Grauwasser in der Toilette, Null-Kilometer-Gemüse auf dem Teller und ein Tiny Forest hinter dem Hotel. Warum klingt Wärmerückgewinnung zwar herrlich unsexy, ist für ein Hotel aber oftmals relevanter als der Bambusstrohhalm? Wir übersetzen für dich das Vokabular des nachhaltigeren Reisens.
Los geht’s.
A wie Astronautendusche, Aufforstung und Amenities

Amenities, die: Du hattest im Hotel mit Sicherheit auch schon Amenities in der Hand. Dazu zählen Shampoo-Minis, Duschhauben, Nähsets, Zahnbürsten und die berühmten Einweg-Hotelslipper. Doch zumindest bei bestimmten Kleinstverpackungen für Kosmetik-, Hygiene- und Toilettenartikel zur einmaligen Nutzung läuft die Zeit ab: Ab 1. Januar 2030 dürfen Beherbergungsbetriebe sie in der EU nicht mehr anbieten. Green Pearls® Partner setzen bereits auf nachfüllbare Spender, feste Seifen oder andere Lösungen, um unnötigen Müll zu vermeiden und gleichzeitig deinen Komfort zu sichern. In vielen Unterkünften ist es außerdem explizit erwünscht, eigene Slipper mitzubringen.
Astronautendusche, die: Duschen wie auf dem Mars? Fast. Die Kreislaufdusche von Orbital Systems geht auf eine Idee zurück, die Entwickler Mehrdad Mahdjoubi während eines NASA-Projekts für eine Marsmission entwickelte. Benutztes Wasser wird geprüft, gefiltert, erneut erwärmt und wiederverwendet. Im Hotel Luise in Erlangen spart die Technologie laut eigenen Angaben rund 90 Prozent Wasser und 80 Prozent Energie gegenüber herkömmlichen Duschen.
Aufforstung, die: Neue Bäume zu pflanzen klingt erst einmal immer gut. Ökologisch entscheidend sind jedoch unter anderem Standort, Baumarten, Bewirtschaftung und die Frage, welches Ökosystem vorher vorhanden war. Aufforstung sollte außerdem nicht automatisch als Freifahrtschein für Emissionen an anderer Stelle betrachtet werden.
In unserem Artikel Bäume pflanzen fürs Klima? erfährst du mehr darüber.
B wie B Corp, Bio und Biodiversität

B Corp: B Corp ist eine internationale Unternehmenszertifizierung der Organisation B Lab, die neben ökologischen Kriterien auch Unternehmensführung, Mitarbeitende, Kund*innen und gesellschaftliche Auswirkungen betrachtet.
Bio: Anders als viele andere Nachhaltigkeitsbegriffe ist „Bio“ bei Lebensmitteln in der EU rechtlich geregelt. Ein Bio-Betrieb muss strenge Auflagen erfüllen, bevor er sich zertifizieren lassen kann. Ein Bio-Ei ist deshalb etwas anderes als ein „Ei vom glücklichen Huhn“. Bei einem Hotel lohnt sich ein Blick auf das Gesamtkonzept: Ist beispielsweise das gesamte gastronomische Angebot bio-zertifiziert (wie z. B. im SCHWARZWALD PANORAMA in Bad Herrenalb mit “Bioland Gold” Zertifizierung) oder stammen einzelne Lebensmittel aus der Bio-Landwirtschaft? Und falls dich interessiert, ob Bio wirklich besser ist: Mit genau dieser Frage haben wir uns in dem verlinkten Artikel beschäftigt.
Biodiversität, die: Das Wort selbst bedeutet biologische Vielfalt und umfasst die Vielfalt der Arten, Gene und Ökosysteme. In Bezug auf die Hotellerie kann das beispielsweise bedeuten, Außenflächen naturnaher zu gestalten, Lebensräume zu erhalten oder zurück zu gewinnen. Das Inkaterra Machu Picchu Pueblo Hotel in Peru wurde auf einem Gelände erbaut, das ursprünglich als Farmland genutzt und daher gerodet worden war. In jahrzehntelanger Arbeit (seit 1975) pflanzte das Hotel tausende einheimischer Pflanzen und brachte damit nach und nach den ursprünglichen Nebelwald zurück. Heute leben mehrere hundert (!) Vogelarten, Schmetterlinge und andere Tiere sowie zahlreiche heimische Orchideen dort.
Jeder Wald, den wir erhalten, jede Art, die wir schützen, und jede Landschaft, um die wir uns kümmern, ist Teil einer gemeinsamen Zukunft.“ — Inkaterra
Bio-Hotel, das: Ein Hotel ist keine Tomate und darum ist es schon ziemlich komplex, ein ganzes Hotel als “bio” zu bezeichnen. Green Pearls® Partner wie das STURM oder das Hotel Bella Vista Zermatt haben „Bio“ inzwischen aus ihrem Namen gestrichen, verwenden aber natürlich trotzdem viele (oder sogar fast ausschließlich) Bio-Produkte in der Küche und im Spa. Das Naturresort Gerbehof ist Mitglied im Verein BIO HOTELS, dessen Vorgaben neben zertifizierten Bio-Lebensmitteln auch Bereiche wie Kosmetik, Energie, Reinigung und Ausstattung umfassen. Es dürfte sich darum Biohotel nennen, trägt aber den Namen “Naturresort Gerbehof”.
C wie CO₂-Fußabdruck und Circular Hospitality
Carbon Credits, die: Als solche werden Emissionsgutschriften bezeichnet, die beispielsweise aus Klimaschutzprojekten stammen. Sie waren lange die Grundlage vieler Kompensationsmodelle. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen eigene Emissionen reduzieren und außerhalb der eigenen Wertschöpfungskette Projekte finanzieren. Das ist nicht dasselbe.
Charity-Hotel, das: Urlaub machen und damit soziale Projekte finanzieren? So sollen „Charity-Hotels“ funktioniere (Hinweis: Der Begriff ist keine geschützte Bezeichnung.) Beim The Pavilions Himalayas – The Farm in Nepal fließen nach Angaben des Resorts 70 Prozent der Nettoeinnahmen an die Organisation Right4Children, die Kinder und Jugendliche in Nepal unterstützt.
Circular Hospitality, die: Kreislaufwirtschaft fürs Hotel kann funktionieren. Dazu zählen beispielsweise Maßnahmen wie Möbel-Upcycling statt sie wegzuwerfen oder Matratzen zurücknehmen zu lassen (z. B. von SWISSFEEL, einem Hersteller für Kreislaufmatratzen). Ziel ist, Ressourcen möglichst lange im Kreislauf zu halten.

