sich während einer Walbeobachtung mit Touristen aus dem Wasser wirft, umgeben von einem aufgewühlten blauen Meer und einem wunderschönen Himmel, in Sainte-Marie, Madagaskar
Beim Whale Watching auf die Anbieter achten | ©Cetamadaasso – stock.adobe.com

 

 


PETA bewertet 5 „Tier-Attraktionen“ in der Nähe von Green Pearls® Unterkünften

GTB: Es gibt einige „Tier-Attraktionen“ in der Nähe unserer Green Pearls® Partner. Könntest du hier zum ein oder anderen eine Einschätzung geben?

Yvonne: Gerne.

 

#1 Elefant Sanctuary im Nationalpark Yok Don, Vietnam

Ein männlicher asiatischer Elefant genießt ein Bad ungestört von Menschen: So sieht Tierschutz auf Reisen in einem Elephant Sanctuary aus
Ein asiatischer Elefant badet allein – Baden mit Tourist*innen sollte laut PETA verboten werden. | ©chamnan phanthong – stock.adobe.com

 

GTB: In Vietnam, wo sich unser Partner, das Luxusresort The Anam Cam Ranh befindet, gibt es den Nationalpark Yok Don, der selbst angibt, dass er Elefanten früher in Ketten hielt, und sie jetzt frei herumlaufen lässt.

 

Bewertung von PETA

Positiv: Erfreulich ist zunächst, dass der Nationalpark das frühere Elefantenreiten nach eigenen Angaben beendet hat und Füttern, Baden, Fotoshootings sowie andere direkte Interaktionen mit den Tieren nicht mehr erlaubt. Das ist ein wichtiger Schritt weg von der offensichtlichen Ausbeutung von Elefanten für touristische Zwecke.

Negativ: Aus Tierschutzsicht bleiben einige Fragen offen. Der Park beschreibt die Tiere zwar als frei umherstreifend, doch es wird kaum erläutert, wie unabhängig die Elefanten tatsächlich leben, wie ihre Lebensumstände oder Haltungsbedingungen aussehen und in welchem Umfang sie weiterhin von Menschen kontrolliert werden. Auf der Website macht es den Eindruck, dass die Elefantentouren weiterhin von Mahouts („Elefantenführer“) begleitet werden. Wünschenswert wäre, dass transparent nachvollziehbar gezeigt wird, wie die Tiere leben, welche Rolle die Mahouts spielen und ob die Bedürfnisse der Tiere tatsächlich konsequent über die Interessen des Tourismus gestellt werden.

 

#2 Tiger Tops Safari Anbieter, Nepal

In Nepal kann man auf einer nachhaltigen Safari Nashörner sehen
Auf einer Safari in Nepal sieht man bedrohte Tiere wie das Nashorn. Doch solltest du die Anbieter genau prüfen. ©Natalia_Maroz | Stock.Adobe.com

 

GTB: Tiger Tops ist einer der Anbieter, die Safaris für Gäste des The Pavilions Himalayas – The Farm anbieten. Tiger Tops arbeitet eng mit der International Trust for Nature Conservation (ITNC) zusammen und unterstützt seit Jahrzehnten Schutzprojekte wie das „Longterm Tiger Monitoring Project“ oder das erste Gangesgavial-Zuchtprogramm Nepals.

 

Bewertung von PETA

Positiv: Gut ist, dass Tiger Tops seit 2015 keine „Elefanten-Safaris“ mehr anbietet, bei denen Tourist:innen auf den Tieren reiten konnten.

Negativ: Die weiterhin angebotenen „Elephant Experiences“ scheinen aus Tierschutzsicht jedoch sehr kritisch. Dabei werden Begegnungen und „Spaziergänge“ mit den Tieren weiterhin als touristisches Erlebnis vermarktet. Laut Anbieter verbringen Gäste Zeit mit den Mahouts („Elefantenführer“) und Elefanten im Dschungel; zudem deuten die Bilder auf der Homepage darauf hin, dass die Tiere von den „Führern“ offenbar weiterhin geritten werden. Auch der Einsatz des tierquälerischen Elefantenhakens sei lediglich „minimiert“ worden, nicht beendet.

 

#3: Wildpferde in Mittelfranken

Przewalski Wildpferde auf der Wiese
Przewalski Pferde | BILD: Pixabay

 

GTB: Direkt in der Nähe des Hotel Luise in Erlangen, kann man auf Führungen Wildpferde beobachten, und zwar beim Landschaftspflegeverband Tennenlohe.

 

Bewertung von PETA

Positiv: Positiv ist, dass die Besucher*innen die Pferde überwiegend auf Distanz erleben.

