Mobilität im Fakten-Check für bewusstes Reisen

Mobilität im Fakten-Check – Die wichtigsten Zahlen für bewusste Reisen

Mobilität im Fakten-Check – Die wichtigsten Zahlen für bewusste Reisen
©Florian Trykowski | Echt Bodensee

Wusstest du, dass vier Personen in einem SUV pro Kopf (unter bestimmten Voraussetzungen) eine ähnliche Klimabilanz erreichen können wie eine einzelne Person im E-Auto? Oder dass eine Fernreise nicht automatisch problematischer ist als mehrere Kurztrips innerhalb Europas? Dies zeigen CO2-Vergleiche. Doch auch die erzählen längst nicht die ganze Geschichte.

 

Auslastung, Aufenthaltsdauer, Verkehrsmittel, Reiseziel und die Bedeutung des Tourismus für die Menschen vor Ort beeinflussen die Gesamtbilanz einer Reise ebenfalls. In diesem Artikel ordnen wir aktuelle Studien und Zahlen ein, räumen mit verbreiteten Missverständnissen auf und zeigen, welche Haltung Green Pearls® zum Thema Mobilität vertritt.

 

Von A nach B: Warum Mobilität im Tourismus so wichtig ist

Grafik mit einem Emissions-Vergleich verschiedener Verkehrsmittel wie Auto, E-Auto, Flugzeug, Kreuzfahrtschiff
©Green Pearls® 2026 (Die Grafik darf mit Quellenangabe gern weiterverwendet werden)

 

Ob Wochenendtrip an die Nordsee oder Fernreise nach Peru – jede Reise beginnt mit der Frage: Wie komme ich dorthin? Diese Entscheidung hat einen maßgeblichen Einfluss auf die Klimabilanz einer Reise. Der Verkehr zählt weltweit zu den größten Verursachern energiebedingter Treibhausgasemissionen. (Nach IPCC-Angaben etwa 23% vom Gesamtkuchen der globalen energiebedingten CO₂-Emissionen.)

Auch im Tourismus spielt die Anreise eine zentrale Rolle. UN Tourism schätzt, dass der Verkehr den größten Anteil der tourismusbedingten Treibhausgasemissionen verursacht. Besonders bei Fernreisen kann die An- und Abreise einen deutlich größeren Einfluss auf die Klimabilanz haben als die Unterkunft oder der Rest der Reise selbst.

Green Pearls® setzt sich dafür ein, bei der Wahl der Verkehrsmittel und der Reiseform verschiedene Faktoren gegeneinander abzuwägen und bewusste Entscheidungen zu treffen. Genau dabei soll dieser Fakten-Check helfen.

 

Zug, Auto, E-Auto, Flugzeug oder Fernbus? Die Verkehrsmittel im Vergleich

Wir betrachten nun verschiedene Verkehrsmittel; die entsprechenden CO2-Emissionen und weitere Zahlen findest du in unserer Grafik.

Es ist generell nicht leicht, pauschale Aussagen zu treffen, da Reise-Szenarien und Rechenbeispiele sehr unterschiedlich sein können. Dennoch: Studien zeigen klare Tendenzen.

 

#1 Zug

Death Railway Kanchanaburi © TAT
Thailand mit dem Zug ist ein Abenteuer | Death Railway Kanchanaburi © TAT

 

Der Zug gehört auf vielen Strecken zu den emissionsärmsten Verkehrsmitteln. Besonders in Europa wächst das Hochgeschwindigkeits- und Nachtzugnetz stetig. Gleichzeitig beginnt der Urlaub oft schon während der Fahrt: Statt Sicherheitskontrollen und stundenlange Wartezeiten (wie am Flughafen) kannst du lesen, arbeiten oder einfach die Landschaft genießen.

Nicht überall ist die Bahn jedoch gleich gut ausgebaut. In einigen Ländern ist sie langsamer oder weniger zuverlässig. Trotzdem lohnt sich ein Blick auf das Streckennetz. Für entfernte Urlaubsziele innerhalb Europas bieten sich Nachtzüge an. Und auch als Alternative zu Inlandsflügen am Urlaubsort solltest du den Zug als Option berücksichtigen. Wer sagt z. B. dass du nach einem Flug nach Thailand noch mehrere Inlandsflüge brauchst? Zugfahren in Thailand ist ein echtes Abenteuer und sorgt für besondere Erlebnisse.

Green Pearls® Position: Wir empfehlen (und nutzen selbst) auf vielen Strecken bewusst die Bahn. Gerade deshalb sehen wir aber auch ihre Schwächen. Verspätungen, Zugausfälle und hohe Ticketpreise schrecken viele Menschen ab; und wir können das gut verstehen! Auch wir verfluchen die Bahn, wenn der gebuchte Zug mal wieder anderthalb Stunden Verspätung hat … Damit sich mehr Reisende freiwillig für den Zug entscheiden, braucht es ein zuverlässiges Angebot, faire Preise und einen konsequenten Ausbau des (europäischen) Schienenverkehrs.