CO₂-Fußabdruck, der: Beschreibt vereinfacht die Menge an Treibhausgasemissionen, die durch eine Person, ein Produkt oder eine Reise verursacht wird. Genau genommen sollte von CO₂-Äquivalenten (CO₂e) gesprochen werden, denn neben CO₂ werden dabei weitere klimawirksame Gase berücksichtigt.
Community-based Tourism, der: Das ist eine Art von Tourismus, bei dem lokale Gemeinschaften maßgeblich an Entwicklung und Wertschöpfung beteiligt sind. Wichtig ist nicht, dass Tourist*innen ein Dorf besuchen, sondern wer darüber entscheidet, wie der Tourismus gestaltet wird, und vor allem wer davon profitiert.
Cradle-to-Cradle-Prinzip, das: Wörtlich bedeutet es „von der Wiege zur Wiege“ und folgt damit einem ähnlichen Ansatz wie die Circular Economy bzw. Hospitality . Produkte sollen so entwickelt werden, dass ihre Materialien nach der Nutzung wieder als Rohstoff für neue Produkte dienen können. Hotel Luise und SCHWARZWALD PANORAMA haben ganze Hotelzimmer nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip entworfen.
D wie Direktbuchung und Destination Stewardship
Destination Stewardship, das: Ein sperriger Begriff mit interessanter Idee: Ein Reiseziel wird nicht nur als Produkt für Tourist*innen betrachtet, sondern als Lebensraum, für dessen langfristige Entwicklung Destinationsmanagement, Bevölkerung und Betriebe gemeinsam Verantwortung tragen. Im Ahrntal undin Sand in Taufers wird dieser Ansatz unter anderem über Mobilität, lokale Wirtschaftskreisläufe sowie Natur- und Kulturschutz verfolgt. Mittendrin: das Green Pearls® Partner-Aparthotel OLM Nature Escape, das mit dem Südtirol Nachhaltigkeitslabel Level 3 ausgezeichnet und GSTC-zertifiziert ist.

