Im Kristallgarten vom Gut Guntrams begegnen dir an die drei Dutzend große Exponate. Es gibt einen 5,40 Meter hohen Amethyst aus Uruguay, eine 1,40 Meter hohe Bergkristallspitze aus Simbabwe, mächtige Rosenquarze (sowohl als Rohstein als auch als geschliffene Kugel), Fuchsite, versteinertes Holz und auch einen großen versteinerten Ammoniten. Ergänzt wird die Ausstellung mit einer Vitrine in der Orangerie. Hier sind rund sechzig Versteinerungen aus aller Welt zu sehen. All diese Schätze hat Stefan M. Gergely gesammelt.

Interview mit Sammler Stefan M. Gergely

Stefan M. Gergely ist Wissenschaftsjournalist, Sachbuchautor und Unternehmer. Seit den 1980er-Jahren engagiert er sich für den biologischen Landbau, Natur- und Artenschutz. In der Nähe von Wien, gründete er 2015 Gut Guntrams auf einem Gelände, das er von seiner Mutter geerbt hat. Gut Guntrams ist eine Mischung aus Naturhotel und biologischer Landwirtschaft mit Hofladen, Orangerie, Café und seiner Sammlung.
Green Travel Blog: Ich möchte gleich mit der schwierigsten Frage beginnen: Im Zusammenhang mit Edelsteinen und Mineralien kommen oft Menschenrechte und deren Verletzung zur Sprache. Gibt es bestimmte Siegel oder Strukturen, auf die Sie sich als Sammler verlassen können?
Stefan M. Gergely: Ich denke, da wäre zuerst noch die Vorfrage zu klären, ob der Mensch das Recht hat, Bodenschätze hervorzuholen. Manche würden sagen „die Erde zu plündern“?
GTB: Und was antworten Sie darauf?
SG: Man kann einwenden, dass der Kristall, solange er im Gestein verborgen ist, ja nicht zur Geltung kommt.
GTB: Hierzu fällt mir Dschelal-eddin Rumi ein, der Gott die Aussage (als Grund für die Erschaffung des Menschen) in den Mund legt: „Ich war ein verborgener Schatz und wollte erkannt werden.“
SG: Ja, darüber kann man lange philosophieren! Es ist jedenfalls bemerkenswert, welch wunderschönen Kristalle tief in der Erde verborgen sind.
GTB: Und was wissen Sie über den Abbau der Steine?
SG: Beim Abbau werden Vorschriften oft nicht eingehalten, wird in den Medien oft kritisiert. Wo ich kann, schau ich mir die Fundstelle oder das Bergwerk an, wenn das nicht geht, frage ich Spezialisten, die sich auskennen, wie es dort zugeht. Doch die Transparenz lässt, soweit ich das beurteilen kann, zu wünschen übrig. Geschäftsleute aus Asien, viele aus China, kaufen in den letzten Jahren wie verrückt Kristalle ein, unter welchen Bedingungen die Mineralien geborgen wurden, dürfte ihnen egal sein.
Pyrit-Abbau in Spanien
GTB: Kaufen Sie die Exponate denn direkt vor Ort? Ich dachte, die meisten Sammler schlendern im Anzug über die Mineralien-Messe in München.
SG: Wenn möglich, schau ich mir Fundstellen gerne vor Ort an, zuletzt spezielle Pyrite im spanischen Rioja. Die werden dort im Tagebau abgebaut. Aber tief im Bergwerk bin ich noch nie gewesen, das ist mir unheimlich. Die Messen in München, Elsass und in Tucson in Arizona sind aber auch interessant, weil man sich dort ein Netzwerk aufbauen kann.
GTB: Haben Sie auch selbst schon Kristalle oder Fossilien gesucht (und gefunden)?
SG: Ja, Pyrite auf Elba und Bergkristalle im Engadin! Ich habe bereits im Volksschulalter begonnen, Kristalle zu sammeln. Fossilien kamen erst viel später in den Fokus.

„Fossilien sind ein mahnendes Beispiel für die Menschheit“
GTB: Fossilien und versteinertes Holz erzählen uns ja Geschichten von vor Dutzenden bis hunderten Millionen Jahren – was finden Sie dabei besonders spannend?
SG: Fossilien sind für mich Zeitzeugen vergangener Katastrophen. Da findet man riesige versteinerte Ammoniten, die im Zuge eines Meteoriteneinschlags oder verheerender Vulkanausbrüche (aus-)gestorben sind, das ist nicht nur faszinierend, sondern zugleich ein mahnendes Beispiel für die Menschen heute, die im sogenannten Anthropozän das Verschwinden zahlreicher Arten zu verantworten haben.
„Bis wann werden wir den Raubbau an der Natur stoppen?“
GTB: Es gibt Geologen, die vorschlagen, das Zeitalter des Anthropozäns (also die menschliche Epoche) nicht auf den Anfang der Menschheit, sondern auf den Beginn der Industrialisierung zu legen. Seit rund 200 Jahren ist der Mensch ja maßgeblich für Artensterben, Erderwärmung und weitere Katastrophen verantwortlich.
SG: Die Anthropocene Working Group (AWG) wiederum schlägt das Jahr 1950 vor (das wäre, nebenbei gesagt, mein Geburtsjahr). Aus meiner Sicht ist es aber nicht so wichtig, wann das Anthropozän begonnen hat, entscheidend ist vielmehr, bis wann wir den Raubbau an der Natur und den Verlust der Biodiversität gestoppt haben. In diesem Sinne hoffe ich, dass die Besucher beim Betrachten meiner Schaustücke nachdenklich werden.

GTB: Welches Exponat ihrer Sammlung bekommt von den Gästen die meiste Aufmerksamkeit?
SG: Der große Amethyst wohl, aber auch der leuchtend farbige Labradorit ist ein beliebtes Fotomotiv für Gäste geworden.
GTB: Mich persönlich interessiert ja auch der Meteorit, der beim Café-Restaurant Veranda aufgestellt ist. Unterscheidet sich der Stein aus dem Weltall vom Gestein unserer Erde?
SG: Ja natürlich! Der Meteorit in der Veranda wurde im Süden von Argentinien gefunden. Dort findet man Einschläge aus dem Asteroidengürtel. Die Meteoriten von dort bestehen aus Eisen und Nickel, deshalb sind sie so schwer und anders als die Steine unserer Erde.
GTB: Eine letzte Frage: Bieten Sie persönlich auch Führungen an?
SG: Führungen (für Gruppen) mache ich im privaten Kreis gerne.
GTB: Vielen Dank für das Gespräch!
Service-Info: Der Kristallgarten ist freitags, samstags und sonntags von 8:30 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 5 Euro pro Person und geht an das Naturmuseum Arche Guntrams, das sich für den Artenschutz einsetzt. Mehr Informationen findest du auf der Artenschutz-Webseite.
Informationen zum Urlaub auf Gut Guntrams (in „Schwebenden Gartenlofts“ über seltenen Apfelbäumen) findest du auf der Green PearlsⓇ-Microsite.