 

#2 Fernbus

Nachhaltig reisen mit dem Fernbus klimaneutral
Schon mal an den Fernbus als Transportmittel gedacht? Dieser ist günstig und laut neuer Studien ebenso umweltfreundlich wie der Zug ©kite_rin | Stock.Adobe.com

 

Fernbusse werden bei der Reiseplanung häufig übersehen. Dabei verfügen viele Länder inzwischen über ein dichtes Streckennetz. Da sich viele Fahrgäste ein Fahrzeug teilen, schneiden Fernbusse in Klimabilanz-Vergleichen häufig ähnlich gut oder sogar besser als die Bahn ab, sofern letztere nicht mit erneuerbarem Strom betrieben wird.

Auch außerhalb Europas lohnt sich ein Blick auf Fernbusverbindungen. In Brasilien beispielsweise gehören komfortable Langstreckenbusse mit verstellbaren Sitzen, Klimaanlage und regelmäßigen Pausen seit Jahren zum Reisealltag. Auf der Strecke São Paulo–Rio de Janeiro war ich selbst überrascht, was für eine entspannte Alternative zum Flugzeug dies ist. Weiterhin sind auch die Überlandbusse in den USA, Australien, Neuseeland und in Südafrika sehr bekannt.

Green Pearls® Position: Fernbusse sind ähnlich klimafreundlich wie die Bahn und zudem deutlich günstiger. Unternehmen wie Flixbus (in Europa) haben in den letzten Jahren ein großes Streckennetz ausgebaut und es lohnt sich ein Blick darauf, insbesondere wenn du budget-freundlich unterwegs sein möchtest.

 

#3 Auto

Blick aus dem Auto auf die Dolomiten.
Dolomiten mit dem Auto? Das geht zum Schutz des Waldes nur mit Genehmigung. ©Paradiso Pure.Living Vegan Hotel

 

Das Auto bietet maximale Flexibilität und ist vor allem in ländlichen Regionen oder dort, wo der öffentliche Verkehr nur eingeschränkt verfügbar ist, kaum wegzudenken. Seine Klimabilanz hängt stark von der Auslastung ab: Je mehr Menschen gemeinsam reisen, desto geringer fallen die Emissionen pro Person aus.

So zeigen z. B. Berechnungen dass ein SUV mit 4 Personen weniger verbrauchen kann, als eine einzelne Person im E-Auto. Teil dieser Berechnung war allerdings dass das E-Auto mit „Strom-Mix“ geladen wird – bei Ökostrom wäre es immer noch im Vorteil.

Ein voll besetztes Auto kann pro Person besser abschneiden als ein Fahrzeug mit nur einer Person – unabhängig vom Antrieb.

Green Pearls® Position: Wenn das Auto die (zeitlich oder logistisch) sinnvollste Option ist, lohnt es sich, Fahrgemeinschaften zu bilden und den Aufenthalt möglichst so zu planen, dass vor Ort nur wenige zusätzliche Fahrten nötig sind.

 

Sonderfall: E-Auto

Elektroautos verursachen über ihren gesamten Lebenszyklus in Europa deutlich weniger Treibhausgasemissionen als vergleichbare Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Wie groß der Vorteil ausfällt, hängt unter anderem vom Strommix und der Fahrzeuggröße ab.

Für Urlaubsreisen wird das Ladenetz kontinuierlich besser. Auch immer mehr Hotels bieten ihren Gästen Lademöglichkeiten an.

Green Pearls® Position: Ein E-Auto ist besonders dann eine gute Wahl, wenn es mit mehreren Personen genutzt und mit Strom aus erneuerbaren Energien geladen wird.

 

#4 Flugzeug

Blick auf die Tragfläche eines Flugzeugs in der Luft
Ist Fliegen noch vertretbar? | © Alejandro – stock.adobe.com

 

Beim Fliegen entsteht nicht nur CO2, sondern es werden auch andere Treibhausgase und Schadstoffe abgegeben. Wissenschaftler*innen betrachten diese besonders kritisch, weil sie in großer Höhe abgegeben werden und mögliche Folgen kaum absehbar sind.

Auf Kurzstrecken- und Inlandsflüge solltest du der Umwelt zuliebe am besten komplett verzichten. Gerade bei den kurzen Flugverbindungen fällt die Klimabilanz besonders schlecht aus, da Start und Landung besonders emissionsintensiv ist. Aus die Gesamtstrecke gerechnet hast du bei kurzen Flugstrecken im Verhältnis mehr Start- und Landungszeit als bei längeren, wodurch die besonders schlechte Bilanz entsteht.