Negativ: Zunächst ist zu hinterfragen, warum mit Przewalski-Pferden hier eine Tierart als „Landschaftspfleger“ eingesetzt wird, dessen ursprünglicher Lebensraum in den asiatischen Steppen liegt und nicht in Deutschland. Die Tiere werden also letztlich im Rahmen eines von Menschen geschaffenen Projekts genutzt. Grundsätzlich sollten Wildtiere nicht für touristische Zwecke oder Landschaftsmanagement instrumentalisiert werden.

Die derzeit eingesetzten Przewalski-Hengste stammen laut Angaben auf der Homepage außerdem aus dem Tiergarten Nürnberg – einem Zoo, der eines der letzten beiden Delfinarien in Deutschland betreibt und der immer wieder wegen seines rücksichtslosen Umgangs mit fühlenden Lebewesen negativ auffällt.

 

#4 Wildgehege im Dobeltal im Schwarzwald

GTB: Und wie bewertest du das Wildgehege im Dobeltal in Bad Herrenalb direkt in der Nähe des SCHWARZWALD PANORAMA? Dort kann man Rehe und Hirsche beobachten.

 

Bewertung von PETA

Grundsätzlich vertritt PETA die Auffassung, dass Tiere nicht für ein Freizeiterlebnis von Menschen eingesperrt werden sollten. Wer heimische Wildtiere erleben möchte, sollte auf Beobachtungen in freier Natur setzen. Wildparks sind nicht „tierfreundlicher“ als andere zoologische Einrichtungen.

 

#5 Wolfcenter Dörverden

Wölfe heulen im Rudel - wildtiere im deutschen Wald
©alexvirid | Stock.Adobe.com

 

GTB: In der Nähe des familiengeführten Hotels Okelmann’s in Warpe in Niedersachsen gibt es das Wolfcenter Dörverden, ein beliebtes Ausflugsziel für Familien.

 

Bewertung von PETA

Positiv: Positiv bewerten wir die angeschlossene Wolfsauffangstation, in der wildlebende Wölfe rehabilitiert und nach Möglichkeit wieder ausgewildert werden. Besonders wichtig ist dabei, dass die Tiere möglichst ohne direkten Menschenkontakt untergebracht werden, um ihre Rückkehr in die Natur nicht zu gefährden. Auch die Botschaft, dass ein Zusammenleben von Menschen und Wölfen in Deutschland möglich ist, unterstützen wir ausdrücklich.

 

Negativ: Kritisch sehen wir dagegen den eigentlichen Zoobetrieb mit mehreren Wolfsgehegen, in denen verschiedene Wolfsunterarten präsentiert werden. Dabei stellt sich die Frage, woher diese Tiere stammen und ob sie eigens für die Haltung und Präsentation gezüchtet wurden. Aus unserer Sicht wäre es sinnvoller, nicht auswilderungsfähige Wölfe ebenfalls im Sinne einer Auffangstation aufzunehmen und dauerhaft zu versorgen, statt Tiere rein zur Zurschaustellung „anzuschaffen“ und einzusperren. Hinzu kommen Angebote wie Schaufütterungen, ein Streichelzoo und Alpaka-Wanderungen, die den Charakter einer Freizeit- und Unterhaltungsattraktion stärken. Zwar gibt es Bildungsangebote, insgesamt scheint jedoch das Besuchserlebnis stärker im Vordergrund zu stehen als der Schutz der Tiere.


 

 

“Tierleid wird zum Teil als Freiwilligenerlebnis inszeniert“

GTB: Viele unserer Leser*innen  möchten „etwas Gutes tun“ und sich beispielsweise in Volunteer-Angeboten in Wildlife-Resorts oder Auffangstationen engagieren. Wie bewertest du solche Programme?

Yvonne: Der Wunsch zu helfen ist grundsätzlich positiv. Leider vermarkten manche Einrichtungen Tierleid gezielt als Freiwilligenerlebnis. Deshalb sollten Reisende auch bei Volunteer-Angeboten sehr kritisch hinschauen.

 

Seriöse Auffangstationen erkennen

Seriöse Auffangstationen nehmen verletzte, beschlagnahmte oder verwaiste Tiere auf, ermöglichen ihnen ein möglichst artgerechtes Leben und bereiten sie (wenn möglich) auf eine Auswilderung vor.

Problematisch wird es, wenn Freiwillige direkten bzw. unangemessenen Kontakt zu Wildtieren haben, Tierbabys füttern, mit ihnen Fotos machen oder Tiere für touristische Aktivitäten eingesetzt werden.