Digital Detox, der: Urlaub vom Bildschirm oder auch Handy aus, Wald an. Aus Nachhaltigkeitssicht ist das natürlich kein wirkliches bzw. effektives Umweltkonzept, für die eigene Beziehung zum Reisen und zur Natur aber durchaus spannend. Wer weniger durch den Feed scrollt, nimmt vielleicht (wahrscheinlich) mehr von dem Ort wahr, an dem er gerade ist. Einige Hotels wie das Hotel Weihrerhof auf dem Ritten in Südtirol bieten ihren Gästen spezielle Digital-Detox-Pakete.
Direktbuchung, die: Buchst du direkt beim Hotel (entweder über das hotelinterne Buchungssystem oder per Anruf/Email), entfällt die Provision an eine Buchungsplattform. Das Geld bleibt damit zu einem größeren Anteil beim Beherbergungsbetrieb. Das ist auch einer der Gründe, warum sich Green PearlsⓇ für Direktbuchungen einsetzt.
Duschsparkopf, der: Weniger Wasser, gleicher Duschkomfort? Dies versprechen Spar-Duscharmaturen und zusätzliche Systeme wie EcowaterJet by rabmerⓇ, die durch das Venturi-Prinzip Luft ins Wasser mischen. Der Druck bleibt erhalten, während gleichzeitig deutlich weniger Wasser (laut rabmer bis zu 50%) verbraucht wird.
E wie Energieautarkie und erneuerbare Energien
E-Ladestation, die: Lademöglichkeiten für Reisende mit E-Autos werden glücklicherweise immer mehr zu einem Standard, gerade in eher nachhaltig orientierten Unterkünften. Wie ökologisch wertvoll sie ist, hängt davon ab, welcher Strom geladen wird, ob beispielsweise Strom aus dem normalen Netz bezogen wird, es Ökostrom ist oder ob er sogar von einer eigenen PV-Anlage kommt. Tipp: In diesem Artikel findest du 15 Hotels mit E-Ladestation und Ökostrom.
Energieautarkie, die: Energieautark sein bedeutet, dass ein Gebäude oder Betrieb seinen Energiebedarf vollständig selbst decken kann und damit unabhängig von externen Zulieferern ist. So macht es z. B. das OLM Nature Escape mit Hilfe von Erdsonden und Photovoltaik..
Erneuerbare Energien, die: Energie aus Quellen wie Sonne, Wind, Wasser, Geothermie oder Biomasse, die sich – anders als fossile Energieträger wie Erdöl oder Erdgas – natürlich erneuern beziehungsweise nicht durch ihre Nutzung aufgebraucht werden, nennt man „erneuerbare Energien“. Interessant wird es im Hotel, wenn konkret wird, welche Energie woher kommt und welchen Anteil des Verbrauchs sie deckt.
EU Ecolabel, das: Die kleine Blume mit dem EU-Sternenkranz ist das offizielle Umweltzeichen der Europäischen Union. Auch Hotels können damit ausgezeichnet werden, wenn sie festgelegte Kriterien etwa zu Energie, Wasser und Abfall erfüllen. Zu den Green Pearls® Partnern mit EU Ecolabel gehört beispielsweise der Klosterhof – Alpine Hideaway & Spa im Berchtesgadener Landsowie das Hotel Luise in Erlangen.

F wie Farm-to-Table und Flugkompensation
Fair Trade, der: Fairer Handel soll Produzent*innen bessere Handelsbedingungen ermöglichen. Produkte mit Fairtrade-Siegel sind besonders bei Importgütern wie Gewürzen oder Kaffee wichtig, da so sichergestellt wird, dass beispielsweise Kakao- oder Kaffee-Bauern einen fairen Lohn erhalten.
Farm-to-Table-Konzept, das: Vom Bauernhof direkt auf den Tisch, zumindest der Idee nach. Gemeint ist eine möglichst direkte Beziehung zwischen Erzeuger*innen und Gastronomie und kurze Wege von der Produktion auf deinen Teller. Ein besonderes Beispiel ist das Bio- und Wellnessresort Stanglwirt, das sich selbst als „Landwirtschaft mit angeschlossenem Luxushotel” bezeichnet. Zum Hotel gehören Grünland und Almgebiet, es gibt Kühe und deren Milch wird in der eigenen Käserei verarbeitet. Die Produkte findest du sowohl auf dem Teller als auch im Hotelshop (Hofladen). Etwas kleiner aber ebenso engagiert und liebevoll betreibt auch das Schloss Lerchenhof in Kärnten eine eigene Landwirtschaft und integriert sie in ihr Slow Food Konzept für die Gäste.

