Insektensterben: Ein Blick auf die kleinen Lebewesen

Ein Blick auf die kleinen Lebewesen – Darum sind sie vom Insektensterben bedroht und das kannst du tun

Ein Blick auf die kleinen Lebewesen – Darum sind sie vom Insektensterben bedroht und das kannst du tun
Das Moorwiesenvögelchen (Coenonympha oedippus) ist laut dem WMF "wahrscheinlich die am stärksten bedrohte Schmetterlingsart Europas". © Dietmar Borbe

Wie ist deine Reaktion, wenn vor dir ein Ohrenkneifer über den Fußboden läuft? Zertreten, wegsaugen oder doch vorsichtig nach draußen tragen? Insekten sind bei uns Menschen nicht sonderlich beliebt. Das ist schade, denn sie erfüllen viele wichtige Aufgaben. Und wenn sie durch das fortschreitende Insektensterben verschwinden, kann dies für uns verheerende Folgen haben.

Wir werfen darum heute einen Blick auf die Wirbellosen und haben dazu mit dem Insekten- und Schmetterlings-Experten Dietmar Borbe gesprochen. Weiterhin stellen wir dir konkrete Maßnahmen unserer Partner-Hotels zum Insektenschutz vor, die du leicht nachmachen kannst.

 

Weltweite Studie zeigt: Rund 2 Millionen Arten sind gefährdet

Eine neue Studie (veröffentlicht im November 2023 bei PLOS One) hat gezeigt: Rund 2 Millionen Tier- und Pflanzenarten sind vom Aussterben gefährdet. Das heißt: In den kommenden Jahrzehnten könnten sie von der Erde verschwunden sein. Dies sind weitaus mehr, als der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) 2019 angenommen hatte. Besonders gefährdet sind die Wirbellosen, zu denen auch die Insekten, z.B. Käfer und Schmetterlinge, zählen. 

 

Das Insektensterben nimmt zu und bedroht dadurch weitere Arten.
Sie werden als Schnaken, Weberknechte oder Daddy Long Legs bezeichnet und fliegen oft dicht an der Wasseroberfläche. Dadurch sind sie ein proteinreicher Happen für Fische. BILD: Myriams Fotos | Pixabay

 

Warum sind Insekten nützlich für uns?

Um die Bedeutung von Insekten besser zu verstehen, haben wir den Insekten- und Schmetterlings-Experten Dietmar Borbe zu Rate gezogen. Der Biologe aus Heiligenhaus beobachtet seit über 20 Jahren Tag- und Nachtfalter und erschien kürzlich in der Zeitung, weil er den seltenen Falter “Blaues Ordensband” entdeckte. Zum Nutzen von Insekten allgemein nennt er:

 

  1. Bestäubung: Insekten sind Bestäuber. Dies betrifft übrigens nicht nur Wildbienen, sondern auch viele Fliegen, Käfer, Wespen und Schmetterlingsarten. Die Bestäubung ist essenziell für den Erhalt vieler Wildpflanzen. (In China werden schon jetzt Obstbäume per Hand bestäubt, weil die natürlichen Bestäuber fehlen.)
  2. Nahrungsgrundlage: Vögel, Frösche, Fledermäuse, Igel und viele weitere Tiere ernähren sich von Insekten.
  3. Schädlingsvertilger: Viele Insekten fressen selbst Insekten (Blattläuse etc.) oder helfen uns gegen andere Schädlinge. Tier des Jahres 2024 ist z. B. der Stierkäfer “Mistkäfer” welcher sich vom Kot pflanzenfressender Tiere ernährt und diesen (für uns) schnell verwertet und in die Erde bringt und so Parasiten abhält.

 

Der Anfang vom Ende: Insektensterben

Biologe und Insekten-Experte Dietmar Borbe im Gespräch mit dem Green Travel Blog
“Insekten stehen am Anfang der Nahrungskette. Wenn wir unten an einer Nahrungspyramide alles vernichten, bricht schließlich alles zusammen” ©Dietmar Borbe

Hast du auch das Gefühl, dass es früher irgendwie mehr Insekten gab? Dass sie dir beim Fahrradfahren in den Mund flogen, nach längeren Autostrecken die Windschutzscheibe gesäubert werden musste und es im Garten viel mehr summte und zirpte, als es das heute tut? Wo sind sie? Viele Untersuchungen ergaben negative Bestandstrends.

