Warum klimaneutral nicht gleich Klimaschutz ist | Green Travel Blog

Warum „klimaneutral“ nicht automatisch umfassenden Klimaschutz bedeutet

Warum „klimaneutral“ nicht automatisch umfassenden Klimaschutz bedeutet
©Birgit Reitz-Hofmann - stock.adobe.com

Der Klimawandel ist längst Realität. Viele Folgen sind bereits heute sichtbar. Umso wichtiger ist es, Emissionen zu reduzieren und verantwortungsvoller mit Ressourcen umzugehen. Dafür müssen sowohl Einzelpersonen als auch Unternehmen und politische Akteure Verantwortung übernehmen und Emissionen reduzieren.

 

Alles ist plötzlich klimaneutral

Was vor ein paar Jahren das Wort „nachhaltig“ war, ist heute „klimaneutral“. Die zunehmende Verwendung des Begriffs bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Unternehmen umfassende Klimaschutzmaßnahmen umsetzen oder ihre Emissionen konsequent reduzieren. Produkte mit Klimaversprechen lassen sich häufig leichter vermarkten weil wir als Verbraucher*innen sensibler werden, was das Klima angeht, und versuchen, unseren Teil zum Klimaschutz beizutragen. Und da wir auf Zahncreme nun einmal kaum verzichten können,  greifen viele Menschen eher zur als „klimaneutral“ beworbenen Variante.

 

Warum ist klimaneutral nicht unbedingt nachhaltig und umweltfreundlich?

Der Begriff „klimaneutral“ bedeutet nicht automatisch, dass ein Unternehmen nachhaltig oder besonders ressourcenschonend wirtschaftet. Der Begriff allein sagt noch nichts darüber aus, welche konkreten Maßnahmen zur Emissionsreduktion tatsächlich umgesetzt wurden.

Platt ausgedrückt: In der Praxis beruhen viele Klimaversprechen auf Kompensationsmaßnahmen — etwa Aufforstungs- oder Energieprojekten — und nicht ausschließlich auf tatsächlicher Emissionsreduktion.

 

Klimaversprechen prüfen: Worauf Verbraucher*innen achten können

Natürlich gibt es auch Hersteller, Produzenten und Dienstleister*innen (und natürlich Hotels), die versuchen, Emissionen konkret zu reduzieren und Umweltmaßnahmen langfristig in ihre Unternehmensstrategie zu integrieren. Das heißt, dabei stehen nicht ausschließlich Kompensationsmaßnahmen oder externe Klimaprojekte im Vordergrund.

Ein Beispiel für gelungenen Klimaschutz ist zum Beispiel das Creativhotel Luise in der bayrischen Stadt Erlangen. Bevor irgendwelche Bäume gepflanzt werden, schauen Hotelchef Ben Förtsch und sein Team, wo sie bei sich Emissionen einsparen können. Dafür wird jährlich der CO2-Fußabdruck des Hotels ermittelt und geschaut, wo Einsparungspotenzial ist. So hat das Hotel beispielsweise eine eigene Photovoltaikanlage für die Stromversorgung. Laut Hotel wird zusätzlicher Strombedarf über Wasserkraft gedeckt.

Wie auch das Creativhotel ist das Naturresort Schindelbruch mit dem Viabono-Umweltsiegel ausgezeichnet. Viabono ist ein unabhängiges Gütesiegel fHotels mit Fokus auf Umwelt-, Klima- und Ressourcenschutz.  Auch ermittelt das Naturresort als Klima-Hotel-Partner jährlich seinen CO2-Fußabdruck – erzielt laut eigenen Angaben regelmäßig sehr gute Ergebnisse bei der CO₂-Bilanzierung. Das geht nur, wenn die eigenen Emissionen soweit es geht reduziert wurden, zum Beispiel durch die Nutzung erneuerbarer Energien (Photovoltaik, Geothermie, Wasserkraft), aber zum Beispiel auch durch Wärmerückgewinnung, Energiesparleuchten und eine effiziente Wärmedämmung.

Luftaufnahme vom Naturresort Schindelbruch im Harz
©Naturresort Schindelbruch

 

Erst reduzieren, dann kompensieren

Vollständig emissionsfrei zu leben oder zu wirtschaften ist derzeit in vielen Bereichen kaum möglich. Es gibt unvermeidbare Emissionen in so gut wie allen Bereichen unseres Lebens, die man nicht wegreduzieren kann. AErst an diesem Punkt kommen Kompensationsmaßnahmen — etwa Aufforstungsprojekte — ins Spiel. Also erst, nachdem alles Mögliche dafür getan wird, die eigenen Emissionen soweit es geht zu verringern. Dann stellt sich auch die Frage nicht, ob die Kompensation von Emissionen eine Art symbolischer Ausgleich zur Gewissensberuhigung

 

Wie kann man Emissionen kompensieren?

