Wir stellen euch heute Soraida Salwala, eine Pionierin des Tierschutzes, die das weltweit erste Elefantenkrankenhaus in Thailand gegründet hat.
Elefanten spielen in der thailändischen Kultur seit jeher eine wichtige Rolle: Sie waren Glücksbringer, Transport- und Reittiere und sind heutzutage auch aus dem Tourismus nicht mehr wegzudenken. Allzu häufig allerdings wird den sanften Riesen dabei nicht der nötige Respekt entgegengebracht und sie leiden ihr Leben lang unter den Halte- und Arbeitsbedingungen. Vor einiger Zeit haben wir hier schon einmal über Elefantenschutzzentren in Thailand berichtet. Heute geht es um eine ganz besondere Institution: das erste Elefantenkrankenhaus der Welt, das sich in Lampang im Norden Thailands befindet und von Soraida Salwala gegründet wurde. Elefanten wurden in Thailand noch bis zum Ende des letzten Jahrhunderts legal als Arbeitstiere eingesetzt, es gab jedoch lange Zeit keinen Ort, an dem die Tiere bei Verletzungen behandelt werden konnten.
Wie behandelt man kranke Elefanten?
Ausschlaggebend für ihren Wunsch ein Krankenhaus für Elefanten aufzubauen, war ein Erlebnis, das Soraida im Alter von acht Jahren hatte: Unterwegs mit ihrem Vater beobachtete sie einen Lastwagenunfall, bei dem der Fahrer einen Elefanten verletzt zurückließ. Es gab keine Möglichkeiten, dem Tier zu helfen – denn weder hätte man es transportieren können, noch hätte ein normales Krankenhaus den Elefanten aufgenommen und behandelt. Es gab keine Möglichkeiten den Schmerz des Tieres zu lindern und so wurde es erschossen. Weitere Erlebnisse bestärkten Soraidas Wunsch nach einem Krankenhaus für Elefanten und sie war fest entschlossen, die Vision in die Tat umzusetzen.

Ein Kindheitstraum geht in Erfüllung
Gemeinsam mit dem Veterinärmediziner Dr. Preecha konnte sie das Friends of the Asien Elephant Krankenhaus 1993 schließlich eröffnen. Heute, über 25 Jahre später, arbeiten neben Soraida und Dr. Preecha noch ein weiterer Tierarzt sowie 19 Pfleger und Mitarbeiter im FAE Elephant Hospital. Dazu kommen auch immer wieder Freiwillige und Studenten der Veterinärmedizin aus Thailand. Alleine im Zeitraum von 1993 bis 2011 wurden schon über 3.000 Elefanten behandelt, die sonst wahrscheinlich qualvoll zum Sterben zurückgelassen worden wären. Doch Soraida sagt auch: „Das macht mich glücklich, aber es gibt noch so viel mehr, was wir tun müssen. Die Lage ist verzweifelt. Schauen Sie sich ‚Kamme‘ an, eine Elefantenkuh in ihren 50ern. Sie kam mit schlimmen Verletzungen zu uns, die von der grausamen Behandlungen durch die Holzfäller stammen. Dazu war sie regelmäßig mit Amphetaminen gefüttert worden, um länger arbeiten zu können. Jetzt ist sie süchtig danach.“
Zwischen Hilfe und Ablehnung
Die Elefanten kommen von überall ins Krankenhaus. Soraida und Dr. Preecha müssen dafür mit den unterschiedlichsten Elefantenbesitzern zusammenarbeiten, mit illegalen Holzfällern genauso wie mit unfreundlichen, verdächtig wirkenden Mahouts. Ein Spannungsfeld, denn natürlich vertreten sie in den meisten Fällen eine andere Meinung als die Besitzer. Zum Wohle der Tiere arbeiten sie dennoch zusammen, machen ihre Meinung aber auch immer wieder öffentlich – und sich selbst damit den ein oder anderen neuen Feind.

Der aufsehenerregende Fall der Elefantendame ‚Motala‘
1999 wurde Elefantendame Motala eingeliefert: Sie war an der Grenze zu Burma auf eine Landmine getreten und hatte dadurch einen Fuß verloren. Der Fall erregte in Thailand, aber auch weltweit, viel Aufmerksamkeit und die Medien waren genauso vor Ort wie verschiedene Tierärzte und Arzthelferinnen, die bei der Versorgung von Motala helfen wollten. Dazu flossen Spendengelder, die für die OP und weitere Pflege von Motala eingesetzt werden konnten. Motala erhielt als erster Elefant eine Beinprothese. Ohne das Elefantenkrankenhaus wäre sie wohl erschossen oder eingeschläfert worden.

Ein letztes Zuhause für die Dickhäuter
Das nächste Ziel für Soraida ist das „Last Home Project“, ein Stück Land, auf dem die Elefanten ihren Lebensabend verbringen können. Denn mit der fortschreitenden Abholzung der Wälder gibt es immer weniger freien Lebensraum für die Dickhäuter – und da immer weniger Wald zum Abholzen übrig ist, brauchen die Holzfäller auch immer weniger Elefanten. Wenn die Elefanten ihnen kein Geld mehr einbringen, werden die Mahouts sich etwas anderes für die Tiere überlegen.
Lebenslanges Engagement zum Schutz der Elefanten
Soraida ist eine wahre Pionierin: Nicht nur, dass sie zur Zeit der Gründung der „Friends of the Asian Elephant Foundation“ und des Elephant Hospitals eine der wenigen Frauen in der Welt des Tierschutzes war, sondern auch weil die Idee des Krankenhauses komplett neu war. „Es gibt keine einfache Antwort auf Thailands Elefantenproblem. Wir tun unser Bestes und die Lage der Elefanten ist definitiv schon besser geworden, aber wir wissen, dass wir noch vor einem sehr großen Problem stehen. So Gott will, werde ich mich in jeder wachen Stunde für unsere Elefanten einsetzen.“, sagt Soraida.
Infobox:
Der Besuch der Elefanten ist erlaubt und erwünscht, naher Kontakt und Anfassen allerdings nicht. Heute leben fünf Langzeitpatienten hier und bis zu 15 weitere Tiere. Finanziert wird das Krankenhaus ausschließlich durch Spenden – und das ist für Soraida eine der größten Schwierigkeiten, denn die Kosten sind hoch. Wenn ihr helfen wollt, könnt ihr auf der Webseite spenden oder eine Patenschaft abschließen.
Nicht nur das Krankenhaus für Elefanten ist einen Besuch wert, sondern auch die beiden Schutzzentren in Chiang Mai und auf Koh Samui. Auf dem Blog des thailändischen Fremdenverkehrsamts wurden unsere Erfahrungen veröffentlicht – lest doch mal rein!
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1 thought on “Ein Herz für Tiere: das erste Elefantenkrankenhaus in Thailand”