Flugkompensation, die: Dabei werden die Emissionen deines Fluges berechnet und entsprechend Geld in Klimaschutzprojekte investiert. Wichtig: Die Emissionen des Fluges verschwinden dadurch nicht und es ist auch keine Einladung zum Viel-Fliegen. Mehr dazu gleich bei K wie klimaneutral.
G wie Grauwasser und Greenwashing
Gästekarte, die: In vielen Destinationen bekommst du sie bei der Übernachtung dazu. Auf dem Ritten erhältst du z. b. beim Hotel Weiherhof, ADLER Ritten und dem APIPURA hotel rinner die Rittencard. Mit dieser fährst du kostenlos mit Bus, Bahn und Seilbahn und kommst auch vergünstigt in Museen. Das Auto kann stehen bleiben.
Erfahre hier mehr darüber, welche Hotels Gästekarten anbieten.
Geothermie, die: Als Geothermie wird die Nutzung von Wärme aus dem Erdreich bezeichnet. Hotels können sie dann beispielsweise über Wärmepumpensysteme zum Heizen und teilweise auch zum Kühlen einsetzen. Das OLM Nature Escape in Südtirol nutzt ein Geothermie-System mit 126 Erdsonden in 100 Metern Tiefe. Zusammen mit Photovoltaikanlagen ist das Aparthotel damit komplett energieautark.
Grauwasser, das: Bereits genutztes, relativ gering verschmutztes Abwasser, beispielsweise aus Duschen oder Waschbecken kann je nach System aufbereitet und etwa für die Toilettenspülung oder Bewässerung verwendet werden. So wird nicht mit jeder Spülung Trinkwasser die Toilette hinunter gespült.
Greenwashing, das: Für den Fall, dass Unternehmen ihre Umweltleistung positiver, umfassender oder eindeutiger darstellen, als sie tatsächlich belegt werden kann, hat sich der Begriff Greenwashing etabliert. Auch vage Begriffe, irrelevante Einzelmaßnahmen oder das Hervorheben eines „grünen“ (aber eher unwichtigen) Details können ein verzerrtes Gesamtbild erzeugen.
H wie hausgemacht und Honig

Handtuchwechsel, der:Du kennst das Schild: „Hilf uns, die Umwelt zu schützen. Hänge dein Handtuch auf.“ Grundsätzlich sinnvoll, aber er gilt als der Klassiker des Hotel-Greenwashings! Tatsächlich ist dies selbst in Luxushotels längst Standard. Mit dem Kriterienkatalog 2025–2030 der Hotelstars Union wurde das System europaweit sogar gestärkt. Der Handtuchwechsel wurde von einem Opt-out (standardmäßig wechseln, außer der Gast widerspricht) zu einem klaren Opt-in-System (Towel change on demand).
Hausgemacht: Nach Einschätzung von Lebensmittelklarheit sollte ein als hausgemacht bezeichnetes Produkt vom Küchenpersonal selbst zubereitet sein. Woher die verwendeten Lebensmittel stammen oder ob sie bio sind, verrät „hausgemacht“ allerdings nicht. Dafür musst du noch einmal nachfragen.
Honig, der, oder: „Unser eigener Honig“: Mit diesem Versprechen (in dieser oder ähnlicher Wortwahl) werben erstaunlich viele Beherbergungsbetriebe. Doch jetzt wird es detektivisch: Gehören die Bienenstöcke wirklich zum Hotel? Stehen sie auf dem Hotelgelände oder woanders? Betreut sie ein*e Imker*in aus dem Ort oder hat das Hotel einen eigenen? Kommt vielleicht lediglich das Hotel-Etikett aufs Glas? Seit dem 14. Juni 2026 gelten in der EU strengere Herkunftsregeln für Honig: Bei Mischungen müssen Länder und Anteile genau angegeben werden. Ein guter Grund, das Honigglas einmal umzudrehen. Und wenn du dich mit einem Profi unterhalten willst, dann sprich mit Gastgeber Paul Rinner vom APIPURA hotel rinner. Seine Bio- Imkerei gehört zum Hotel und die Bienen kannst du bei einem Spaziergang auf dem Hotelgelände bei ihrer Arbeit beobachten.
I wie Impact
Impact, der: Oder auch übersetzt: Wirkung. Der Begriff taucht immer häufiger in Nachhaltigkeitsberichten auf. Statt nur Maßnahmen aufzuzählen, wird gefragt: Was hat sich dadurch tatsächlich verändert?
J wie JOMO