Wahrscheinlich habt ihr auch schon mal von Organisationen wie Atmosfair und ClimatePartner gehört. Gerade in Bezug auf Flugreisen bzw. die Kompensation dieser, werden diese oft genannt, da auch Privatleute einen Teil ihrer reisebedingten Emissionen kompensieren können

 

Das Thema Fliegen und die damit verbundene Diskussion ob, und wenn ja, wohin, wie lange, etc. wollen wir in diesem Artikel nicht aufgreifen. Falls du aber mehr darüber wissen willst, dann schau dir am besten diesen Blogartikel an, wo wir uns die soziökonomischen Auswirkungen des Flug-Tourismus‘ angeschaut haben.

 

Emissionen kann man auf verschiedene Arten kompensieren. Am bekanntesten ist vermutlich das Bäume pflanzen. Darüber hinaus gibt es aber auch die Möglichkeit, dass das Geld, das du zum Kompensieren ausgibst, in Projekte zum Ausbau erneuerbarer Energien gesteckt wird. Das Berghotel Rehlegg kompensiert einen Teil seiner Emissionen zum Beispiel durch den Aufbau von Hummus (also die Speicherung von CO2 im Boden). Das hat gleich den doppelten Effekt, dass damit landwirtschaftlich ausgelaugte Böden wieder nutzbar gemacht werden.

 

Wie sinnvoll ist Bäume pflanzen zur CO2-Kompensation?

Alle drei vorgestellten Hotels kompensieren nach eigenen Angaben einen Teil ihrer Emissionen über Waldprojekte. So wird dort der Regenwald geschützt und ausgeweitet. Dies ist ein Gold-Standard-Projekt der Klima-Hotels, einem Zusammenschluss von Hotels, die sich aktiv für den Klimaschutz einsetzen. Das Creativhotel Luise und das Naturresort Schindelbruch lassen sogar mehr Bäume pflanzen, als sie eigentlich müssten und kommunizieren laut eigener Berechnung eine positive Klimabilanz.

Aber sind Bäume die sinnvollste Methode für einen CO2-Ausgleich? Im ersten Moment scheint es beinahe so. Die langfristige CO₂-Speicherung hängt davon ab, dass die Wälder dauerhaft erhalten bleiben und gesund wachsen. Das heißt, wenn Bäume gepflanzt werden brauchen sie in den ersten Jahren Pflege, um anzuwachsen und zu gedeihen. Geht der Baum ein, fällt auch der erwartete Klimaeffekt geringer aus,  wenn er nicht ausgetauscht wird. Weiterhin wird im Falle eines Waldbrands zum Beispiel, das gespeicherte CO2 wieder freigesetzt.Bäume pflanzen als Klimamaßnahme bleibt daher ein komplexes Thema.

Bäume pflanzen als Klimamaßnahme bleibt daher ein komplexes Thema.. In Panama hat das aber über den Klimaschutz hinaus auch die Funktion, Arbeitsplätze und Bildungsmöglichkeiten für die einheimische Bevölkerung zu schaffen, zum Erhalt des Regenwaldes beizutragen und Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu fördern.

Regenwald im Khao-Sok-Nationalpark in Thailand | Klimaneutral reisen
Symbolbild: Regenwald im Khao-Sok-Nationalpark in Thailand | DigiHand – stock.adobe.com

 

Informiert euch!

Klimaneutral ist ein Wort, das oft mehr verspricht als es ist. Nicht überall, wo es draufsteht, ist Klimaschutz drin. Schaut euch also das Produkt genau an, recherchiert über das Unternehmen und seht nach, wie es sich wirklich für den Klimaschutz einsetzt und ob das Produkt auch in anderen Punkten (Recyclefähigkeit, faire Produktion) überzeug. Siegel und Label wie Viabono oder auch Green Pearls® helfen euch dabei. Bei Green Pearls® findet ihr außerdem die Schutzmaßnahmen unserer Partner fein säuberlich auf der jeweiligen Microsite aufgelistet. So habt ihr alles auf einen Blick 😉

 


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Klimaneutral wird vieles genannt. Aber reicht es aus, bäume zu pflanzen um das Klima zu retten?

Aktiver Klimaschutz im Creativhotel Luise und Naturresort Schindelbruch


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