Luxuszüge feiern ihr großes Comeback. Neue Orient-Express-Strecken, exklusive Panoramawagen und mehrtägige Bahnreisen durch Europa sorgen dafür, dass das Reisen selbst wieder zum Erlebnis wird. Doch wir fragen uns: Ist dies ein nachhaltiger Slow-Travel-Trend zum Begrüßen oder ist es eher eine Kreuzfahrt auf Schienen?
Was macht einen Luxuszug überhaupt aus?
Wenn du bei Luxuszügen an den Hogwarts Express bei Harry Potter oder Agatha Christies „Mord im Orient-Express“ denkst, liegst du gar nicht so falsch: einzelne Abteile, prunkvoll ausgestattete Speisewaggons und Zugbegleiter, die mit ihren Wagen durch die Gänge schieben und die Reisenden mit Snacks und Getränken versorgen. Die große Zeit der Luxuszüge begann Ende des 19. Jahrhunderts, als Bahnreisen die schnellste und komfortabelste Möglichkeit waren, Europa zu durchqueren.
Der 1883 erstmals verkehrende Orient-Express verband Paris mit Konstantinopel (dem heutigen Istanbul) und wurde schnell zum Symbol für elegantes Reisen. (Es wurden Diplomaten, Künstler*innen, Industrielle und Adelige reisten in Schlafwagen mit Samtpolstern, Speisewagen mit Silberbesteck und privaten Abteilen quer durch Europa.
Mit dem Aufstieg des Flugverkehrs verloren die luxuriösen Eisenbahnen ab den 1950er-Jahren zunehmend an Bedeutung. Viele Strecken wurden eingestellt, historische Waggons verschwanden (mit etwas Glück) in Depots oder Museen. Doch seit einigen Jahren erlebt die Branche eine Renaissance.
Millionen werden in das Comeback der Luxuszüge investiert

Unternehmen wie Belmond, Accor oder die italienische Arsenale Group investieren Millionen in restaurierte Waggons, neue Zugkonzepte und exklusive Routen. Gleichzeitig entdecken viele Reisende das Prinzip des Slow Travel neu: Die Reise soll nicht mehr nur Mittel zum Zweck sein, sondern Teil des Urlaubserlebnisses werden.
Info: Warum gibt es eigentlich zwei Orient-Expresse?
Der Venice Simplon-Orient-Express von Belmond fährt bereits seit den 1980er-Jahren mit restaurierten historischen Waggons durch Europa und verbindet unter anderem Paris mit Venedig oder Wien. Parallel arbeitet der Hotelkonzern Accor an der Rückkehr des ursprünglichen Orient Express‘ und einem Neustart der legendären Strecke Paris–Istanbul.
In einem Luxus- oder Nostalgiezug bekommst du nicht nur einen Sitzplatz. Je nach Zug erwarten dich private Schlafkabinen oder großzügige Suiten mit eigenem Bad, elegante Restaurantwagen mit mehrgängigen Menüs, Cocktailbars, Lounges und Panoramawagen mit deckenhohen Fenstern. Manche Reisen dauern nur einen Tag, andere mehrere Nächte, während draußen Alpenpässe, Küstenlandschaften oder historische Städte vorbeiziehen.
Sind Luxuszüge nachhaltig?
Die kurze Antwort lautet: Es kommt darauf an, womit du sie vergleichst.
Gegenüber dem Flugzeug