JOMO (Joy of Missing Out): Die Freude daran, etwas zu verpassen, wird immer wichtiger als Gegenentwurf zu „FOMO“ (Fear of missing out). Statt fünf Sehenswürdigkeiten an einem Tag abzuhaken, bleibst du lieber noch eine Stunde am See sitzen. Statt zum viralen Aussichtspunkt zu fahren, gehst du auf dem ruhigeren Wanderweg nebenan. JOMO ist kein offizielles Nachhaltigkeitskonzept, passt aber gut zu bewussterem und langsameren Reisen.
K wie klimaneutral und Kompensation
Klimaneutralität, die: Das ist einer der Begriffe, von denen wir uns ein für alle mal verabschieden sollten. Nicht nur, weil die EU-Richtlinie 2024/825 (ab Ende September 2026) ausdrücklich Aussagen wie „klimaneutral“, „CO₂-neutral zertifiziert“, „CO₂-positiv“ oder „mit Klimaausgleich“ verbietet, wenn dadurch der Eindruck entsteht, ein Produkt oder eine Dienstleistung habe neutrale, verringerte oder positive Auswirkungen auf das Klima, obwohl lediglich die Treibhausgasemissionen kompensiert wurden.
Das bedeutet nicht, dass Unternehmen keine externen Klimaschutzprojekte mehr finanzieren dürfen. Sie dürfen auch darüber informieren. Nur wird aus einem Flug durch das Zahlen eines Betrags X an Kompensationsprojekte eben kein „neutraler“ Flug ohne Klimaauswirkung. Die Klimaauswirkungen bleiben dieselben.
Kompensation, die: Mit der Finanzierung von bestimmten Projekten, die andernorts Emissionen vermeiden, reduzieren oder CO₂ binden sollen, werden die selbst verursachten Emissionen ausgeglichen. So die Theorie. Das kann sinnvoll sein, ersetzt aber nicht die Reduktion eigener Emissionen. Problematisch wird es, wenn dadurch der Eindruck entsteht, ein Flug oder Hotelaufenthalt sei „klimaneutral“, habe also keine Auswirkungen auf das Klima. Genau solche kompensationsbasierten Aussagen untersagt die EU künftig.
L wie Lebensmittel aus 0 km und Local-First-Prinzip

0-km-Lebensmittel, die: Null-Kilometer-Produkte stehen für extrem kurze Lieferketten und lokal erzeugte Lebensmittel. Besonders konsequent ist das, wenn Salat, Kräuter oder Obst direkt im Hotelgarten wachsen.
Local-First-Prinzip, das: Erst schauen, was es vor Ort gibt, bevor man über die Grenzen der Region oder des Landes hinaus geht. Dies betrifft nicht nur Lebensmittel, sondern in diesem Fall auch Handwerker*innen, Möbel, Dienstleistungen oder Mitarbeitende. Die Idee ist, dass ein Hotel dadurch lokale Wertschöpfung betreibt und das Geld aus dem Tourismus der Region und Bevölkerung vor Ort zukommt.
M wie Mikrowald und Mikroplastik