 

Es gilt wieder: Wenn das Erlebnis der Besucher:innen wichtiger erscheint als die Bedürfnisse der Tiere, dient das Projekt meist eher dem Tourismus als dem Tierschutz. – Dr. Yvonne Würz

 

The green sea turtle (Chelonia mydas) is the second largest turtle species and the largest of the armored sea turtles.
Tauchen mit der Grünen Meeresschildkröte auf den Galapagos Inseln während eines Volonteer-Programms ©Fernanda Sánchez

 

GTB: Auffangstation, Sanctuary, Rescue Center oder Wildlife Park – viele Einrichtungen verwenden ähnliche Begriffe und sie alle klingen nach Tierschutz. Wie sollen Reisende da überhaupt wissen, ob eine Organisation tatsächlich im Sinne des Tierwohls arbeitet?

Yvonne: Bezeichnungen wie „Sanctuary“ oder „Auffangstation“ sind leider nicht reguliert und werden dem Namen der Einrichtungen oft hinzugefügt, um sie für Tourist*innen attraktiver zu machen. Die wichtigste Regel lautet daher: Nicht auf den Namen, sondern auf die tatsächliche Arbeit der Einrichtung achten.

Seriöse Auffangstationen unterbinden beispielsweise Nachzuchten, weil das begrenzte Platzangebot für Tiere in Not benötigt wird. Außerdem bieten sie mit den Tieren in ihrer Obhut auch keine Interaktionen, Fotomöglichkeiten oder Fütterungen an. Stattdessen leben die Tiere in möglichst naturnahen, großzügigen Bereichen mit Rückzugsmöglichkeiten.

 

Tipps zu Wildtierauffangstationen

Transparenz über Herkunft, Haltung und Zukunft der Tiere ist ebenfalls ein wichtiges Merkmal. Auch hier ist es wichtig, vor einem Besuch zu recherchieren, um fragwürdige Einrichtungen zu erkennen. Auf https://www.peta.de/themen/wildtierauffangstationen/ haben wir Tipps hierfür zusammengestellt.

 

Gibbon Vietnam
Gibbon in Vietnam BILD: Pexels

GTB: Zuletzt interessiert uns noch, was wir als Reisende tun können, wenn wir im Urlaub beobachten, dass Tiere schlecht gehalten oder für Touristen ausgebeutet werden – sollte man das melden? Und wenn ja: an wen kann ich mich wenden?

Yvonne: Unbedingt! Wenn Reisende Zeuge von Tierschutzmissständen werden, sollten sie ihre Beobachtungen möglichst per Foto oder Video dokumentieren, sofern dies gefahrlos möglich ist. Anschließend sollten lokale Tierschutzorganisationen, zuständige Behörden oder Veterinärämter informiert werden. Darüber hinaus sollte man den entsprechenden Reiseveranstalter oder Touranbieter kontaktieren, auf das Leid der Tiere aufmerksam machen und appellieren, Unternehmungen mit Tieren aus dem Programm zu streichen.

 

Jede Meldung kann dazu beitragen, auf Missstände aufmerksam zu machen und langfristig Veränderungen anzustoßen. – Dr. Yvonne Würz

 

 

GTB: Danke, dass du das noch mal so deutlich sagst! Kann man auch von zu Hause aus etwas tun?

Yvonne: Natürlich, auch für Daheimgebliebene gibt es eine wichtige Regel: tierquälerischen Urlaubsattraktionen sollte man in den sozialen Medien keine Reichweite durch das Ansehen oder Teilen der Videos bescheren.

 

GTB: Studien zeigen ja auch, dass allein das Kommentieren und Teilen von Bildern, Algorithmus und Popularität nach oben treiben, selbst wenn man dazu einen negativen oder kritischen Kommentar schreibt.

Yvonne: So ist es! Die Tourismusbranche muss sich konsequent von Geschäftsmodellen verabschieden, die auf der Ausbeutung von Tieren basieren. Tiere sind keine Transportmittel, Fotorequisiten oder Showobjekte, sondern Lebewesen mit Gefühlen und Charakter.

 

GTB: Ich danke dir für das Gespräch!

 


Zur Person: Dr. Yvonne Würz ist promovierte Biologin und seit 2017 Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA Deutschland. Als Expertin für Wildtiere und Verhaltensbiologie klärt sie über den Tiermissbrauch in Zoos, Zirkussen, Tourismus-„Attraktionen“ und den ethischen Problemen der Tierhaltung in Gefangenschaft auf.

PETA Deutschland wurde Ende 1993 gegründet und ist landesweit die größte Tierschutzorganisation, die sich für die Rechte der Tiere einsetzt. PETAs Partnerorganisationen werden von mehr als 10,4 Millionen Menschen in aller Welt unterstützt. Weitere Partnerorganisationen sind in Asien, Australien, Frankreich, Großbritannien, Indien, den Niederlanden, der Schweiz und den USA tätig.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten.

 


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