Weihnachten ohne Weihnachtsbaum? Für die meisten von uns unvorstellbar. Aber wie kann man einen Tannenbaum heute noch mit seinem ökologischen Gewissen vereinbaren und welche Alternativen gibt es? Wir haben uns für euch auf die Suche nach Antworten gemacht.
Baum an Baum – Weihnachtsbäume aus Plantagen
Auf den Plantagen wachsen die Bäume in Monokultur und damit sie möglichst perfekt werden, kommen Pestizide, Herbizide und Dünger zum Einsatz. Schlecht für die Umwelt und auch für uns, denn die Weihnachtsbäume bringen diese Gifte mit in unser Wohnzimmer. Wer seinen Baum regional kauft, spart die langen Transportwege und am besten ist es, wenn der Baum dann auch noch eine ökologische Zertifizierung hat. Außerdem solltet ihr regionale Baumarten wie Kiefer oder Fichte der meist aus Georgien kommenden Nordmanntanne vorziehen. Beim Online-Magazin Lili Green könnt ihr übrigens nachlesen, auf welche Siegel ihr achten solltet. Aber: Auch ein regionaler und ökologischer Tannenbaum muss 5-10 Jahre wachsen, bevor er dann für einige Wochen bei uns einzieht und danach auf dem Müll landet.
Tipps zu Öko-Weihnachtsbäumen und Verkaufsstellen findet ihr bei Robin Wood.
„Lebendiger“ Weihnachtsbaum
Für viele ist der Weihnachtsbaum im Topf eine Alternative. Meist kleiner, kann er aber wenigstens nach den Feiertagen wieder ausgepflanzt werden. Das hat bei uns leider beim letzten Versuch nicht geklappt – der Temperaturschock war wohl zu groß oder vielleicht wurden die Wurzeln des Baumes gekürzt und verletzt, bevor er in den Topf kam, das kommt anscheinende auch immer mal wieder vor. Die Überlebenschancen für den Baum steigen aber, wenn ihr ihn nach Weihnachten, spätestens an Silvester, schon wieder aus der Wohnung verweist und für ein paar Wochen an einen kühlen Ort stellt, zum Beispiel ins Treppenhaus oder in den Keller. Regelmäßig gießen nicht vergessen und im Frühjahr auspflanzen, am besten im eigenen Garten.

In einigen unserer Hotels findet ihr Weihnachtsbäume im Topf, zum Beispiel im Biohotel Sturm und auch im Creativhotel Luise in Erlangen. Damit dieser gut im Creativhotel präsentiert werden kann, wurde eine Vitrine zu einer Art Gewächshaus umgebaut und der Baum steht nun in einem alten Holzschrank auf einem kleinen Tischchen. „Bisher haben wir auf den typischen Weihnachtsschmuck verzichtet, sondern einfach Kristallkugeln an der Decke der Vitrine aufgehängt, die glitzern und an Schnee erinnern. Insgesamt wollten wir einen möglichst natürlichen Look schaffen, der zu unserem nachhaltigen Konzept passt,“ erzählt Laura Gumbmann vom Creativhotel Luise. „Daher war es uns auch wichtig einen lebenden Baum zu verwenden, den man im Garten einpflanzen und vielleicht nächstes Jahr wiederverwenden kann.“
Plastik- statt Tannenbäumen
Ist ein Baum aus Plastik eine Alternative? Nicht wirklich. Theoretisch könnte er das ganze Leben lang jedes Jahr wiederverwendet werden, praktisch macht das aber niemand und die Plastik-Tanne landet zu schnell auf dem Müll. Zudem musste sie aufwändig hergestellt werden und hat einen langen Transportweg hinter sich. Ein echter Baum kann immerhin wieder zu Humus werden, was mit dem Plastikmüll passiert wissen wir ja…
Hidden Beauties gegen den Schönheitswahn der Weihnachtsbäume
Wusstet ihr eigentlich, dass es Jahr für Jahr unzählige Tannen aufgrund angeblich Fehler und objektiver Kriterien nicht in den regulären Handel schaffen? Das Berliner Startup Better Foodprint setzt sich gegen den Schönheitswahn bei Weihnachtsbäumen ein und verkauft „Hidden Beauties” – Bäume mit ganz eigenem Charme und Charakter. Letztes Jahr konnten so immerhin schon 300 Stück gerettet werden. „10 bis 25 Prozent der deutschen Nordmanntannen schaffen es aufgrund ihres Aussehens nicht in den Verkauf. Allein für die in Deutschland jedes Jahr zum Weihnachtsfest gekauften Tannen könnte man etwa 10.000 Fußballfelder meist umzäunter Anbaufläche einsparen, wenn sich jede/r Vierte mit einer nicht perfekten Tanne zufriedengäbe. Bei Karotten oder Gurken ist das längst jedem klar,“ erzählt der Gründer von Better Foodprint, Dr. Frederik v. Paepcke.