Mikroplastik, das: Jeder Stoff und jedes Material zersetzt sich mit der Zeit. So ist es auch mit Kunststoff. Doch da dieser nicht biologisch abbaubar ist, wird daraus nicht irgendwann mal Erde, sondern es werden einfach immer kleinere und kleinere Teilchen, die wir mittlerweile auch trinken und einatmen und die sich im Körper ablagern. Die Auswirkungen von Mikroplastik auf die Umwelt und die Menschen sind noch längst nicht abschließend erforscht. Gute werden es vermutlich nicht sein.
Mikrowald, der: Die auch als Tiny Forest bezeichnete Maßnahme basiert auf einem in Japan entwickelten Konzept. Auf einer kleinen Fläche werden heimische Baum- und Straucharten so gepflanzt, dass sich möglichst schnell ein strukturreicher kleiner Wald entwickelt, welcher die gleichen positiven Eigenschaften hat wie ein großer. Im Hotel Luise sorgt ein solcher Mikrowald direkt vor dem Stadthotel auch für eine kühlere Fassade.
Mobilitätskonzept, das: Wie kommen Gäste ohne eigenes Auto zum Hotel und vor Ort von A nach B? Ein durchdachtes Konzept kann Bahn-Shuttle, ÖPNV, Fahrräder, E-Bikes und Informationen zur autofreien Anreise miteinander verbinden.
Mülltrennung, die: Eigentlich sollte sie selbstverständlich sein (wobei wir hier in Deutschland ja ohnehin Mülltrennungs-Weltmeister sein könnten). Im Hotel ist sie allerdings komplexer als die drei Tonnen zu Hause: Küche, Housekeeping, Spa und Gästezimmer produzieren sehr unterschiedliche Abfallströme, die mal mehr, mal weniger konsequent getrennt werden (können). Vielerorts ist es als Gast sogar schlicht nicht möglich, sich an der Mülltrennung zu beteiligen, da nur ein Abfalleimer breitsteht. Im ADLER Ritten gibt es dagegen auch in den Gästezimmern die Option, den eigenen Müll zu trennen, und im SCHWARZWALD PANORAMA sortiert das Team den Müll sogar in 13 verschiedene Kategorien, darunter Kronkorken und Wachsreste.
N wie Net Zero und Nature Positive
Nachtzug, der: Transportmittel und Hotelzimmer in einem. Besonders auf europäischen Strecken kann der Nachtzug eine Alternative zum Kurzstreckenflug sein.
Nature Positive: Gemeint ist bei diesem aktuellen Trend-Begriff aus dem Tourismus und der Nachhaltigkeit ein Ansatz, der nicht beim Reduzieren von Schäden stehen bleibt, sondern zur Wiederherstellung von Natur beitragen soll. WTTC, UN Tourism und die World Sustainable Hospitality Alliance arbeiten an entsprechenden Ansätzen für den Tourismussektor. Wichtig bleibt die Frage: Welche messbare Verbesserung steckt hinter dem Claim?
Naturkosmetik, die: Kosmetik, wo alle Inhaltsstoffe aus der Natur stammen. Erdölprodukte (Silikone, Paraffinen, Mikroplastik) sind ebenso untersagt wie synthetische Inhaltsstoffe (Duft-, Farb- und Konservierungsstoffe).
Nebensaison, die: Als Nebensaison gelten die Monate des Jahres, die nicht zur Hauptsaison gezählt werden. Wobei es inzwischen noch weitere Saisons gibt (Shoulder Season oder Randsaison zum Beispiel). Reisen außerhalb der beliebtesten Reisezeiten (Ferienzeiten, Sommer bzw. Winter) entzerrt den Besucherdruck und verteilt zudem die Einkünfte aus dem Tourismus gleichmäßiger über das Jahr.
Net Zero, die: Netto-Null bedeutet, dass verbleibende Treibhausgasemissionen durch dauerhafte Entnahmen aus der Atmosphäre ausgeglichen werden sollen. Der Begriff sollte nicht mit „keine Emissionen“ verwechselt werden und braucht immer Kontext: Was wird erfasst, welches Zieljahr gilt und wie soll die Reduktion erreicht werden?

O wie Overtourism und Ökostrom
Ökostrom, der: Laut dem Magazin Utopia ist “echter Ökostrom” nur Strom, der sowohl aus erneuerbaren Energien stammt, als auch von Anbietern stammt, die echten Zusatznutzen bringen, also beispielsweise in erneuerbare Energien investieren und keine Kohle oder Atomkraftwerke für andere Tarife betreiben.
Overtourism, der: Touristen haben leider schon viele Orte zerstört, weil sie einfach zu schön waren, z. B. Maya Bay in Thailand. Kaum hatten Urlauber die paradiesische Bucht entdeckt, beschädigten sie über 90 % der dortigen Korallen. Auch Machu Picchu war in Gefahr durch Overtourism zerstört zu werden, doch die Inkaterra Hotelgruppe engagierte sich hier zusammen mit den lokalen Behörden vorbildlich.
P wie Photovoltaik und plant-based

Pflanzenbasierte (Plant-based) Küche, die: Viele Hotels bevorzugen mittlerweile den Begriff „plant-based“ anstelle von „vegan“, da er den Fokus gezielt auf Ernährung und Genuss legt, statt auf die ethische Weltanschauung und Lebenseinstellung des Veganismus. Der Begriff wirkt neutraler und lässt der Küche mehr Flexibilität. So sind kleine Ausnahmen – wie ein Löffel Honig – durchaus möglich.
Photovoltaik, die: Photovoltaik hat weltweit die größte Kraftwerkskapazität und übertrifft laut der Internationalen Energieagentur (IEA) in ihrer Nennleistung bereits Kohle, Gas und Atomkraft. Da die Sonne jedoch nicht permanent scheint, liegt die tatsächlich erzeugte Strommenge aktuell noch hinter der Kohle. Dennoch ist die Dimension gewaltig: Schon jetzt reicht die weltweit durch Solaranlagen gewonnene Energie rechnerisch aus, um den kompletten Strombedarf aller 27 EU-Staaten zu decken.
Q wie Quellwasser
Quellwasser, das: „Wasser aus eigener Quelle“ ist im Tourismus grundsätzlich nachhaltig, da Verpackungsmüll und lange Transportwege entfallen. Um Greenwashing zu vermeiden, muss die Entnahme jedoch kreislauforientiert und im Einklang mit dem lokalen Ökosystem geschehen – wie beim Bio- und Wellnessresort Stanglwirt.
R wie regeneratives Reisen und regional