Wer eine Strecke wie Paris–Wien oder St. Moritz–Zermatt mit dem Zug statt mit dem Flugzeug zurücklegt, verursacht in der Regel deutlich weniger Treibhausgasemissionen pro Personenkilometer. Besonders in Ländern wie Deutschland, Österreich und der Schweiz, deren Bahnsysteme zu großen Teilen elektrisch (und mit Ökostrom) betrieben werden, fällt die Bilanz günstiger aus als bei vergleichbaren Flugreisen.
Gegenüber dem normalen Zug
Anders sieht der Vergleich mit einem regulären Linienzug aus:
- Luxuszüge transportieren deutlich weniger Gäste. (Im Vergleich: In den Luxus-Suiten vom Venice Simplon-Orient-Express fahren 8 Personen pro Waggon (23,45 Meter Länge). Im ÖBB Nightjet reisen hingegen 20 Personen in einem 26,40 Meter langen Schlafwagen.
- Die historischen Waggons haben ein höheres Gewicht (Vergleich: Der Orient Express Schlafwagen-Typ Lx von 1929 wiegt laut der CIWL-Liste 53 Tonnen; der ÖBB Nightjet kommt laut Siemens Mobility Global auf 45 bis 48 Tonnen pro Waggon.)
- Mehrgängige Menüs und aufwendiger Service erhöhen den Ressourcenverbrauch.
Ein ICE oder TGV bleibt deshalb pro Kopf meist die effizientere Variante. Es ist aber auch nicht das Gleiche. Die historischen Züge erhalten nämlich auch ein Kulturerbe.
Original-Waggons werden aufgespürt und restauriert
In der Pressemappe von Accor / Orient Express erzählen die neuen Inhaber, wie Eisenbahn-Historiker Arthur Nettetal und Orient-Express-Vice-President Guillaume de Saint Lager gemeinsam mit einem Übersetzer und einem Fotografen nach Polen reisten, um verbliebene Original-Waggons zu finden. Von Warschau aus fuhren sie vier Stunden in ein abgelegenes Dorf. Dort standen die historischen Orient-Express-Waggons bereits seit zehn Jahren „out in the open“. Glücklicherweise waren sie noch in erstaunlich gutem Zustand – inklusive originaler Art-déco-Elemente.

Fazit: Ein Luxuszug ist ökologisch nicht mit einem regulären Linienzug vergleichbar. Gegenüber Flugreisen oder Kreuzfahrten kann die Bahn jedoch eine deutlich emissionsärmere Reiseform darstellen. Gleichzeitig stehen bei vielen Angeboten nicht Geschwindigkeit oder Effizienz im Vordergrund, sondern das bewusste Erleben der Reise selbst – ein Aspekt, der häufig mit den Prinzipien des Slow Travel verbunden wird.
Eine solche Luxusreise ist auch eher als “Once in a Lifetime” Erlebnis ausgelegt, was natürlich mit den enormen Preisen zu tun hat. Im Endeffekt denken wir, dass es super ist, wenn auch nur eine Person anstelle einer Kreuzfahrt eine Orient-Express-Reise (o.Ä.) macht. Zumal gleichzeitig Kulturgut erhalten bleibt, was ansonsten vermutlich noch immer irgendwo vor sich hin rosten würde.
Was kostet eine Luxuszugreise?

Die Preise variieren enorm. So ist eine Fahrt mit dem Glacier Express Excellence Class von St. Moritz nach Zermatt schon für ca. 600 bis 900 Euro erhältlich. Eine Reise mit dem Venice Simplon Orient Express kostet für die Strecke Paris – Amalfiküste (neu 2026) ab 8.000 Euro und auf der originalen Orient-Express-Route von Paris bis Istanbul reist du ab 21.000 Euro.
Viele Reisen sind mehrere Monate im Voraus ausgebucht.
“The entire project (of the Orient Express) has been conceived as a work of art. (…) It will be an incomparable train travel experience, imagined through a contemporary vision of comfort and extreme luxury.“ – Maxime d’Angeac, Orient Express-Architekt
Paris: Das Zentrum der neuen Luxuszug-Welle
Kaum eine Stadt ist so eng mit der Geschichte luxuriösen Bahnreisens verbunden wie Paris. Hier startete 1883 die erste Fahrt des Orient Express‘ nach Konstantinopel. Heute fährt er wieder zweimal im Jahr und ist nach sechs Tagen in Istanbul. Die nächsten Termine sind übrigens im September 2026 und Mai 2027. Außerdem gibt es die Verbindung Paris – Venedig sowie neu ab Mai 2026 Paris – Amalfiküste. Die Strecke entlang der ligurischen Küstebis nach Süditalien, dauert vier Tage.
Hoteltipp in Paris

In Paris empfehlen wir dir zwei Hotels, in denen du vor deiner Abreise mit dem Zug entspannt ankommen kannst. Die Green Spirit Hotels Le Pavillon und Amélie liegen beide im 7. Arrondissement direkt im Zentrum von Paris und nur rund 6 Kilometer vom Gare de l’Est entfernt, wo der Orient Express in der Regel abfährt. (Hier fuhr er nämlich schon 1883 ab.)
Hotel Le Pavillon und Hotel Amélie sind keine Grand Hotels, sondern kleine, sympathische Art-Hotels mit Bio-Frühstück. Durch orthopädische Betten, doppelte Verglasung und ein Luftfiltersystem findest du hier gute Voraussetzungen für eine ruhige Nacht mitten in der Großstadt.
München: Hier hält der Orient Express