Das Prinzip ist einfach: Ihr sucht euch online einen Baum aus und er wird zu euch nach Hause geliefert. Wir hatten im letzten Jahr die „ansehnliche Alina“. Natürlich verursacht der Versand CO2. Wir wollten von Frederik wissen, ob das ein Problem ist: „Die Hidden Beauties werden direkt auf einem Hof zu hoffentlich hunderten in einen LKW verladen, der CO2-Fußabdruck beim Transport selbst quer durch Deutschland ist wegen der Skaleneffekte in aller Regel kleiner als eine Fahrt im eigenen Auto zum nächsten Bauern und zurück,“ erzählt der Gründer. „Darüber hinaus gleichen wir die CO2-Emissionen des Transportes aus, indem wir in Klimaschutzprojekte investieren. In Summe wird bei einem Einkauf bei Better Foodprint immer etwa doppelt so viel CO2 kompensiert, wie emittiert wird. Dazu kommt bei den Bäumen, dass wir einen weiteren Baum pflanzen – der dann viel länger wächst als jede Weihnachtstanne.“ Unsere „ansehnliche Alina“ war tatsächlich sehr ansehnlich und zum Aussortieren definitiv zu schade. „Bilanziell, also in Betracht aller positiver und negativer Emissionen, dürften wir mit unserem Konzept in den allermeisten Fällen die mit Abstand nachhaltigste Alternative sein – trotz des Versandes,“ fasst Frederik zusammen.
Wir haben uns dieses Jahr für eine „geteilte Tanne“ entschieden – die nicht umsonst so heißt: „Bäume ab 140 cm zersägen wir vorsichtig an geeigneter Stelle, bohren jeweils 2 kleine Löcher in den Stamm und schicken Euch 2 kleine Holzstäbchen mit, mit denen ihr die Tanne problemlos zusammengesteckt werden kann.“, so die Beschreibung im Onlineshop. Ich bin gespannt 🙂
Mieten statt kaufen
Weihnachtsbäume im Topf könnt ihr je nach Wohnort übrigens auch mieten. In Deutschland geht das z.B. bei Paderbäumchen, Weihnachtsbaumfreunde oder bei Greentree (liefert auch in Wien und Graz). Auch in den USA und in England haben wir viele Anbieter finden können, die Weihnachtsbäume in Töpfen nach dem Fest abholen und für euch einpflanzen, wie LoveAChristmasTree oder Rent a Christmas. Falls jemand Erfahrungen damit hat, würden wir uns sehr über einen Kommentar freuen, da wir es noch nie selbst ausprobiert haben.
Natürlich geht es auch ganz ohne Baum: Mit Washi-Tape könnt ihr einen Baum an der Wand gestalten, ihr könnt ein weißes Bettlaken bemalen, ein alte Holzleiter schmücken oder euch aus Holzlatten oder Ästen einen Baum zusammenschrauben – lasst einfach eurer Fantasie freien Lauf!

Wohin mit dem Baum nach den Weihnachtstagen?
Wenn ihr keinen riesigen Baum hattet, könnt ihr ihn zerkleinert in der Bio-Mülltonne entsorgen oder im Kamin verbrennen. Ansonsten gibt es in jeder Stadt aber auch Sammelstellen – im Wald solltet ihr ihn lieber nicht selbst entsorgen. Chemisch behandelte Weihnachtsbäume verrotten nicht so gut und auch Bio-Tannenbäume brauchen Jahre, bis sie sich vollständig zersetzt haben.
Euer Baum soll nach dem Fest nicht auf dem Müll landen? Bei Geo haben wir viele schöne Ideen für Upcycling-Projekte gefunden, von Badezusätzen mit Fichtennadeln bis Kleiderhaken aus Tannenästen. Fragt doch auch mal den örtlichen Förster oder einen Tierpark, ob sie Interesse an eurem Baum haben. Besonders Wildtiere knabbern gern an Tannen- oder Fichtenzweigen.
Gefällt dir der Artikel? Teile ihn!




Vielen Dank für diesen interessanten Beitrag. Wir überlegen bereits seit Längerem, wie wir Weihnachten etwas nachhaltiger gestalten können. Da ist es gut zu wissen, dass es Tannen aus ökologischem Anbau gibt. Bestimmt eine gute Variante für uns alle.
Hallo Harry, danke für deinen Kommentar! Die nachhaltige Forstwirtschaft ist ein wichtiges Thema für unseren Planeten. Liebe Grüße, Laura
Super geschriebener und informativer Artikel :-). In diesen Blog werde ich mich noch richtig einlesen
Vielen Dank!