Auf Fernstrecken sieht die Bewertung differenzierter aus. Für viele Reiseziele gibt es keine realistische Alternative zum Flugzeug. Gleichzeitig sind zahlreiche Regionen wirtschaftlich stark vom internationalen Tourismus abhängig.

Green Pearls® Position: Wenn ein Flug notwendig ist, empfehlen wir möglichst Direktflüge sowie einen längeren Aufenthalt. Achte bei deiner Fernreise darauf, dass dein Geld bei der dortigen Bevölkerung ankommt und dein Gastland von dir profitiert.

 

#5 Kreuzfahrtschiff

Große Kreuzfahrtschiffe zählen aufgrund ihres Energieverbrauchs zu den emissionsintensiven Reiseformen (nett ausgedrückt). Die meisten Schiffe fahren mit Schweröl, dessen Verbrennung große Mengen an CO2 und anderen Emissionen freisetzt. Schiffe, die mit Flüssiggas (LNG) angetrieben werden, emittieren zwar weniger, jedoch lassen sie Methan in die Atmosphäre entweichen. Dieses Gas ist noch um ein Vielfaches klimaschädlicher als CO2, weshalb LNG-Schiffe etwa genauso umweltschädlich sind.

Weiterhin haben Kreuzfahrtschiffe durch den Betrieb von riesigen Vergnügungsanlagen (teilweise mit Achterbahn, Eislaufbahn, Swimmingpools, zahlreichen Restaurants, Entertainment etc.) einen deutlich höheren Energieverbrauch als andere Urlaubsformen. Verschlimmert wird dies alles noch, wenn zusätzlich zur Kreuzfahrt ein Flug anfällt (z. B. in die Karibik)

Green Pearls® Position: Wer mit dem Flugzeug von Deutschland in die Karibik fliegt und dort 10 Tage auf einem riesigen Kreuzfahrtschiff urlaubt, dürfte laut den wissenschaftlichen Modellen des Weltklimarats (IPCC) 12 Jahre lang keinen Urlaub mehr machen! (Berechnung danach, wie viel CO2 jeder Erdenbewohner pro Jahr verbrauchen darf, damit wir das 1,5 Grad Klimaziel erreichen). Überlege dir vor einer Kreuzfahrt genau, worum es dir geht: Um Luxus? Um die Schiffsreise? Um den Vergnügungspark? Um die Karibik? Für alles gibt es bessere Alternativen als ein schwimmendes Klimamonster.

 

Die Anreise ist nur der Anfang: Mobilität vor Ort

Bei der Fortbewegung an deinem Urlaubsort  können Hotels und Destinationsmanagement einen großen Unterschied machen. Sie schaffen Angebote, die dir den Umstieg vom Privatauto auf Alternativen erleichtern. Und oft gleichzeitig den Urlaub entspannter machen.

 

Gästekarten machen nachhaltige Mobilität einfach

Mutter und Tochter mit der Echt Bodensee Gästekarte nachhaltig im Urlaub unterwegs
©Florian Trykowski | Echt Bodensee

 

Ein besonders gelungenes Beispiel sind regionale Gästekarten. Sie verbinden die kostenlose Nutzung von Bus, Bahn sowie manchmal auch Seilbahnen und Fähren mit Eintritten in Museen und Freizeiteinrichtungen. Das macht öffentliche Verkehrsmittel nicht nur günstiger, sondern häufig sogar attraktiver als das eigene Auto.

Auf dem Ritten in Südtirol erhaltst du als Gast des Hotel Weihrerhof, des ADLER Ritten und des APIPURA hotel rinner die RittenCard. Damit fährst du kostenlos mit der historischen Rittner Bahn, der Seilbahn nach Bozen sowie den regionalen Bussen. Hop-on, Hop-off in den Bergen – wirklich sehr entspannt!

Im Paradiso Pure.Living Vegan Hotel auf der Seiser Alm kommt noch eine weitere Komponente dazu. Das Hotel liegt auf rund 2.000 Metern Höhe und hat mit seiner besonderen Lage inmitten dem UNESCO-Weltnaturerbe Dolomiten besondere Auflagen. Europas größte Hochalm darf nur eingeschränkt mit dem Auto befahren werden; daher bekommst du nur für den An- und Abreisetag eine Sondergenehmigung. Die Mobilcard Südtirol ist dann eine gute Möglichkeit für dich herumzukommen. Ansonsten starten sowohl Wanderwege als auch im Winter die Skipiste direkt vom Hotel aus.