Schon 2017 hatten die Krefelder Entomologen (EVK) beispielsweise nachgewiesen, dass an 63 untersuchten Standorten in NRW, Rheinland-Pfalz und Brandenburg der Insekten-Bestand um über 75% abgenommen hat. Für die Langzeitstudie wurden über einen Zeitraum von 27 Jahren (seit 1989) Netze für Fluginsekten aufgespannt. Die Daten wurden von der niederländischen Radboud Universität, Nijmegen ausgewertet.

“Fairerweise muss man aber auch sagen, dass einige Arten auf Grund des Klimawandels „nach Norden“ ziehen und dort versuchen neue Lebensräume zu erschließen.” – Dietmar Borbe

 

Ursachen für das Verschwinden der Insekten

Als Hauptfeinde der Insekten nennt Biologe Dietmar Borbe:

  • Monokultur
  • Eutrophierung (Eine durch den Menschen verursachte Anreicherung von Nährstoffen in einem See oder Gewässer, die schließlich dazu führt, dass alles Leben durch Algen erstickt wird)
  • Industrialisierung
  • Industrielle Landwirtschaft
  • Schädlingsbekämpfungsmittel / Pestizide
  • Zerstückelung der Landschaft
  • Reduziertes Angebot an Nahrung und an Wirtspflanzen für die Eiablage
  • Lichtverschmutzung (hierzu mehr weiter unten)
  • Globale Erwärmung

 

Das kannst du für den Insektenschutz tun

Umweltschutz und Artenschutz gehören bei den nachhaltigen Green PearlsⓇ Hotels und Ferienunterkünften zur Identität. Hier stellen wir dir exemplarisch einige Maßnahmen unserer Partner vor, die du auch leicht zu Hause umsetzen kannst:

Insektenhotel als artenfreundliches Souvenir im nachhaltigen Hotel SCHWARZWALD PANORAMA
Ein nachhaltiges Souvenir aus dem Hotel-Shop. ©SCHWARZWALD PANORAMA

 

“Arten-Garten” des  Hotels SCHWARZWALD PANORAMA

Zum SCHWARZWALD PANORAMA in Bad Herrenalb gehört ein etwa 100 Quadratmeter großer Naschgarten, der den Beinamen “Arten-Garten” trägt. Zur Förderung der Biodiversität findest du hier:

  • Igelhaus
  • Vogelhaus mit Vogeltränke auf dem Dach
  • Sandbäder für Vögel
  • Flache Wassertränken für Insekten
  • Honigbienen-Völker
  • Wildbienen-Nisthilfen
  • Ohrwürmer-Nisthilfen (Ohrwurmhäuser)
  • Eidechsensteinhaufen

Das Vogelhaus wurde übrigens speziell für das Hotel geschreinert und sieht genauso aus, wie das SCHWARZWALD PANORAMA. 🙂

Tipp: Im Internet findest du viele DIY-Anleitungen, wie du leicht selbst ein Igelhaus oder Ohrwurmhäuser etc. baust.

 

Das Hotel Weihrerhof verzichtet auf Dünger

Bereits seit über 20 Jahren werden die Wiesen rund um das Südtiroler Hotel Weihrerhof am Wolfsgrubener Badesee nicht mehr gedüngt. “Wir tun dies, um die Artenvielfalt zu erhalten”, berichten sie. “Zudem lassen wir Gras und Blumen auswachsen, sodass sie Samen produzieren können.”

Dass gedüngte Felder weniger von bestäubenden Insekten besucht werden, ist schon lange bekannt. Eine britische Studie aus dem Jahr 2022 zeigte jetzt allerdings die genaue Ursache dafür. Und zwar verändert Dünger die elektrischen Felder von Blüten, an denen sich Bestäuber wie Hummeln orientieren. 

