Deine selbstgezogene Zucchini vom Balkon ist weniger nachhaltig, als die konventionelle Supermarkt-Zucchini. Überrascht? Waren wir auch! Doch zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Studie, die sich erstmals auf den Vergleich des CO2-Fußabdrucks von Eigenanbau und Landwirtschaft konzentriert hat. Trotzdem meinen die Forscher*innen: Urban Gardening bleibt wichtig – es sollte allerdings nachhaltiger gestaltet werden. Wie das geht, schauen wir uns an!
Die Studie zu Urban Farming

Die Studie verglich den Obst- und Gemüseanbau von 73 Stadtgärten in den USA, Frankreich, Deutschland, Polen und Großbritannien. Beteiligt waren unter anderem das Dortmunder Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung und die University of Michigan’s School for Environment and Sustainability.
Die Urban-Farmer*innen schrieben dafür genau auf, was sie dafür einkauften und wie ertragreich ihre Ernte war. Verglichen wurde dies dann von den Wissenschaftler*innen mit einem “Warenkorb” aus beliebtem Supermarkt-Obst und -Gemüse aus der konventionellen Landwirtschaft in der jeweiligen Region.
Ergebnis: Die konventionelle Landwirtschaft verursacht sechsmal weniger CO2
Na? Bist du genauso überrascht, wie wir es waren? Dabei ist die Erklärung eigentlich logisch: Die konventionelle Landwirtschaft arbeitet mit ihren Feldern, Gewächshäusern und LKW-Lieferketten (im Gesamtbild) effizienter und damit in diesem Fall emissionsärmer als Stadtgärtner*innen, die in ihrem Garten ein paar Hochbeete für den Eigenbedarf bewirtschaften.
Ein einfaches Beispiel: Stell dir vor, du möchtest auf deiner Terrasse Zucchini züchten. Dafür fährst du in den Baumarkt und ins Gartencenter, kaufst Holz, Erde, Dünger, eine Gießkanne, Zucchinisamen oder Jungpflanzen und gießt immer mit Wasser aus dem Wasserhahn. Am Ende erntest du 30 Zucchini. Berechnet man nun alles an CO2-Emissionen, dass eine einzelne Zucchini verursacht hat, so kannst du dir leicht vorstellen, dass die professionelle Landwirtschaft, welche ihre Prozesse bereits auf höchst mögliche Erträge optimiert hat, einen geringeren Fußabdruck hat. Natürlich baust du nicht jedes Jahr ein neues Hochbeet oder tauschst die gesamte Erde aus, doch darauf kommen wir gleich noch einmal zu sprechen!
Die gute Nachricht: Tomaten vom Balkon sind besser als die aus dem Gewächshaus!
Solltest du jetzt die Harke wieder ins Korn (oder ins Hochbeet) werfen? Nein. Was du nämlich tun kannst, ist Tomaten anzupflanzen. Als eines der wenigen Gemüse haben diese nämlich (im Vergleich zu Gewächshaus-Tomaten!) einen geringeren CO2-Fußabdruck. Es gibt aber noch weitere Dinge, die du tun kannst.
Die 3 größten Fehler beim Urban Gardening und wie du sie vermeidest