 

Gästekarten in Deutschland und Österreich

In unserem Artikel über Urlaub in Regionen mit Gästekarten zeigen wir dir noch über 20 weitere Hotels und Ferienhäuser, die Gästekarten anbieten. So z. B. die

 

Gute Hotels denken Mobilität mit

Außenaufnahme mit Pool vom Hotel Klosterbräu
©David Johansson für Hotel Klosterbräu

 

Hotels können ihre Gäste unterstützen, indem sie die Anreise mit Bahn und Bus auf ihrer Website verständlich beschreiben, einen Shuttle vom Bahnhof anbieten und Anreize für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel schaffen.

Das Fünf-Sterne-Wellnesshotel Hotel Klosterbräu in Seefeld, Tirol, ist hier besonders engagiert: Wer mit Bus oder Bahn anreist, kann während des gesamten Aufenthalts E-Bikes und E-Scooter kostenlos nutzen. Zudem gibt es einen kostenlosen Shuttle Service ab Bahnhof Seefeld mit dem hoteleigenen E-Minibus.

 

Fahrrad-Angebote vor Ort

Auch Fahrrad-Angebote werden immer wichtiger. Viele Green Pearls® Hotels verleihen selbst Fahrräder oder E-Bikes, arbeiten mit lokalen Partnern zusammen und bieten sichere Fahrradgaragen, Lademöglichkeiten, Werkzeug, Tourenvorschläge oder geführte Touren an. Damit hast du nicht nur eine Alternative zum Auto, sondern auch eine Möglichkeit, deine Reiseregion auf gesunde Weise und aus einer anderen Perspektive zu entdecken.

Green Pearls® Position: Gute Mobilität endet nicht am Bahnhof oder Flughafen. Hotels und Destinationen sollten ihre Gäste dabei unterstützen, auch vor Ort möglichst flexibel unterwegs zu sein – mit attraktiven Alternativen zum eigenen Auto statt mit Verzicht.

 

Woran erkennst du ein Hotel, das Mobilität mitdenkt?

Fahrradfahren ist gut für die Phsyche belegen Studien
©vilma3000 | Stock.Adobe.com

 

  • Verständliche Informationen zur Anreise mit Bahn und Bus
  • Shuttleservice vom Bahnhof
  • Sofern es Gästekarten in der Region gibt, sollte das Hotel sich daran beteiligen und diese kostenlos für Übernachtungsgäste anbieten und Informationen dazu bereitstellen.
  • Fahrrad- oder E-Bike-Verleih
  • E-Ladestation für E-Bikes und Elektroautos
  • Wander- und Radwege direkt ab Hotel bzw. Informationen zu (öffentlichen und hotelinternen) Transportmöglichkeiten zu Ausgangspunkten
  • Tourenvorschläge ohne Auto

 

Wie viel CO2 “darf” ein Urlaub verbrauchen? Oder: Wie wichtig ist das Thema denn jetzt wirklich?

Du hast sicherlich vom “persönlichen CO₂-Budget” gehört. Gemeint ist die Menge an Treibhausgasen, die jeder Mensch pro Jahr verursachen dürfte, wenn die Ziele des Pariser Klimaabkommens eingehalten werden sollen. Je nach Berechnungsgrundlage liegt dieses Budget heute bei etwa 2 bis 2,5 Tonnen CO₂-Äquivalenten pro Person und Jahr. Der durchschnittliche Pro-Kopf-Ausstoß in Deutschland liegt übrigens laut Umweltbundesamt derzeit bei rund 10 Tonnen.

Die Mobilität macht hierbei (ebenfalls laut Umweltbundesamt) etwa 21 % und damit knapp 2,1 Tonnen aus. Das heißt, dein komplettes CO2-Budget ist allein mit der Mobilität schon verbraucht! Dies verdeutlicht, warum dieses Thema in der Tat SEHR WICHTIG ist und keine müßige Diskussion!

Reisen sind gerade wegen der Mobilität und den entsprechend verursachten Emissionen immer wieder bei Klimaschützern in der Kritik. Doch die Antwort kann nicht sein, dass niemand mehr verreisen darf. (Besonders dann nicht, wenn dabei außer Acht gelassen wird, dass Top-Verdiener und Superreiche rücksichtslos durch die Welt privat-jetten.)

Green Pearls® Position: Wir möchten niemandem das Reisen ausreden. Im Gegenteil: Reisen schafft Begegnungen, Verständnis und unterstützt in vielen Regionen der Welt die lokale Wirtschaft. Bewusste Mobilität bedeutet für uns deshalb nicht Verzicht, sondern informierte Entscheidungen. Jede Reise bietet die Chance, an einigen Stellschrauben zu drehen, die eigenen Emissionen im Rahmen zu halten und dabei trotzdem die Reise zu genießen.


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