Soziale Medien zeigen seit einigen Jahren einen nicht zu stoppenden Trend. Die Menschen machen Pilgerreisen, und zwar unabhängig davon, ob dahinter ein Gottesglaube steckt oder einfach nur der Wunsch nach Entschleunigung und Ruhe. Selbst wenn du keine Erfahrung mit dem Pilgern gemacht hast, dürfte dir der Begriff „Jakobsweg“ etwas sagen. Auf dem Weg nach Santiago de Compostela machen sich jedes Jahr hunderttausende Menschen Gedanken über ihr Leben, genießen die einzigartigen Augenblicke und lernen Menschen kennen. Wir verraten dir, was hinter dem Trend steckt.
Was ist der Jakobsweg?

Hinter dem Namen verbirgt sich kein einzelner Pfad, sondern ein weitverzweigtes Netz von mittelalterlichen Pilgerwegen, die sich durch ganz Europa ziehen. Sie alle führen zu einem gemeinsamen Ziel: dem Grab des Apostels Jakobus in der Kathedrale von Santiago de Compostela im spanischen Galicien. Seit über tausend Jahren begeben sich Reisende auf diese Pfade, um Buße zu tun, Kraft zu schöpfen oder Gott nahe zu sein.
Heute hat sich der Charakter der Reise gewandelt, die Faszination ist geblieben. Du musst keine monatelange Auszeit nehmen, um diese Luft zu schnuppern.
Viele Einsteiger wählen für ihre erste Erfahrung bewusste Teilstrecken. Besonders beliebt ist der Abschnitt des Jakobsweg ab Sarria, da diese letzten rund einhundert Kilometer ausreichen, um die begehrte Pilgerurkunde, die Compostela, im Zielort zu erhalten.
Auf diesem Weg erlebst du die typische Gemeinschaft in den Herbergen und die wunderschöne Natur Galiciens, ohne direkt wochenlang unterwegs zu sein.
Durch welche Länder verläuft der Jakobsweg?
Da die historischen Routen an den Haustüren der damaligen Pilger begannen, durchzieht das Wegenetz fast den gesamten europäischen Kontinent. Du kannst theoretisch direkt vor deiner eigenen Haustür in Deutschland, Österreich oder der Schweiz starten, da die Wege überall gut ausgeschildert und miteinander verbunden sind.
Die bekanntesten und am besten ausgebauten Routen verlaufen durch Frankreich, Portugal und Spanien. Der „Camino Francés“ startet in den französischen Pyrenäen und führt quer durch den Norden Spaniens, während der „Camino Portugués“ von Lissabon oder Porto aus nach Norden zieht.
Warum ist Pilgern plötzlich ein Trend?
Der Alltag ist laut, hektisch und ständig von permanenter Erreichbarkeit geprägt. Es prasseln Nachrichten, neue Termine und digitale Reize auf dich ein. Diese Effekte sind langfristig für viele Menschen sehr belastbar und deshalb hat das Pilgern an Bedeutung gewonnen.
Hier reduzierst du dein Leben auf das Wesentliche. Wenn du den ganzen Tag nur einen Fuß vor den anderen setzt und dein Hab und Gut auf dem Rücken trägst, schaltet dein Gehirn einen Ganz zurück.
Die einfachen Anforderungen entspannen deinen Geist und machen es möglich, dass du dich auf deine innere Mitte konzentrieren kannst.

Für wen ist Pilgern geeignet?
Das Schöne an dieser Reiseform ist, dass sie keine exklusiven Voraussetzungen an dich stellt. Du brauchst keine sportlichen Höchstleistungen zu erbringen, um dich auf den Weg zu machen. Da du dein Tempo selbst bestimmst und die täglichen Etappen flexibel an deine Kondition anpassen kannst, ist das Abenteuer für fast jedes Alter machbar.
Manche Menschen suchen nach einer Trennung neue Klarheit, andere stehen vor beruflichen Veränderungen und wieder andere haben einfach nur Lust auf Natur. Der Jakobsweg holt dich ab, wo du gerade stehst.
Während der Tour triffst du Gleichgesinnte aus aller Welt und nicht selten entwickeln sich lebenslange Freundschaften oder zumindest intime Gespräche, die es im Alltag eher selten gibt.
Dies ist ein Gastbeitrag von Santiago Ways
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