Ein eigenes Shampoo-Stück mit auf Reisen nehmen? Das macht Zero-Waste-Ikone Bea Johnson längst nicht mehr. Wie sie im Gespräch mit dem Green Travel Blog erzählt, sei schon einiges auf dem Weg zur Müllvermeidung besser geworden (z. B. die Shampoospender, die beinahe schon zum Standard gehören). Doch das sei längst nicht genug. Was sie als aller erstes ändern würde? Die Zimmer-Mülleimer.
Wohin mit dem Apfelbutzen im Hotelzimmer?
Bea Johnson hat mit ihrem Bestseller “Zero Waste Home” eine ganze Lifestyle-Bewegung dazu animiert, (fast) ohne Müll zu leben – oder es zumindest zu versuchen. Ihre Tipps gelten aber nicht nur für zu Hause. “Ich verreise sehr viel”, erzählt sie und berichtet: “Ich bin aktuell auf einer Reise wegen eines Vortrags. Gerade heute Abend bin ich mit einem Apfel ins Hotelzimmer gekommen. Um das Kerngehäuse loszuwerden, habe ich die Wahl: entweder in den (Rest-)Müll werfen oder es in einer ihrer Pflanzen vergraben. Ich bevorzuge klar die zweite Option, aber das Hotel wohl nicht …
Bea fordert: “In jedem Hotelzimmer sollte ein Behälter für kompostierbare Abfälle sein – mit deutlicher Beschriftung und Erklärung”. Es sei zwar richtig, dass immer mehr Hotels Recycling anbieten würden, doch wer ihre Haltung kennt, weiß, dass sie nicht “mehr Recycling von Müll” fordert, sondern gar keinen Müll. So wie organische Abfälle, die (eigentlich) vollständig in den Naturkreislauf zurückkehren können.
Kosmetiktücher sind das nächste Problem
In den geforderten Komposteimer könnten laut Bea auch Kosmetiktücher. „Ich selbst nutze nie Papiertaschentücher“, sagt sie, „doch ich sehe solche oft in Hotelzimmern“. Reisende, die die Papiertücher nutzen, könnten diese dann theoretisch im Kompost verwerten – zumindest aus Sicht der reinen Materialbeschaffenheit.
In der Praxis scheitert dieser Ansatz in den meisten Ländern jedoch an den strengen Vorschriften der Abfallbetriebe. Aus Hygienegründen (Keimbelastung) und wegen der Reißfestigkeit moderner Tücher gehören sie fast überall strikt in den Restmüll.
Letztendlich erweist sich Johnsons persönlicher Weg als die einzig wirklich praktikable Zero-Waste-Lösung: Papiertaschentücher komplett zu meiden, stattdessen auf waschbare Stofftaschentücher zu setzen und diese in der Waschmaschine zu reinigen.

Was sagen Hoteliers zum Thema Zero Waste und Mülltrennung im Hotelzimmer?
Nun zurück zum Bio-Mülleimer auf den Hotelzimmern. Was sagen Hoteliers dazu? Im Green PearlsⓇ Netzwerk finden sich einige der Pioniere in puncto Müllvermeidung. So z. B. das SCHWARZWALD PANORAMA in Bad Herrenalb. Gastgeber Stephan Bode ist, wie Bea Johnson, fasziniert von der Idee, eine “Welt ohne Müll” zu gestalten. Dafür setzt er vor allem auf den Kreislauf-Gedanken nach Professor Dr. Michael Braungart. Auf Braungarts Ideen (Cradle to CradleⓇ) stützt sich auch das Konzept der dortigen Circular-Living-Hotelzimmer, aus komplett kreislauffähigen Materialien.

