In meiner Vorstellung war Südtirol immer so etwas wie eine kulinarische Brücke – irgendwo zwischen Knödel und Pasta, zwischen Österreich und Italien. Doch als ich dieses Bild mit dem Südtiroler Küchenchef Matthias Hinteregger teilte, reagierte er fast ein wenig entrüstet. „Für mich ist Südtirol nicht nur eine Brücke, sondern ein eigener Kosmos“, betont er. „Die Küche lebt von Kontrasten: bäuerlich und raffiniert, herzhaft und leicht, mediterran und alpin.“ Eine spannende Reise und überraschende „Must Eats“ – auch für mich.
Dies ist der neunte Teil unserer Serie Kulinarische Reise – jeden Monat gibt es eine neue Destination
Südtiroler Küche: Tradition mit Raffinesse
Wer sich fragt, wofür die Südtiroler Küche berühmt ist, bekommt von Matthias eine klare Antwort: „Südtirol ist ein kulinarisches Spannungsfeld mit viel Harmonie.“ Typische Zutaten sind der würzige Graukäse, frische Äpfel in allen Variationen, Speck und die Kombination von säuerlichen Preiselbeeren mit kräftigen Fleischgerichten.
Kulinarik-Ereignis des Jahres: Törggelen

Ein besonderes Erlebnis in Brixen und im Eisacktal ist das Törggelen: Im Herbst wandern die Menschen durch die Weinberge, um danach gemeinsam Speck, Surfleisch, Kraut, Kastanien und den jungen Wein zu genießen. Diese Tradition gehört zu den authentischsten kulinarischen Erlebnissen in Südtirol und bringt dich nicht nur in Berührung mit dem Essen, sondern auch ins Gespräch mit den Einheimischen. Erfahre mehr darüber in unserem Artikel mit 9 Gründen zum Törggelen.
Meet Matthias Hinteregger, Küchenchef des nachhaltigen Baumhotels My Arbor

Matthias Hinteregger ist Küchenchef im Restaurant My Arbor oberhalb von Brixen und kommt selbst aus der Region. Sein Arbeitsweg ist gerade einmal 20 Minuten lang. Mit seiner Koch-Philosophie möchte er Geschichten auf den Teller bringen: „Meine Küche soll im besten Sinne verwurzelt und zugleich überraschend sein. Ich liebe es, regionale Zutaten in neue Kontexte zu setzen.“ Für ihn zählt dabei nicht nur der Geschmack, sondern auch die „Seele eines Gerichts“.
In dem hauseigenen Restaurant des Green PearlsⓇ Hotels My Arbor genießt du als Gast täglich ein flexibles 7-Gänge-Menü, das im Rahmen der Halbpension inbegriffen ist. Wer nicht im Hotel wohnt, kann ebenfalls im Restaurant speisen – allerdings nur nach vorheriger Reservierung.
Matthias‘ 5 Must Eats in Südtirol
Welche typischen Gerichte du in Südtirol unbedingt probieren solltest, hat Matthias für uns zusammengestellt. Seine fünf Empfehlungen geben einen perfekten Einblick in die regionale Esskultur:
#1 Schlutzkrapfen mit Butter und Parmesan

Halbmondförmige Teigtaschen, gefüllt mit Spinat und Topfen, serviert mit zerlassener Butter und Parmesan. Ein Klassiker, der bäuerliche Küche mit feiner Raffinesse verbindet. Übrigens: immer öfter findest du diese Spezialität auch in einer veganen Variante!
#2 Speckknödel mit Krautsalat oder Rindsgulasch
Die deftigen Knödel sind tief in der Tradition Südtirols verwurzelt und werden entweder mit frischem Krautsalat oder in kräftiger Sauce serviert.
#3 Apfelstrudel mit Vanillesauce

Südtirol ohne Apfelstrudel ist kaum vorstellbar. Der Mix aus knusprigem Teig, saftigen Äpfeln und Zimt, begleitet von cremiger Vanillesauce, gehört zu den süßen Klassikern, die auf keiner Südtirol-Reise fehlen sollten.
#4 Brettlmarende

Diese traditionelle Jause besteht aus Speck, Kaminwurzen (würzige Südtiroler Wurst aus Rind- oder Schweinefleisch), Käse und Schüttelbrot (hartes, knuspriges Fladenbrot). Perfekt nach einer Wanderung oder beim Törggelen in den Weinbergen.
#5 Tirtln
Die frittierten Teigtaschen sind meist süß gefüllt mit Topfen (Quark), Marmelade oder Mohn. Es gibt sie aber auch herzhaft mit Spinat oder Sauerkraut. Ein bäuerliches Gericht, das heute als kulinarische Spezialität wiederentdeckt wird.
Nachhaltigkeit in der Küche des My Arbor
Nachhaltigkeit ist für Matthias kein Trend, sondern fester Bestandteil des Alltags. Viele Produkte stammen von kleinen Bauernhöfen der Region oder aus der eigenen Landwirtschaft.
Gelebtes Farm-to-Table Konzept

Das nachhaltige Baumhotel My Arbor betreibt eine hoteleigene Landwirtschaft am Gardasee: Auf rund 20 Hektar werden in Permakultur Gemüse, Obst und Kräuter angebaut, die frisch in der Küche verarbeitet werden. Auf dem Gelände leben auch über 250 Hühner in einem großen “5 Sterne Freiland-Hühnerstall”.
Kräuter, Obst und Gemüse werden frisch verarbeitet oder so haltbar gemacht, dass sie ganzjährig auf den Teller kommen. Gleichzeitig berücksichtigt er die Wünsche internationaler Gäste: „Die Herausforderung ist es, eine Küche zu schaffen, die bodenständig und nachhaltig ist, aber auch weltoffen und genussvoll bleibt.“
Seine Inspiration bezieht er unter anderem von Norbert Niederkoflers Konzept “Cook the Mountain”, das weltweit Beachtung fand. „Es hat das Bewusstsein geschärft, wie viel Qualität in regionalen Produkten steckt – gerade wenn man sie neu denkt“, erklärt Matthias.
Fazit: Nachhaltigkeit als Essenz der Südtiroler Küche
Die Südtiroler Küche ist heute nicht nur für ihre Kontraste zwischen alpin und mediterran bekannt. Sondern auch für ihre konsequente Hinwendung zu mehr Nachhaltigkeit und den regionalen Produkten. Restaurants wie das My Arbor zeigen, dass Fine Dining nicht von Kaviar oder Ananas lebt. Sondern auch von Heu, Wildblumen und Produkten, die direkt vor der Haustür wachsen.
Als Tourist*in profitierst du davon doppelt: EineDu erlebst Gerichte, die tief in der Landschaft verwurzelt sind und entdeckst zudem du überraschende Aromen, die du in dieser Form nur in Südtirol findest.
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