 

Im Hotel Luise findest du insektenfreundliche Pflanzen

Nachhaltige Stadtentwicklung / Sustainable Urban Planning: Garten Hotel Luise
Überall grünt es – sogar auf dem Dach. ©Hotel Luise

 

Das Hotel Luise in Erlangen ist als “Blühender Betrieb” zertifiziert und legt großen Wert auf den Schutz der kleinen Lebewesen. Zu ihren Maßnahmen gehören:‌

  • Der Einsatz von Sandsteinen (Versteck und Brutmöglichkeiten für Insekten)
  • Totholz und Laubecken liegen lassen
  • Insektenhäuser (Hiervon besitzt das Hotel gleich mehrere. Auf der Webseite findest du auch eine Anleitung für ein “Insektenhaus mal anders”, welches du aus langen Halmen und Stöcken zusammenbindest.)
  • Wasserstellen als Trinkmöglichkeit
  • Insektenfreundliche Bepflanzung
  • Lichtverschmutzung reduzieren

 

So kannst du deinen Garten insektenfreundlich bepflanzen

Laut dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) sind 3 Elemente wichtig für eine insektenfreundliche Bepflanzung:

  1. Wilde Ecke: Hier wird weder gemäht noch gespielt – diese Ecke wird einfach sich selbst überlassen und es können Gräser, Brennnesseln und Klee wachsen. Dies ist für viele Insekten überlebenswichtig.
  2. Frühblüher: Zu den Frühblühern gehören (in Deutschland) Schneeglöckchen, Krokusse und Narzissen. Die ersten Blüten sind überlebensnotwendig für viele früh fliegende Insekten.
  3. Wildblumenbeet: Pflanze ein Beet mit heimischen Wildblumen. Hier kannst du dir jetzt schon mal eine sonnige Ecke ausgucken, und im Frühjahr mit der Aussaat starten.

12 Nektarpflanzen für Schmetterlinge

Wenn du dir Tagfalter im Garten wünschst, findest du in diesem Beitrag 12 geeignete Nektarpflanzen – sowie Tipps zum richtigen Umgang mit Raupen.

Tipps zum Insektenschutz von Dietmar Borbe

Auch Dietmar Borbe hat uns noch einige Tipps zum Insektenschutz gegeben. Teilweise wurden sie bereits von den Hotels genannt, doch hier noch mal auf einen Blick:

  • Keine Bodenversiegelung – Schotterwege statt Beton
  • Blütenreiche Streifen fördern (Stichwort Guerilla-Gardening)
  • Auf Dünger verzichten
  • Insektenfreundliche Pflanzen und abwechslungsreiche Landschaften
  • Verstecke für die Überwinterung anbieten (Natursteinmauern mit Spalten, Steinhaufen, Laubhaufen)
  • Dunkle Nächte ohne Kunstlicht (keine Bestrahlung von Hauswänden etc.)

 

“Wir haben zu viel Ordnung und alles muss „sauber“ sein (Ordnungsliebe!) = so ist nicht die Natur!” – Dietmar Borbe

 

Neue Studie zu Lichtverschmutzung und Insektensterben

Sternenhimmel und Lichtverschmutzung - Problematik Insektensterben
Selbst das Licht einer entfernten Stadt kann Nachtfalter irritieren. BILD: AstroBobo | Pixabay

 

Es gibt kaum noch dunkle Orte. Straßenlaternen, Reklametafeln, Gartenbeleuchtung … die Lichtverschmutzung sorgt nicht nur dafür, dass wir kaum Sterne am Himmel sehen, sondern beeinträchtigt auch Insekten. Eine britische Studie aus dem Jahr 2023 zeigt: Die Lichtverschmutzung ist ein großer Faktor beim Insektensterben – und sie betrifft nicht nur die Städte.

 

Falter deuten die Jahreszeiten falsch

Die Forscher*innen züchteten Gitterspanner und teilten die Larven in zwei Gruppen. Eine hatten eine “normale” Tag-Nacht-Umgebung, bei den anderen blieb es nachts “ganz leicht hell” wie bei einem Nachthimmel mit einer weit entfernten Stadt. Das Ergebnis: Ohne Luftverschmutzung bereiten sich die Falter auf den Winter vor – mit Lichtverschmutzung können sie die Jahreszeit anscheinend nicht richtig deuten und werden dann im Winter von der Kälte überrascht, was für sie “das Ende” bedeutet.

 

Warum fliegen Falter zum Licht?

Warum genau Falter vom Licht angezogen werden, ist wissenschaftlich bisher nicht eindeutig geklärt. Eine weitverbreitete Theorie ist, dass Nachtfalter ihre Fluglinie am Mond ausrichten und eine künstliche Lichtquelle sie davon ablenkt.

 

Übrigens: Die korrekte Bezeichnung ist Nachtfalter und nicht Motte. Die Motten machen nur einen sehr kleinen Teil der Nachtfalter aus. Nachtfalter hingegen sind alle Schmetterlinge, die (im Gegensatz zu Tagfaltern) nachts aktiv sind.