Refill, der: Das Prinzip basiert darauf, dass Urlauber*innen eigene Mehrwegflaschen kostenlos an Stationen (gelistet z. B. in der Refill-App) oder hoteleigenen Filtersystemen auffüllen können.
Regeneratives Reisen, das: Dieser Ansatz geht über den klassischen nachhaltigen Tourismus hinaus: Statt den ökologischen Fußabdruck nur zu minimieren und Auswirkungen zu reduzieren, soll eine Reise die Destination messbar besser hinterlassen, als sie vorgefunden wurde. Für Reisende bedeutet das den Wandel vom Konsumenten zum Gestalter.
Regionalität, die: Im Kontext von Hotelküchen ist dieser Begriff im Marketing sehr beliebt. Verbraucherschützer*innen weisen jedoch darauf hin, dass „regional“ nicht gesetzlich geschützt oder an eine feste Kilometergrenze gebunden ist. Verbraucherumfragen haben gezeigt, dass Gäste bei “regional” einen Umkreis von 50 bis 100 Kilometern erwarten. Nachhaltige Vorreiter-Hotels listen Entfernungen und Erzeugernamen direkt auf der Speisekarte auf oder geben auf Nachfrage gern Auskunft.
S wie Slow Travel und saisonal
Saisonalität, die: Saisonale Küche orientiert sich daran, wann Lebensmittel in der jeweiligen Region natürlicherweise verfügbar beziehungsweise erntereif sind.
Slow Travel: Diese Art des Reisens entstand als Konzept Mitte der 2000er Jahre (festgehalten im Slow Travel Manifest von 2009), ihre Wurzeln liegen jedoch in der italienischen Slow-Food-Bewegung von 1986. Statt beim „Fast Travel“ möglichst viele Sehenswürdigkeiten in Rekordzeit abzuhaken, setzt dieser Ansatz auf Entschleunigung, längere Aufenthalte an einem einzigen Ort und die Nutzung CO₂-armer Verkehrsmittel wie Zügen.
Soziale Nachhaltigkeit, die: Faire Arbeitsbedingungen, Teilhabe, Barrierefreiheit, lokale Wertschöpfung, Menschenrechte: Nachhaltigkeit im Tourismus betrifft nicht nur Energie und Wasser, sondern Menschen, weshalb die Soziale Nachhaltigkeit im Tourismus eine wichtige Säule ist.
Stay Longer: Gerade wenn die Anreise einen großen Teil des Klima-Fußabdrucks ausmacht, kann die Aufenthaltsdauer eine wichtige Stellschraube sein. Denn je länger du bleibst, desto eher lohnt sich eine weite Anreise und desto mehr profitieren die Menschen vor Ort von deinem Aufenthalt.
In unserem Artikel Dürfen wir noch Fliegen? beschäftigen wir uns tiefer mit dem Thema.
T wie Tourismusabgabe
Tourismusabgabe, die: Diese Gebühr (oft als Kurtaxe oder Übernachtungssteuer erhoben) stößt bei Reisenden und Hoteliers meist auf Widerstand, da sie zu bürokratischem Mehraufwand führt und den Urlaub verteuert. Sinnvoll und nachhaltig ist sie jedoch dann, wenn sie zweckgebunden ist: Fließen die Gelder in den Erhalt von Naturparks oder den Ausbau des kostenlosen ÖPNV für Gäste, wird die Abgabe zum wirksamen Hebel gegen die negativen Folgen des Massentourismus.
U wie Upcycling und unverpackt