Bevor wir dazu kommen, welche Vorteile Urban Gardening und Urban Farming für die Stadtentwicklung bringen, wollen wir uns noch mal damit beschäftigen, was wir denn falsch machen bzw. was wir besser machen sollten. Immerhin waren 17 der 73 untersuchten Gärten klimafreundlicher als die konventionelle Landwirtschaft, sodass die Forscher*innen Anhaltspunkte dafür haben, was ökologisch sinnvoll und was kontraproduktiv ist. Hier sind die häufigsten Fehler und natürlich ihre Lösungen:
#1 Zu kurze Nutzungsdauer
Ein Problem sahen die Autor*innen der Studie darin, dass viele Stadtgarten-Projekte nur für eine kurze Dauer (wie fünf Jahre) bestehen. So müssen alle gekauften Materialien (Hochbeete etc.) auf diese Zeit berechnet werden.
Die Lösungsmöglichkeiten:
-
- Nutze dein neugebautes Hochbeet möglichst lange, gebe es evtl. an Nachmieter weiter oder verkaufe es an andere Stadtgärtner*innen, wenn du es nicht mehr brauchst. So verlängerst du dessen Nutzungsdauer.
- Baue dein Hochbeet aus Upcycling-Materialien wie alten Paletten oder Restholz und nutze zum Beispiel Mutterbodenaushub von anderen Bauprojekten.
- Kaufe Secondhand. Egal ob Hochbeet, Kübel, Pflanzen oder sogar Erde
#2 Falsche Kompostierung
Die meisten Stadtgärtner*innen verwenden Kompost und sparen somit 95 Prozent an Mineraldünger. Das klingt toll, doch leider diagnostizierten die Forscher*innen bei rund 30 Prozent der untersuchten Gärten eine falsche Komposttechnik, mit ungenügender Luftzirkulation, welche zu einem Methanausstoß führt. Methan ist ein noch schädlicheres Treibhausgas als CO2. Wie du Methan im Kompost vermeiden kannst, erfährst du in diesem Insight über Fehler beim Kompostieren.
Die Lösungsmöglichkeiten:
-
-
- Achte darauf, dass dein Boden locker ist, insbesondere über den Winter kann er sich stark verdichten. Lockere ihn also im Frühjahr gründlich auf.
- Beschäftige dich mit Kompostiertechniken. Vielleicht ist für deinen Balkon auch eine andere Technik sinnvoller (z. B. Bokashi, Wurmkiste, etc)
-
#3 Bewässerung mit Trinkwasser
Rund 50 Prozent der Stadtgärtner*innen nutzen zwar gelegentlich Regenwasser, doch nur fünf Prozent nutzen es ausschließlich. Stattdessen läuft die Bewässerung bei 95 Prozent zum Großteil über Trinkwasser aus der Leitung oder gepumptes Brunnenwasser.
Die Lösungsmöglichkeiten:
-
- Zugegeben: Hier sind die Lösungen begrenzt. Schließlich kann sich nicht jeder von uns ein Regenfass auf den Balkon stellen. Wenn du allerdings die Möglichkeit hast, solltest du darüber nachdenken!
- Alternativ: Stelle bei angekündigtem Regen Schüsseln und Eimer auf den Balkon und fange so das Wasser auf, dass du dann zumindest für die nächsten Tage zum Gießen nutzen kannst.
- Eine weitere Möglichkeit ist es, Grauwasser im Haushalt zu sammeln. Zum Beispiel, wenn du Gemüse abspülst, Kochwasser von Kartoffeln, Eiern, etc., Wasser, dass du beim Duschen ablaufen lässt, bis das warme Wasser kommt, usw.
Vorteile von Urban Gardening und Urban Farming

Landwirtschaft gehört aufs Land. So könnte man die Studie jetzt interpretieren. Trotzdem ist es sinnvoll, die Städte zu begrünen – gerade in Zeiten der globalen Erwärmung und des rasanten Bevölkerungswachstum. Auch das sagt die Studie. Hier sind die wichtigsten Vorteile:
- Bäume und andere Pflanzen in der Stadt binden Feinstaub und Schadstoffe.
- Alle Pflanzen, die Photosynthese nutzen, binden CO2. Wie viel das insgesamt ist, hängt von der Masse der Pflanze ab, weshalb der Effekt deiner Tomatenpflanze im Vergleich zu einer Lärche sehr viel geringer ist. Doch frei nach dem Motto „Kleinvieh macht auch Mist“ binden Kleingärten eben auch CO2.
- Pflanzen produzieren Sauerstoff und verbessern somit die Luftqualität.
- Stadtgärten spenden Schatten und kühlen dadurch Straßen und Häuser. Dadurch wird der Energieaufwand von Klimaanlagen gesenkt.
- Urbane Gärten fördern die Biodiversität. Sie bieten Nahrung, Lebensraum und Unterschlupf für Insekten, Vögel, Igel, Echsen und weitere Kleintiere.
- Fördern das Wohlbefinden: Viele Studien belegen, dass sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene in der Natur wohlfühlen und erfreuen. Begrünte Fassaden und leuchtende Blumenbeete sind eine Wohltat fürs Auge.
- Mentale Gesundheit für Stadtgärtner*innen: Die oben zitierte Studie zur Klimabilanz hat bei den Teilnehmenden positive Auswirkungen auf das geistige Wohlbefinden festgestellt. Dies hätten die Interviews mit den Betreiberinnen der 73 Stadtgärten ergeben und dieser Faktor solle laut der Forscher*innen nicht außer Acht gelassen werden.
- Frische der Lebensmittel: Für diejenigen, die Obst und Gemüse anpflanzen, ist oft auch die Frische ein Argument – hier darf alles ausreifen und direkt verzehrt werden.
- Eigener Anbau fördert Bildung und Wertschätzung. Du (und vor allem Kinder) lernen, wie Obst und Gemüse wächst, wie lange es dauert und was es braucht, damit man am Ende auch etwas ernten kann.
Drei beispielhafte Urban Gardening Projekte von unseren Green PearlsⓇ Hotelpartnern
#1 Hotel Milano Scala – Das erste Zero-Emissionshotel in Mailand