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Schmetterlinge – faszinierende Insekten

“Schmetterlinge sind an sich schon wahre Kunstwerke.” – Dietmar Borbe

Tag- und Nachtfalter faszinieren die Menschen schon lange und werden bereits seit Jahrhunderten von Naturforschern erforscht. Zum einen ist da ihre besondere Metamorphose mit 4 Entwicklungsstadien:

  • Ei
  • Raupe
  • Puppe
  • Falter

Des Weiteren sind es natürlich die wunderschönen Schmetterlingsflügel und das zarte Wesen, dass diese Insekten so beliebt macht (selbst ohne Kuschelfaktor).

In dieser Bildergalerie kannst du einiges über seltene Schmetterlinge erfahren:

Moorwiesenvögelchen (Coenonympha oedippus)

Bild 5 von 5

Das Moorwiesenvögelchen ist laut dem WMF "wahrscheinlich die am stärksten bedrohte Schmetterlingsart Europas". © Dietmar Borbe

Schmetterlinge in Peru beobachten

Die meisten Schmetterlinge der Welt gibt es in Peru, Ecuador und Kolumbien. Laut Blickpunkt Lateinamerika gibt es keine genauen Zahlen der drei Länder, doch eine Studie vom Natural History Museum, London (2021) nennt allein für Kolumbien 3.642 Schmetterlingsarten, während es in ganz Europa gerade einmal 496 Arten sind.

Peru gibt sogar an, über 3.700 identifizierte Schmetterlingsarten zu beherbergen. Ganze 20 % aller weltweiten Schmetterlingsarten sollen hier zu finden sein. Beobachten kannst du sie zum Beispiel im Inkaterra Reserva Amazonica. Das nachhaltige Resort befindet sich inmitten des Amazonas-Regenwaldes und hat eine eigene Dschungel-Forschungsstation und mehrere Projekte zum Artenschutz. Neben einer Orchideen-Züchtung umfasst dies auch ein Schmetterlings-Haus. Die Natur erlebst du mit professionellen Führer*innen.

Im Inkaterra Butterfly House entstehen wöchentlich etwa 350 Kokons.

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So kannst du Sympathien für Insekten bei Kindern fördern

Insekten fehlt der “Niedlichkeitsfaktor” (außer vielleicht beim Marienkäfer), weshalb es bei den Menschen nur wenig Sympathien für Insekten gibt. Zoologe Lars Krogmann sagt hierzu im Deutschlandfunk Kultur, dass Erwachsene ihre Einstellung am leichtesten ändern, wenn sie sich der Nützlichkeit der Kleintiere bewusst werden. Kinder hätten hingegen generell ein Interesse an allen Tieren. Sobald sie mit Insekten in Berührung kämen, würden sie auch die Scheu davor verlieren.

“Ich glaube, dass einfach dieser Zeitpunkt, wo Kinder mit Insekten in Berührung kommen, der wird immer später, und er wird auch immer seltener, weil Kinder gar nicht mehr so wahnsinnig viel Zeit draußen verbringen, und wenn sie die Zeit draußen verbringen, auch gar nicht mehr so häufig die Chance haben wie früher, Insekten zu treffen.” – Zoologe Lars Krogmann

 

Naturnaher Urlaub mit Kindern

Nachhaltig Reisen in Seefeld Österreich
In „Siggis Sauhaufen“ entdecken Kinder Tiere und erleben die Natur. © David Johansson | Hotel Klosterbräu

 

Ein Urlaub in der Natur ist hier natürlich eine wunderbare Möglichkeit für Kinder, diese zu entdecken. Das Hotel Klosterbräu im österreichischen Seefeld hat ein wunderbares Kinderprogramm. Zum Hotel gehören eine vegetarische Landwirtschaft, ein Streichelzoo und ein Honigbienenschwarm. Weiterhin gibt es eine Werkstatt, wo Äpfel, Seifen und Honigprodukte verarbeitet werden und rundherum viele weite Wiesen – mit Insekten.

 

Wir hoffen, wir konnten bei dir die Sympathien für Insekten steigern. Und wenn du das nächste Mal einen Ohrwurm siehst, haben wir noch eine weitere Möglichkeit für dich: einfach friedlich weiter krabbeln lassen.

 


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Insektenschutz in nachhaltigen Hotels

Nachhaltigkeit im Alltag: Insektenschutz zu Hause


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