Unverpackt: Entgegen dem Mythos, Hygienevorschriften würden verpackungsfreie Produkte verbieten, ist dies auch in der Hotellerie erwünscht und bald sogar vorgesehen. Ab 2030 untersagt die EU-Verpackungsverordnung (PPWR) Einweg-Miniverpackungen für Hotel-Kosmetik sowie Portionspackungen beim Frühstück komplett. Müsli kommt z. B. aus einem Spender, Butter aus der Buttermaschine und Shampoo aus der Nachfüllflasche.
Upcycling, das: Aus einem gebrauchten Gegenstand oder Material entsteht etwas Neues. Neben witzigen Deko-Bastelideen gibt es auch Hotels, die ganze Hotelzimmer upcyceln, und dem ganzen dadurch eine größere Bedeutung geben.
V wie vegan und Vermeidung
Veganismus, der: Die rein pflanzliche Ernährung ist im Tourismus einer der größten Hebel für den Klimaschutz, da die Bereitstellung veganer Speisen im Hotel im Vergleich zu fleischbasierten Menüs bis zu 80 % weniger Treibhausgasemissionen und einen Bruchteil des Wasserverbrauchs verursacht. Im Green Pearls Netzwerk gibt es mit dem LA VIMEA und dem Paradiso Pure.Living Vegan Hotel (beide Südtirol, Italien) sowie dem vegetarischen Hotel Korinjak auf Kroatien bereits drei komplett fleischfreie Hotels. Veganismus ist jedoch mehr als eine tierproduktfreie Ernährung. Stattdessen spiegelt er eine moralische und ethische Lebenseinstellung wider, die darauf basiert, kein Lebewesen auszubeuten. Auch aufgrund dieser „moralischen Aufladung“ und des Fakts, dass viele Menschen sofort in eine Ablehnungshaltung gehen, wenn sie „vegan“ lesen, entscheiden sich viele Gastronomie- und Hotelbetriebe dafür, eher den Begriff „plant-based“ zu verwenden.
Vermeidung, die: Die vielleicht unspektakulärste Nachhaltigkeitsstrategie überhaupt. Was gar nicht erst verbraucht wird, muss nicht recycelt, kompensiert oder entsorgt werden.

W wie Wasserfußabdruck und Wärmerückgewinnung
Wärmerückgewinnung, die: Wärme aus Abluft, Kühlanlagen oder Abwasser, die sonst verloren ginge, wird technisch aufgefangen und erneut genutzt, zum Beispiel wie im Hotel Das Rübezahl, um den Außenpool zu beheizen. So kann der Bedarf an zusätzlicher Energie sinken.
Wasserverbrauch der: Während der durchschnittliche direkte Verbrauch eines Hotelgastes mit rund 300 Litern pro Nacht bereits mehr als doppelt so hoch ist wie im eigenen Zuhause (ca. 125 Liter), können Luxus-Resorts mit ausgedehnten Golf- und Wellnessanlagen den Wert auf bis zu 1.000 Liter pro Nacht treiben.
Wildblumenwiese, die: Eine heimische Wildblumenwiese kann hunderten Insekten- und Vogelarten als essentielle Nahrungsquelle und Lebensraum dienen und ist ein naturfreundlicher Gegenentwurf zum makellosen Hotelgarten mit Englischem Rasen. Aber Achtung: Einfach eine Fläche „in Ruhe zu lassen“ führt im Hotelalltag oft nicht zu einer artenreichen Wildblumenwiese, sondern zu einer Verunkrautung durch wenige dominante Pflanzen (wie Brennnesseln oder Disteln). Eine echte Renaturierung erfordert Fachwissen, Geduld und das richtige Management (z. B. Abmagern des Bodens).

X wie Xeriscaping
Xeriscaping, das: Ein Nachhaltigkeitswort für Scrabble-Profis oder die nächste Galgen-Rätsel-Runde. Gemeint ist mit dem SciFi-artigen Begriff eine Landschaftsgestaltung, die mit möglichst wenig zusätzlicher Bewässerung auskommt. Dafür werden Pflanzen passend zum lokalen Klima gewählt und Flächen so gestaltet, dass Wasser effizient genutzt wird. Besonders interessant ist dies für Hotels in trockenen Regionen sowie solche, die vom menschengemachten Klimawandel stark betroffen sind oder sein werden.
Y wie Yield-Management
Yield-Management für Besucherlenkung, das: Ein digitales Steuerungssystem, das Ticketpreise für Nationalparks oder Sehenswürdigkeiten je nach Andrang anpasst, um Overtourism zu vermeiden und die Natur zu schonen.

Z wie Zero Waste Travel
Zero-Waste-Travel: Dieses Konzept zielt darauf ab, den auf Reisen produzierten Müll – insbesondere Einwegplastik und Lebensmittelabfälle – durch bewusste Vorbereitung gegen null zu reduzieren. Dies ist im Reisekontext besonders interessant, da Menschen gerade im Urlaub zu Extrem-Müllproduzenten mutieren.
Studien des UN-Umweltprogramms (UNEP) und der EU zeigen, dass ein Tourist im Durchschnitt doppelt so viel Müll pro Tag verursacht wie ein lokaler Einwohner an demselben Ort. Wie es besser geht, haben wir dir in diesen Zero-Waste Travel Tipps zusammengestellt.