Mailand ist als bedeutende Industriestadt nicht unbedingt “grün”, doch ist die Stadt berühmt für vielerlei Innovationen – nicht nur in den Bereichen Mode und Design, sondern auch Stadtentwicklung und Urban Gardening.
Berühmt sind in diesem Zusammenhang vor allem die zwei Hochhäuser “Bosco Verticale” (vertikale Wälder), die der Mailänder Architekt Stefano Boeri vor zehn Jahren errichtete. Sie waren sein erster Versuch, wie man den Wald architektonisch in die Stadt bringen könnte. Seitdem hat Boeri noch weitere solcher Gebäude (u.a. in Mexiko) errichtet.
“Wenn man sich ansieht, was städtisch ist, dann nehmen die Städte nicht mehr als 3 % der Oberfläche der großen Länder des Planeten ein, aber diese 3 % produzieren im Grunde 70 % des CO2, das schlecht für die Atmosphäre ist.” – Architekt Stefano Boeri im Forbes-Interview
Neben Bosco Verticale hat auch das Hotel Milano Scala deine Aufmerksamkeit verdient. Immerhin ist es das erste Zero-Emissions-Hotel in Mailand und versorgt sich selbst mit grüner Energie. Weiterhin setzt das zentral gelegene Hotel auf Stadtbegrünung. Wenn du in der Lobby stehst, blickst du durch ein Glasdach auf die begrünten Fassaden des Innenhofs bis hinauf zum üppigen Dachgarten, dessen Früchte du in den Cocktails der Rooftop Bar und im Restaurant probieren kannst.
- Mailand hat übrigens einen sehenswerten Bahnhof und ist umweltfreundlich mit dem Zug zu erreichen. Mehr darüber erfährst du in unserem Blog: Mit dem Zug nach Italien
#2 Green City Hotel VAUBAN – Vorbild für grüne Stadtentwicklung

Die deutsche Stadt Freiburg hat nicht nur die meisten Sonnenstunden in Deutschland, sondern zeichnet sich auch durch eine entspannte, moderne und “grüne” Atmosphäre aus. Zumindest im noch relativ jungen Stadtteil Vauban!
Der Stadtteil entstand 2006 aus einem ehemaligen Militärgebiet und ist quasi autofrei (bis auf gelegentlichen Lieferverkehr. Stattdessen gibt es ein hervorragendes Netz von Radwegen und eine direkte Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Zudem ist Vauban mit Grünstreifen, Parkanlagen und Urban Gardening ein echter Erholungsort.
Ein Highlight in diesem Gesamtkonzept ist das Green City Hotel VAUBAN. Du findest hier nicht nur eine begrünte Fassade und begrünte Balkone vor, sondern die integrative Einrichtung übernimmt als Hotelbetrieb ökologische und soziale Verantwortung in allen Bereichen.
- Nachhaltig Unterwegs in Freiburg: In unserem Blogbeitrag über nachhaltige Städtereisen gibt Katharina vom Green City Hotel VAUBAN einige Tipps zur Freizeitgestaltung (sowie zum besten Käsekuchen der Stadt).
#3 Hotel Luise hat einen Mikrowald in Erlangen errichtet

Das Hotel Luise, welches nun in der dritten Generation von Öko-Pionier Ben Förtsch geleitet wird, engagiert sich gleich auf mehreren Ebenen für ein besseres Mikroklima in der Stadt Erlangen.
Auf der Dachterrasse wächst ganz oben ein richtiger Baum. Das Herzensprojekt von Ben ist allerdings sein “Mikrowald”. Aufgrund genauer Planung (z. B. die Wurzelsymbiose mit Pilzen) soll der Mikrowald des Hotels Luise in nur zehn Jahren die gleichen Gegebenheiten aufweisen wie ein 100-jähriger Wald. Und das mitten in der bayerischen Großstadt!
Neben dem Nutzen für die Biodiversität zieht das Hotel auch ganz praktische Nutzen durch die Bepflanzung: Sie profitieren vom Schatten (passive Kühlung), von der Geräuschdämmung, der natürlichen Luftfilterung und den vielen Singvögeln.
Fazit
Der Wert von Urban Gardening lässt sich nicht am CO2-Fußabdruck einer einzelnen Zucchino messen. Trotzdem sollten wir die Probleme und die daraus resultierenden Verbesserungsvorschläge nicht außer Acht lassen, damit wir mit unseren urbanen Gärten noch mehr Positives leisten!
Du planst einen eigenen Stadtgarten? Dann speichere dir den Beitrag für später!




