Moos als Wanddeko – ist das ökologisch sinnvoll?

Moos als Wanddeko – ist das ökologisch sinnvoll?

Moos als Wanddeko – ist das ökologisch sinnvoll?

Moosbilder, Mooswände und Logos aus Flechten: Wir lieben Naturmaterialien in Innenräumen. Doch ist natürlich automatisch ökologisch sinnvoll? BILD: Pexels

Das hat sich auch Benjamin Förtsch, Gastgeber im Hotel Luise in Erlangen, gefragt. Im Hotel gibt es einige Elemente aus Moosen und Flechten. Als sich das Team näher mit deren Herkunft beschäftigte, entschied es allerdings, keine neuen mehr anzuschaffen.

„Wir haben festgestellt, dass viele dekorativ genutzte Moose und Flechten wild gesammelt werden und nur sehr langsam nachwachsen. Bei intensiver kommerzieller Entnahme kann die Regeneration lange dauern und eine Übernutzung natürliche Standorte beeinträchtigen.“ – Benjamin Förtsch

Tatsächlich werben Anbieter mit Formulierungen wie „in skandinavischen Wäldern geerntet“. Aber ist das ein Problem?

Moos oder Flechte als Wanddeko? Und warum die Wände tot sind

Moose sind Pflanzen. Das beliebte sogenannte Islandmoos ist hingegen eine Flechte – eine Lebensgemeinschaft aus Pilz und einem photosynthetisch aktiven Partner. Beide haben nützliche Funktionen für das Ökosystem und sind keineswegs Parasiten. Eine wissenschaftliche Review bezeichnet Moose sogar als „ecosystem engineers“. Je nach Art und Standort können sie:

  • Wasser speichern und die Feuchtigkeit am Boden beeinflussen,
  • Erosion vermindern und Nährstoffkreisläufe beeinflussen,
  • Mikrohabitate sowie Bedingungen für Keimlinge mitgestalten.

Auch Flechten werden im Wald als überaus nützlich eingestuft und gehören zum Lebensraum verschiedenster Kleintiere. 

Eine Mooswand ist keine Zimmerpflanze

Moos und Flechten eignen sich zur Wanddekoration zu Hause nur als konserviertes (totes) Material. Selbst wenn du die Mooswand regelmäßig besprühen würdest, würdest du es kaum schaffen, im Raumklima eines Zimmers, das feuchte Waldklima nachzuahmen. (Und wenn, hätte das weitere Probleme wie Schimmelbildung.) Moos und Flechten werden darum in der Regel mit Glycerin und Farbpigmenten behandelt. 

Danach wächst das Moos beziehungsweise die Flechte nicht mehr, betreibt keine Photosynthese und benötigt weder Licht noch Wasser. Positiv ist, dass es sich auch nach einer Konservierung mit Glycerin vollständig biologisch abbaubar ist.

Das Problem: Einige wachsen ziemlich langsam

Der US Forest Service nennt für die häufig verwendete Rentierflechte (Cladonia) durchschnittliche Wachstumsraten von gerade einmal 4,8 bis 11,1 Millimetern pro Jahr. Bis sich eine große Fläche gebildet hat, kann es 10 Jahre dauern!

Es ist darum überaus relevant, wie viel Moos und Flechten entnommen werden.

Eine wissenschaftliche Dissertation aus dem Jahr 2009 fordert, dass man maximal 20% der Moose und Flechten aus einem Waldgebiet entnehmen dürfe und das Gebiet dann 5 bis 6 Jahre durch ein Sammelverbot Zeit zur Erholung bekomme. Die Frage ist: Wird sich daran gehalten? Es handelt sich hierbei nämlich nur um eine wissenschaftliche Empfehlung und kein Gesetz. 

Worauf soll ich beim Kauf von Moos/ Islandmoos achten?

Wenn du dennoch Moos oder Flechten kaufen möchtest, solltest du dich genau informieren, wie und wo gesammelt wurde und ob sich die Bestände regenerieren können. 

  • Woher stammt das Material konkret? Land und möglichst Region statt nur „aus der Natur“ oder „aus Skandinavien“.
  • Wie wurde es entnommen? Bei Wildsammlung sollte nachvollziehbar sein, dass die Entnahme erlaubt ist und es ein Konzept zur Regeneration gibt.
  • Gibt es dafür einen überprüfbaren Nachweis? Bei Aussagen wie „kontrolliert“, „zertifiziert“ oder „nachhaltig geerntet“ nachfragen, welche konkrete Zertifizierung, Kontrolle oder Genehmigung dahintersteht.

Oder doch lieber verzichten?

Das Hotel Luise hat für sich eine pragmatische Konsequenz gezogen: Die bereits vorhandenen Elemente werden weiter genutzt, neue allerdings nicht gekauft. 

Wie siehst du das? Findest du Moos und Flechten als Wanddeko vertretbar? Schreibe es uns in die Kommentare!


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