Das Hotel recycelt in 17 Wertstoffe
Hotel SCHWARZWALD PANORAMA sieht sich auch als Teil von Bea Johnsons’ Zero-Waste-Bewegung. Seit Jahren bietet es schon ein “Zero-Waste-Frühstücksbuffet” komplett ohne Verpackungsmüll an. Zudem trennt es den im laufenden Betrieb anfallenden Müll in 17 verschiedene Wertstoffe.
“Ein wichtiger Bestandteil ist unser mehrsprachig gestalteter Müllraum”, erzählt das Hotel. Getrennt werden hier z. B. auch Dinge wie Kronkorken und Kerzenwachs, die separat recycelt werden. Die Mitarbeiter*innen erhalten regelmäßig Müllschulungen. “Dabei erklären wir nicht nur, welcher Abfall in welche Fraktion gehört, sondern auch, warum die richtige Trennung für Recycling, Ressourcenschonung und unsere Nachhaltigkeitsziele so wichtig sind.”
Hoteliers halten einen Kompostbehälter für unpraktikabel
Ein Kompostbehälter auf jedem Hotelzimmer? “Nein, aktuell haben wir keine Komposteimer direkt in unseren Hotelzimmern”. sagt das SCHWARZWALD PANORAMA. “Die Idee von Bea Johnson ist auf jeden Fall spannend. Aber gerade Bio- und Speiseabfälle fallen bei uns hauptsächlich in der Küche, im Restaurant und beim Frühstück an und werden darum auch dort für den Kompost sortiert.” Auf den Gästezimmern seien die Mengen vergleichsweise gering und gleichzeitig sehr unterschiedlich. “Ein zusätzlicher Komposteimer würde voraussetzen, dass die Trennung von allen Gästen korrekt vorgenommen wird und die Behälter regelmäßig hygienisch geleert und gereinigt werden.”
“Reinigung oder Beutel stehen in keinem Verhältnis zum organischen Müllaufkommen”
So sieht es auch das Hotel Korinjak in Kroatien: “Unserer Erfahrung nach essen Gäste in der Regel nicht in ihren Zimmern, sodass dort tatsächlich nur sehr wenig organischer Lebensmittelabfall anfällt”, heißt es. “Die Einführung eines separaten Kompostbehälters in jedem Zimmer würde daher wahrscheinlich mehr zusätzlichen Aufwand und Ressourcenverbrauch verursachen als echten Nutzen bringen. Die Behälter müssten regelmäßig geleert und gereinigt oder alternativ mit zusätzlichen Beuteln ausgekleidet werden, was für eine sehr geringe Menge an organischem Material eine weitere Quelle für Wasserverbrauch, Reinigungsmittel oder Abfall darstellen würde.”
Im Hotel Korinjak hält man es daher für sinnvoller, deutlich gekennzeichnete Behälter für organische Abfälle in geeigneten Gemeinschaftsbereichen aufzustellen, wo Gäste sie bei Bedarf nutzen können.

Das OCÉANO Health Spa Hotel auf Teneriffa fügt hinzu: “Gerade in einem warmen Klima wie auf Teneriffa stellen sich hier Fragen hinsichtlich Hygiene, Geruchsentwicklung und Schädlingsprävention.” Insbesondere Ameisen seien bei den ganzjährig milden Temperaturen ein Thema, das berücksichtigt werden müsste.
Dennoch sei die Idee von Bea Johnson “grundsätzlich sehr interessant und wir können uns gut vorstellen, dass dieses Thema auch viele unserer Gäste anspricht”, antwortet das OCÉANO. Perspektivisch könne man sich wie im Hotel Korinjak eine zentrale, gut organisierte Sammelstelle im Hotel vorstellen. “So ließe sich die Trennung organischer Abfälle sinnvoll umsetzen, ohne den Komfort und die hygienischen Erwartungen unserer Gäste zu beeinträchtigen.”
Was ein einzelner Apfel ins Rollen bringen kann

Wie du siehst, hat ein einziger Apfelbutzen schon deutlich Bewegung in die Debatte gebracht. Während die meisten Menschen im Urlaub doppelt so viel Müll produzieren wie zu Hause, gibt es auch welche, die ganze Hotels zur Müllvermeidung animieren.
Unser Vorschlag: Wenn du das nächste Mal im Hotel organischen Abfall zu entsorgen hast, dann wirf ihn nicht einfach in den Zimmermülleimer (oder Blumenkübel), sondern geh “die Extra-Meile” zur Rezeption und frage: “Wo kann man denn bei Ihnen den Kompost entsorgen?”