Der Venice Simplon-Orient-Express (VSOE) hält auf einigen seiner exklusiven Routen in München. Genaue Termine für diese Sonderfahrten findest du direkt auf der Belmond-Webseite.
Hoteltipp bei München
Wer die Reise in der Umgebung von München beginnen möchte, kann vorab einige Tage auf dem historischen Gut Sonnenhausen verbringen. Das sorgsam restaurierte, ehemalige Gestüt mit altem Bauernhaus liegt südöstlich von München und setzt unter anderem auf biologische Landwirtschaft (Prinzip der Permakultur), eigene Lebensmittelproduktion und eine enge Verbindung zur modernen Kunst.
Wie es in unserer digitalen Welt so schön heißt: “Reisenden, denen der Orient Express gefällt, gefällt auch Gut Sonnenhausen” 🙂
Zermatt: Die Luxuszug-Alternative in den Alpen

Nicht jeder Luxuszug braucht einen roten Teppich. Der Glacier Express gilt als einer der spektakulärsten Panoramazüge der Welt. Die Fahrt zwischen St. Moritz und Zermatt dauert rund acht Stunden und führt über 291 Brücken, durch 91 Tunnel und über den Oberalppass auf 2.033 Metern Höhe. In der Excellence Class gibt es zudem einen garantierten Fensterplatz im Panoramawagen, einen Concierge-Service und ein mehrgängiges Menü.
Mehr Infos findest du auf der Webseite vom Glacier Express.
Glacier Pullman Express
Während der Glacier Express Excellence Class eine luxuriöse Tagesreise zwischen St. Moritz und Zermatt bietet, richtet sich der Glacier Pullman Express an Eisenbahn-Romantiker*innen. Die zweitägige Reise kombiniert historische Pullmanwagen aus den 1930er-Jahren mit UNESCO-Welterbe-Bahnstrecken, einer Fahrt mit der Dampflok über die Furka-Bergstrecke, einer Übernachtung in Andermatt und Ausflügen zum Kloster Disentis sowie zum Aletschgletscher.
Hoteltipp: Hotel Bella Vista Zermatt

Wer nach zwei Tagen im Glacier Pullman Express noch etwas länger in Zermatt bleiben möchte, findet im familiengeführten Hotel Bella Vista einen passenden Gegenpol zum Glamour der historischen Pullmanwagen. Das kleine Hotel der Gastgeberfamilie Anthamatten verfügt über nur wenige Zimmer und liegt ruhig oberhalb des Dorfes mit direktem Zugang zum Skigebiet.
Viel Zirbenholz, eine gemütliche Lobby mit Kamin und ein kleiner Spa-Bereich schaffen eine Atmosphäre, die eher an ein Schweizer Zuhause als an ein klassisches Hotel erinnert. Besonders geschätzt wird die persönliche Gastfreundschaft der Familie, die das Haus seit Generationen führt. So lässt sich die Reise stilvoll ausklingen – mit Blick auf das Matterhorn und etwas mehr Zeit, die Bergwelt rund um Zermatt kennenzulernen.
Warum Luxuszüge gerade jetzt boomen

Der Erfolg der Luxuszüge hat vermutlich weniger mit Luxus zu tun als mit Zeit.
Viele Menschen verbringen ihren Alltag zwischen Terminen, Apps und Bildschirmen. Gerade bei Flugreisen ist das nicht anders: Stress und Hektik am Flughafen, Gedränge, Lautstärke und beengte Verhältnisse im Flugzeug, immer das Telefon griffbereit um Abflugdaten und Co. zu checken. Der Urlaub beginnt erst bei der Ankunft am Ziel so richtig und hört mit dem Verlassen der Unterkunft wieder auf (nicht erst zu Hause).
Im Luxuszug dagegen wird die Reise selbst wieder Teil des Urlaubs. Statt möglichst schnell anzukommen, geht es darum, Landschaften vorbeiziehen zu sehen, Gespräche zu führen, gut zu essen und Europa in einem anderen Tempo zu erleben.
Wer dabei mehrere Nächte an einem Ort bleibt und die Zugreise mit einem Hotelaufenthalt verbindet, kann Regionen zudem intensiver kennenlernen als bei einem klassischen Städte-Hopping.
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